Viel Speed am Wochenende
Ein Abgang bei Swiss-Ski und Chaos bei den Ösis

Das Ski-Wochenende stand ganz im Zeichen der Speed-Disziplinen – mit grossen Schweizer Erfolgen. Zwischen den Siegesfeiern überraschte auch eine Weltcup-Debütantin. Swiss-Ski hat aber auch einen Abgang zu verkraften. Hier gehts zum Ski-Check.
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Haben zu feiern: Alexis Monney und Marco Odermatt holen in Garmisch gemeinsam mit Stefan Rogentin einen Dreifachsieg.
Foto: Getty Images

Zweite Schweizer Soldeu-Siegerin

Im Februar 2012 hat Soldeu seine Weltcup-Premiere gefeiert. Seither haben die Frauen sechsmal dort Halt gemacht. Triumphieren konnte dabei nur eine Schweizerin: Lara Gut-Behrami. Sie gewann 2023 den Super-G und 2024 den Riesenslalom, fuhr zudem einmal als Abfahrts-Dritte (2023) aufs Podest. Nun kennt Soldeu eine zweite Schweizer Siegerin: Corinne Suter. Vier Jahre nach ihrem letzten Sieg in dieser Disziplin fährt sie in der Abfahrt allen davon. Mit dem dritten Platz im Super-G kommt auch Suter neu auf drei Soldeu-Podestplätze. Den ersten hat sie vor sieben Jahren als Abfahrts-Dritte eingefahren. Daneben kennt nur eine weitere Swiss-Ski-Fahrerin das Soldeu-Podest. Wendy Holdener wurde hier zweimal Zweite (Kombi 2016 und Slalom 2019).

Corinne Suter holt in Soldeu ihren ersten Abfahrts-Weltcupsieg seit vier Jahren.
Foto: keystone-sda.ch

Historisches Stöckli-Ergebnis

Während sich die Ski-Schweiz bei der Abfahrt in Garmisch dank Marco Odermatt, Alexis Monney und Stefan Rogentin über den 17. Dreifachsieg in der 59-jährigen Weltcup-Geschichte freut, bejubelt der Entlebucher Ski-Hersteller Stöckli seinen allerersten Weltcup-Doppelsieg in der Königsdisziplin. Besonders eindrücklich: Die Stöckli-Piloten Odermatt und Monney haben auf der Kandahar dem Fischer-Mann Rogentin über neun Zehntel sowie den beiden viertplatzierten Vincent Kriechmayr (Head) und Giovanni Franzoni (Rossignol) mehr als eine Sekunde abgeknöpft. Der erste Doppelsieg in einer Weltcup-Abfahrt kommt für die Stöckli-Macher auch deshalb einer besonders grossen Genugtuung gleich, weil ihr Produkt vor nicht allzu langer Zeit im Ausland als «Schweizer Militärski» verspottet wurde. Der heutige Swiss-Ski-CEO Walter Reusser hat diese schwierigen Zeiten als damaliger Stöckli-Rennchef hautnah miterlebt. «Nachdem wir in den 90er-Jahren dank Urs Kälin, Paul Accola und Marco Büchel erste Erfolge im Riesenslalom gefeiert haben, wollten wir auch in den Speed-Disziplinen Fuss fassen. Aber nachdem die grossen Erfolge in den ersten Jahren ausgeblieben waren, wollten namhafte Athleten unsere Speed-Ski nicht anschnallen, obwohl wir ihnen alleine für eine Testfahrt Geld angeboten haben», erinnert sich Reusser. Doch dann hat der Slowene Andrej Jerman 2007 in Garmisch den ersten Abfahrtssieg für Stöckli herausgefahren, und 2010 hat das einstige Rossignol-Kind Marco Odermatt mit 13 sein erstes Jugendrennen auf dem Schweizer Ski bestritten. Und weil der ehemalige Didier-Cuche-Trainer Louis Monney nach der Jahrtausendwende die Geschäftsleitung einer Stöckli-Filiale im Welschland übernommen hat, ist sein Sohn Alexis gänzlich auf diesen Ski gross geworden. Der Rest dieser glorreichen Geschichte ist bekannt.

