Darum gehts
- Wendy Holdener verliert Trainer Jörg Roten, der Rennchef bei Stöckli wird
- Rotens Abgang vor Heim-WM in Crans-Montana sorgt für Diskussionen
- Lösung bis April geplant, mögliche Nachfolge: Christian Brill
Nach zwei Jahren ist Schluss. Wendy Holdener (32) verliert mit Jörg «Yoyo» Roten ihren wichtigsten Trainer. Er wird Rennchef bei Stöckli. «Ich habe ihr vor einem Monat gesagt, dass ich aufhöre. Es war ein gutes Gespräch. Sie freut sich für mich», sagt der Walliser.
Für Holdener kommt der Abschied zur Unzeit. Vor der Heim-WM in Crans-Montana braucht sie Ruhe. Roten widerspricht: «Wer sagt, dass es ihr letzter Winter ist?» Ein Wechsel könne auch beflügeln. «Ich habe selten eine Athletin erlebt, die so professionell und motiviert arbeitet wie Wendy. Sie bringt alles mit, um grosse Erfolge zu feiern.»
Zuletzt verpasste Holdener ihr grosses Ziel: Olympiagold im Slalom in Cortina (It). Danach weinte sie. Lange dauerte es nicht. Sie genoss die Tage daheim – auch als frischgebackene Gotte. Ihr Bruder Steve, der in Hongkong lebt, wurde Vater einer Tochter. Sie heisst Sophia.
Tschuor: «Sein Abgang schmerzt»
Seit Montag trainiert Holdener wieder. Im Hoch-Ybrig SZ, auf perfekt präparierter Piste, wie Roten sagt. Zuerst Riesenslalom, dann Slalom. In einer Woche reist sie nach Are (Sd) zum Technik-Wochenende. Danach folgt der Weltcupfinal in Norwegen. «Es gibt noch viele Punkte zu holen», sagt Roten. Für Abschiedsschmerz bleibt keine Zeit.
Bei Swiss-Ski wächst der Druck. Nach der angekündigten Pensionierung von Camille-Rast-Coach Denis Wicki braucht auch Holdener einen neuen Trainer. Frauen-Chef Beat Tschuor sagt: «Yoyos Abgang schmerzt. Er arbeitet geradlinig und präzise. So jemanden ersetzt man nicht einfach.» Kandidaten gibt es. Gespräche laufen. Spätestens Anfang April will man Lösungen präsentieren.
Magoni? Pini? Wohl eher ein anderer
Schon vor sechs Jahren brachte man Holdener mit Livio Magoni in Verbindung, dem früheren Coach von Petra Vlhova (30). «Ich mag Wendys Arbeitseinstellung sehr», sagt er damals. Auch Mauro Pini wäre eine Option. Der Tessiner führte Lara Gut-Behrami zur Weltklasse und trat kürzlich als Trainer der italienischen Techniker zurück. «Wendy ist eine Top-Athletin. Wer würde nicht gern mit ihr arbeiten?», sagt er.
Am wahrscheinlichsten ist eine interne Lösung. Etwa Christian Brill. Er betreut Holdener seit Jahren als Konditionstrainer und kennt sie genau. Auch ski-technisch ist er mit allen Wassern gewaschen. «Ein Top-Mann», sagt Roten. Er will bei der Nachfolge helfen. Und Holdener? Sie schweigt noch.