Darum gehts
- Arnaud Boisset gehört nicht zum Schweizer Aufgebot für die Lauberhornrennen
- Nach mehreren Stürzen kämpft er um seine Rückkehr in den Weltcup
- Die Chance, die ihm in Nordamerika und Italien gegeben wurde, konnte er nicht nutzen
Es ist noch keine zwei Jahre her, dass im Ski-Zirkus die ganz grossen Lobeshymnen auf Arnaud Boisset (27) angestimmt wurden. Nachdem der Walliser beim Weltcupfinal in Saalbach (Ö) im Super-G als Dritter seinen ersten Podestplatz auf der höchsten Stufe herausgefahren hatte, wartete Teamkollege Niels Hintermann mit einer besonderen Prognose auf: «Ich bin mir ziemlich sicher, dass Boisset in Zukunft im Super-G zum gefährlichsten Herausforderer von Marco Odermatt avancieren wird!»
Doch neun Monate danach lag Boisset am Boden. Nach einem bösen Abflug mit 120 km/h bei der Abfahrt in Beaver Creek (USA) erlitt er eine schwere Gehirnerschütterung sowie schmerzhafte Prellungen im Gesicht und an der Schulter.
Klartext vom Cheftrainer
Zwar klassierte sich der Speed-Spezialist aus Martigny vor einem Jahr als 28. beim Lauberhorn-Super-G bereits wieder in den Weltcuppunkten, kurz darauf stürzt er bei der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel (Ö) aber erneut. Der Romand kam dabei zwar ohne gravierende Verletzungen davon, doch weil er im Februar im Training zur Abfahrt in Crans-Montana VS abermals crashte, musste der Salomon-Pilot seine Wettkampf-Saison vorzeitig abbrechen.
Vor dem Start in den Olympia-Winter äusserte sich Abfahrtschef Reto Nydegger auf Boisset angesprochen positiv: «Arnaud hat sich im Trainingscamp in Chile sehr gut entwickelt.» Doch in der Zwischenzeit ist die Zuversicht der Ernüchterung gewichen. Nachdem der 27-Jährige in Copper Mountain (USA), Beaver Creek und Gröden (It) keine Weltcuppunkte verbuchen konnte, hat er von Cheftrainer Tom Stauffer kein Aufgebot für die Lauberhornrennen erhalten.
«Boisset hat die Chancen, die er in Nordamerika und in Gröden erhalten hat, nicht genutzt. Deshalb muss er sich nun über den Europacup für einen Platz im Weltcup aufdrängen. Er hat die Chance, dass er mit einem Top-3-Platz in der Europacup-Gesamtwertung einen Fixplatz für den nächsten Weltcup-Winter holt», so Stauffer.
Opfer der starken Teamkollegen
Die Reaktion von Boisset hört sich so an: «Es ist ganz klar, dass ich enttäuscht bin. In jeder anderen Nation hätte ich auch jetzt einen Platz im Weltcup auf sicher, aber in der Schweiz wird mir in dieser Situation die enorme Breite in unserer Mannschaft zum Verhängnis.»
Vor allem in der Abfahrt gibt es ein Luxusproblem: Stauffer kann in der Königsdisziplin im Weltcup zehn Startplätze anbieten, neun seiner Athleten fungieren in der Startliste in den Top 33. Der Cheftrainer glaubt aber nicht, dass Boisset ein hoffnungsloser Fall ist: «Arnaud fährt derzeit ganz sicher besser Ski als vor zwölf Monaten. Und ich traue ihm absolut zu, dass er noch einmal einen Schritt machen kann. Aber dazu benötigt er Zeit.»
Das letzte Quäntchen
Was fehlt dem Romand aktuell zur Form seiner allerbesten Tage? «Mein Selbstvertrauen ist derzeit noch nicht so gross, wie es vor meinem Sturz in Beaver Creek war. Es fehlt mir noch das letzte Quäntchen Mut, um meinen Kurvenradius noch ein bisschen kürzer zu halten», gesteht Boisset, der sich im selben Atemzug Hoffnung auf ein Happy End macht.
«Dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde, belegt die Tatsache, dass ich die Punkteränge in Copper Mountain und Gröden lediglich um acht Hundertstel und um zwei Zehntel verpasst habe.»