Marco Odermatt und Alexis Monney stossen in Garmisch auf den ersten Stöckli-Doppelsieg in einer Weltcup-Abfahrt an.
Foto: Getty Images

Aicher rückt Rast und Shiffrin auf die Pelle

Vor dem Rennwochenende führte Mikaela Shiffrin (1133 Punkte) den Gesamtweltcup vor Camille Rast (963 Punkte) an. Daran hat sich nichts geändert, obwohl beide nicht im Einsatz standen. Aber ihnen rückt eine Verfolgerin auf die Pelle. Denn Emma Aicher holt in den drei Soldeu-Rennen 230 der 300 maximal möglichen Punkte. Nun trennen sie nur noch 53 Punkte von Rast, auch Shiffrins Vorsprung schmilzt auf 219 Punkte. Kann sie die beiden noch überflügeln und als erste Deutsche seit Maria Riesch 2010/11 die grosse Kugel gewinnen? Aicher startet in allen Disziplinen, hat so noch maximal neun Rennen vor sich. Rast ist Technikerin, bei ihr stehen noch vier Einsätze in der Agenda. Gleiches gilt für Shiffrin – obwohl auch sie Speedrennen fährt. Schon vor der Saison hat die Amerikanerin allerdings angekündigt, auf die Abfahrten zu verzichten. Super-G hat sie in diesem Winter nur einen bestritten – in St. Moritz GR ist sie ausgeschieden. Zwei sind ausstehend. Shiffrins Ziel ist die sechste grosse Kugel – eine Marke, die bisher nur Annemarie Moser-Pröll erreicht hat. Ob sie dafür an den Super-G-Start zurückkehrt, wird sich zeigen. Zumindest trainierte sie am Wochenende diese Disziplin gemeinsam mit ihrem Verlobten Aleksander Aamodt Kilde, wie sie auf Instagram verrät.

https://www.instagram.com/p/DVWfNxLEZy-/?hl=de

Von Allmens «Schleifer» verlässt Swiss-Ski

Gabriel Gwerder wurde einst als Ski-Talent gehandelt. Beim Migros-Final 2006 wurde der Schwyzer hinter seinem Nidwaldner Kumpel Marco Odermatt Zweiter im Riesenslalom, später hat er zahlreiche FIS-Rennen bestritten. Bei den nationalen Konditionstests von Swiss-Ski war Gabriel zweimal die Nummer 1. Nachdem er seine Rennfahrerkarriere 2015 aufgrund eines üblen Crashs in Crans-Montana beenden musste, hat Gwerder seine Karriere als Athletiktrainer lanciert. 2023 wurde er von Swiss-Ski verpflichtet. Als «Schleifer» in der Speed-Gruppe hatte der 28-Jährige massgeblichen Anteil daran, dass Franjo von Allmen beim letzten Ausdauer-Test in gewissen Bereichen besser war als Marco Odermatt. Doch zum Ende dieser Saison wird der Kraft- und Konditionsexperte das Swiss-Ski-Team verlassen. Grund: Gwerder will sich nach dem Weltcupfinale in Kvitfjell vermehrt auf sein Trainingszentrum in Stans fokussieren können.

Athletik-Trainer Gabriel Gwerder verlässt Swiss-Ski Ende Saison.
Foto: Sven Thomann

Kuriose Konstanz

Die Saison von Nadine Fest ist ein Auf und Ab. Neun Rennen hat sie vor Olympia bestritten, viermal blieb sie punktelos. Das Bestresultat der Österreicherin: Platz 23. Das toppt sie in Soldeu mit einer beeindruckenden Konstanz. Denn Fest schafft das Kunststück, in allen drei Rennen auf Rang 19 zu fahren. Einzig der Rückstand ist nicht immer gleich, er bewegt sich zwischen 2,18 und 2,64 Sekunden. Trotzdem ist sie zufrieden, wie sie auf Instagram schreibt: «Dinge bewegen sich in die richtige Richtung – ich bin glücklich.»

Hattrick der besonderen Art: Nadine Fest wird in Soldeu dreimal 19.
Foto: IMAGO/Italy Photo Press

Murisiers Spezialtherapie zeigt erfreuliche Wirkung

Der grosse Teil dieses Olympiawinters war bei Justin Murisier von viel Pech, mässigen Ergebnissen und Schmerzen geprägt. Dass der Triumphator der Abfahrt in Beaver Creek bis und mit der Abfahrt in Crans-Montana nie besser als 16. war, war in erster Linie auf die Nachwehen seiner drei Kreuzbandrisse zurückzuführen. Deshalb hat der 34-Jährige die Olympiapause für eine Eigenbluttherapie in Genf genutzt. Das hat sich in Garmisch erstmals bezahlt gemacht: Ohne gravierende Kniebeschwerden hat Murisier auf der technisch höchst anspruchsvollen «Kandahar» den zehnten Rang erkämpft.

