«Richtig scheisse!»
Schweizer Speed-Ass von Gewichtsregel hart getroffen

Sportlich betrachtet, hat sich Arnaud Boisset in den letzten Monaten gut entwickelt. Für Unmut sorgt beim Westschweizer allerdings eine gewichtige Änderung im Materialbereich.
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Arnaud Boisset schaut auf bewegte Jahre zurück
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Nach Hirnerschütterung und Europacup kämpft Arnaud Boisset um Starts
  • Die FIS limitiert Abfahrtsski auf 10,6 Kilo, Boisset klagt
  • Getestet werden kürzere Platten; Schuheinlagen sind Thema
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Marcel W. PerrenReporter Sport

Vom Shooting-Star zum Schweizer «Kummerbuben» – diese Schlagzeile steht für die Entwicklung, die Arnaud Boisset in knapp drei Jahren gemacht hat. Im März 2024 gelang dem Walliser beim Weltcup-Final in Saalbach (Ö) mit dem dritten Rang im Super-G erstmals der Sprung auf ein Weltcup-Podium. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass Boisset in Zukunft im Super-G zum gefährlichsten Herausforderer von Marco Odermatt avancieren wird», prognostizierte der Zürcher Niels Hintermann wenig später im Gespräch mit Blick.

Dass Boisset aktuell im Swiss-Ski-Team nicht einmal mehr einen Weltcup-Startplatz auf sicher hat, ist auf sein erstes Abfahrtsrennen nach der «Stockerl»-Premiere in Saalbach zurückzuführen. Im Dezember 2024 flog Boisset in Beaver Creek (USA) mit 120 km/h ab und erlitt dabei eine schwere Hirnerschütterung.

Während Boissets Reha entwickelte sich das Schweizer Speed-Team noch stärker, als es zuvor schon war. Und weil er bei seinem Comeback nicht an seine vorherigen Leistungen anknüpfen konnte (vier Weltcuppunkte in fünf Rennen), wurde der 97-Kilo-Mann aus Martigny in den Europacup degradiert. In der vorletzten Abfahrt der letzten Saison hat Boisset eine seiner raren Weltcup-Chancen genutzt. In der Abfahrt von Courchevel donnerte der mittlerweile 28-Jährige mit der Nummer 36 auf den 13. Rang. Es dauerte jedoch nicht lange, bis er den nächsten Rückschlag einstecken musste.

Umstrittene Reglementsänderung

Im Frühling hat die FIS beschlossen, das Gewicht der Ski aus Sicherheitsgründen zu reglementieren. Bei den Männern darf ein Paar Abfahrtsski ab sofort nicht mehr als 10,6 Kilogramm (10,4 bei den Frauen) auf die Waage bringen. Während die Stöckli-Latten von Marco Odermatt oder die Head-Produkte von Franjo von Allmen bereits im letzten Winter der heutigen Gewichtsnorm entsprochen haben, wogen die letztjährigen Salomon-Renner von Boisset genau wie viele Atomic-Speed-Ski inklusive Bindung und Bindungsplatte um die 11 Kilogramm.

«Diese Reglements-Änderung war für mich richtig scheisse», stöhnt Boisset und legt nach: «Ich musste eine für mich gravierende Änderung vornehmen, obwohl die Entscheidungsträger bei der FIS keinen Beweis dafür haben, dass leichtere Ski unseren Sport auch wirklich sicherer machen.» In der Blick-Story vom 9. Oktober hat bereits Abfahrts-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Breezy Johnson heftige Kritik an der Ski-Gewichtsreduktion der FIS geäussert: «Weil ich über 80 Kilo wiege, brauche ich auch schwerere Ski, um im unebenen Gelände die nötige Stabilität erlangen zu können.»

Wird nun im Schuhbereich getrickst?

Damit Boisset auch mit seinen letztjährigen Ski innerhalb der neuen Gewichtstoleranz ist, fährt er mit einer kürzeren Bindungsplatte. «Auf Gletscherschnee hat das ganz gut funktioniert», bestätigt sein Trainer Vitus Lüönd. «Ob sich die Ski mit der kürzeren Bindungsplatte auch auf Kunstschnee bewähren, werden wir aber erst in ein paar Wochen bei den ersten Trainings in Nordamerika sehen», ergänzt Lüönd.

Boisset macht aber schon vor der Reise über den grossen Teich deutlich, dass sich die jüngste Regeländerung der FIS zu einer grossen Farce entwickeln könnte: «Ich wäre nicht überrascht, wenn Rennfahrer in Zukunft den Gewichtsverlust bei den Ski kompensieren, indem sie die Skischuhe mit einer schweren Einlage bestücken.»

Rainer Salzgeber, Rennleiter von Head, bestätigt, «dass es solche Versuche mit gewichtigen Schuheinlagen schon gegeben hat. Ich weiss aber nicht, wie erfolgreich diese Tests gewesen sind.» Salzgeber liefert einen anderen Vorschlag, um die Sicherheit im Skisport zu erhöhen: «Das grösste Verbesserungspotenzial liegt meines Erachtens in der Kurssetzung. Vor allem bei den Frauenrennen. Es hat zuletzt Super-G mit Torabständen von 60 Meter gegeben. Kürzere Torabstände, gepaart mit kürzeren Ski, würden dazu führen, dass weniger in der Hockeposition gefahren werden kann. Und somit könnte das Tempo besser kontrolliert werden.» Sicher ist, dass uns dieses Thema noch länger beschäftigen wird.

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