Darum gehts
- Marc Berthod kommentiert erstmals Frauenrennen in Italien nach 200 Männerrennen
- Unfall seines Freundes Guido Suter berührt ihn emotional, besucht ihn regelmässig
- Seit 9 Jahren SRF-Ski-Experte, analysiert rund 20 Rennen jährlich
Er lacht, witzelt, ist für jeden Blödsinn zu haben: Marc Berthod. Wird er je alt? Nur auf dem Papier. «Mit Freude und Spass ist vieles einfacher», sagt der 42-Jährige. Diese Energie bringt er als Ski-Experte seit neun Jahren in die Ski-Übertragungen des SRF ein. Er ist der Dienstälteste. Didier Plaschy kam 2018 dazu, Tina Weirather 2020, Beat Feuz 2023.
«Als Aktiver hätte ich mir das nie vorgestellt», sagt Berthod. «Das war kein Gedanke.» Erst nach der WM 2017 in St. Moritz GR, als er mit Lukas Studer und Paddy Kälin Rennen analysierte, änderte sich das. Bernhard Russi (77) hörte auf. «Ich habe den Finger gehoben, wir machten Tests im Studio – dann hatte ich den Job.»
Zu 40 Prozent arbeitet Berthod als stellvertretender Leiter Sport am Sportgymnasium Davos. Dort lebt er mit seiner Frau Sara und den Kindern Roc und Cobe (beide 11) sowie Lani (7). «Im Winter bin ich viel unterwegs, rund 20 Rennen. Mit An- und Rückreise kommt einiges zusammen.»
Weirather und Feuz sind die Olympia-Experten
Der zweifache Adelboden-Sieger gibt offen zu: Dass er für die Olympischen Spiele im Februar nicht berücksichtigt wurde, traf ihn. «Klar war ich enttäuscht. Ich gebe alles für diesen Job. Peking 2022 war wegen Corona trist. Es wäre natürlich schön gewesen, in Cortina oder Bormio dabei zu sein.»
Es kam anders. Weirather kommentiert in Cortina (It), Feuz in Bormio (It). «Ich gönne es ihnen und schaue nach vorne.» Jetzt freut er sich auf etwas Neues: Nach knapp 200 Männer-Rennen kommentiert Berthod erstmals Frauenrennen – zuerst in Tarvisio (It), dann am Kronplatz (It). «Ich verfolge den Frauen-Skisport seit Jahren. In den letzten Monaten habe ich noch intensiver gearbeitet.»
Nervös ist Berthod nicht. «Warum auch? Ich kommentiere die Frauen- wie die Männer-Rennen» Angst vor einem Fehltritt hat er keine. Um die Abläufe zu üben, analysierte er zuletzt mit Kommentator Men Marugg ein altes Rennen im Studio.
Schicksal seines Freundes trifft Berthod sehr
Berthod ist ein Menschenfänger. In Davos kommt er kaum zehn Meter weit, ohne stehen zu bleiben. Auch mit den Schülerinnen und Schülern des Sportgymnasiums versteht er sich bestens. «Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben», sagt er.
Traurige Momente kennt er trotzdem. «Der Unfall meines langjährigen Kondi-Trainers und Freundes Guido Suter hat mich tief getroffen.» Zwei Jahre reisten sie im Wohnmobil durch den Ski-Zirkus. Vor gut drei Jahren verunfallte Suter schwer, seither ist er Tetraplegiker. «Ich besuche ihn regelmässig in Rapperswil. Wir reden über früher. Das ist schön – und hart. Ich gehe wieder, er bleibt im Rollstuhl. Dann wird mir die Brutalität der Situation bewusst.»
Halbierungs-Initiative: Berthod hat Respekt
Wie lange Berthod noch fürs SRF arbeitet, weiss er nicht. Er macht auch Vorträge und den Podcast am Pistenrand. Bessere Aufgaben kann er sich kaum vorstellen. Respekt hat er vor der Halbierungs-Initiative. «Das beste Argument gegen die Initiative ist ein hochwertiges Programm. Dafür setze ich mich als Ski-Experte mit viel Freude und Leidenschaft ein.»
Und deshalb sagt Berthod: «Ich freue mich auf mein erstes Frauen-Rennen. Und hoffentlich auf starke Schweizerinnen.»