Mit Eigenbluttherapie zum Erfolg? Das Rennen in Garmisch war für Justin Murisier schon einmal vielversprechend.
Foto: Getty Images

Premiere für zwei Junioren-Weltmeisterinnen

Vor einem Jahr kommt Jasmin Mathis wegen Verletzungspech einer Teamkollegin zur Teilnahme an der Junioren-WM. Sie nutzt die Gunst der Stunde, fährt im Super-G zu Gold und in der Abfahrt zu Silber. Ob der Erfolg mit ihrem Herkunftsort zu tun hat? Wie Marco Odermatt stammt Mathis aus Buochs NW. Nun hat sie mit 21 Jahren ihr Weltcup-Debüt gegeben. Und ist im ersten Rennen als 23. direkt zu ihren ersten Punkten gefahren. Beeindruckend. Odermatt war bei seinem Debüt auf höchster Stufe noch einen Rang besser. Punkte hats für ihn allerdings keine gegeben. Denn er bestritt den Riesenslalom beim Weltcupfinal 2016 – und da bekommen nur die Top 15 welche. Bei seinem zweiten Rennen ist er dann als 17. mitten in die Punkte gefahren. Bei Corinne Suter, der Siegerin von Mathis Debüt-Rennen, hats erst im zwölften Anlauf geklappt. Mit Stefanie Grob, der zweifachen Junioren-Weltmeisterin in der Abfahrt, hat am Wochenende eine zweite Schweizerin ihre ersten Punkte eingefahren. Sie hat dafür 28 Rennen gebraucht und im 29. gleich nachgedoppelt.

Punktet gleich in ihrem ersten Weltcup-Rennen: Jasmin Mathis.
Foto: keystone-sda.ch

Das grosse Nummernwirrwar?

Was soll jetzt das? Diese Frage dürften sich am Samstag einige Zuschauer wegen der beiden Österreicher Raphael Haaser und Stefan Babinsky gestellt haben. Was ist passiert? Riesenslalom-Weltmeister Haaser hat den Abfahrts-Klassiker in Garmisch als 21. in Angriff genommen, getragen hat er allerdings die Startnummer 61. Sein Teamkollege Babinsky stand als 25. mit der Nummer 65 am Start. «Ich möchte klarstellen, dass wir unsere Nummern nicht im Hotel vergessen haben», sagt Babinsky im Gespräch mit Eurosport. «Leider hat es im Training am Vortag zwei Athleten gegeben, die das Ziel nicht mit den Ski erreicht haben, und deshalb hatte es für uns zwei nicht die passenden Startnummern», ergänzt Haaser. Tatsächlich sind im Training der Franzose Nils Alphand (Schulter- und Rippenverletzung) mit der 21 und der Finne Elian Lehto (kollabierte Lunge) heftig abgeflogen. Die erfreuliche Nachricht: Lehto, welcher seit mehreren Jahren mit dem Schweizer Team trainiert, hat die Intensivstation verlassen.

Stefan Babinsky ist am Samstag mit einer aussergewöhnlich hohen Startnummer unterwegs.
Foto: keystone-sda.ch

Legenden-Tochter vor erster WM

Vom 5. bis 15. März findet in Narvik (No) die Junioren-WM statt. Swiss-Ski hat unter der Woche das Aufgebot bekanntgegeben. Auch eine Legendentochter wird auf Medaillenjagd gehen: Anna Flatscher. Die 17-Jährige ist die Tochter von Sonja Nef und dem Schweizer Alpinchef Hans Flatscher. Mit dieser WM-Teilnahme hat sie ihrer Mutter etwas voraus. Diese hat zwar bei der Weltmeisterschaft einst Riesenslalom-Gold gewonnen, aber bei den Juniorinnen hat Nef nie an den Titelkämpfen teilgenommen.

Besonderer Dank an die Mama

Roberta Melesi sorgt im zweiten Super-G für den Schreckmoment. Nach einer missglückten Landung reisst es der Italienerin die Beine auseinander, sie fädelt beim nächsten Tor ein und stürzt heftig. Glücklicherweise kommt sie ohne schwere Verletzung davon, steht kurz darauf wieder auf den Ski und fährt selbständig Richtung Ziel. Dort angekommen, richtet sie einen besonderen Dank an ihre Mutter. «Danke, dass du mich aus Gummi gemacht hast», meint sie mit einem Augenzwinkern. Später schreibt sie auf Instagram: «Manche Tage erinnern einen daran, dass ein einziger Moment alles verändern kann. Mir geht es gut, ich habe nur ein paar Wehwehchen, nichts Ernstes.»

Italienerin fährt nach brutalem Sturz selbständig ins Ziel
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Blieb sie wirklich unverletzt?Italienerin fährt nach brutalem Sturz selbständig ins Ziel
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