Die Weltcup-Rennen in Crans-Montana VS finden an diesem Wochenende statt – obwohl nach der Feuer-Tragödie in der Silvesternacht eine Absage im Raum stand. Grosse Sponsoren regten an, über die Austragung nachzudenken, wie die «NZZ» unter der Woche berichtete.
Zuerst die nüchternen Fakten: Eine Absage aus Pietätsgründen ist versicherungstechnisch nicht gedeckt. Versicherungen greifen bei höherer Gewalt – Naturkatastrophen, behördliche Verbote, Sicherheitsrisiken. Nicht bei moralisch verständlichen, aber freiwilligen Rückzügen. Eine kurzfristige Absage hätte Millionen gekostet: für Veranstalter, Verbände, Dienstleister.
Wichtig ist auch: Die Sponsoren haben am Ende keine Absage gefordert. Manche von ihnen mögen bis heute der Meinung sein, eine Absage wäre eigentlich korrekt gewesen. Doch sie baten um eine Prüfung. Um ein Innehalten. Ein Teil von ihnen tat dies auch unter dem Eindruck des desaströsen ersten öffentlichen Auftritts von Crans-Montanas Gemeindepräsident Nicolas Féraud, zu diesem Zeitpunkt noch im OK der WM im nächsten Jahr. Am Ende tragen sie den Entscheid zur Durchführung mit. Mehr noch: Sie nutzen ihre prominenten Werbeflächen für Trauerbotschaften. Für Stille. Für Respekt.
Damit sind wir beim Kern der Debatte. Sport ist Emotion. Sport ist Identifikation. Aber er beinhaltet eben auch Vermarktung, Verträge, wirtschaftliche Abhängigkeiten. Wer so tut, als liesse sich das eine sauber vom anderen trennen, ist naiv – oder unehrlich.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Darf Sport in solchen Momenten stattfinden? Sondern: Wie verhalten sich Sport und seine kommerziellen Partner, wenn er stattfindet?
Crans-Montana liefert darauf eine ziemlich überzeugende Antwort. Kein Wegdrücken, kein «Business as usual». Sondern ein koordiniertes, bewusst zurückhaltendes Vorgehen. Die Schwere des Geschehenen wird anerkannt. Keine Instrumentalisierung des Ereignisses für Marketingzwecke. Man ist präsent, aber nicht laut. Solidarisch, nicht opportunistisch.
Der Skisport zeigt an diesem Wochenende, dass wirtschaftliche Realität und menschliche Haltung kein Widerspruch sein müssen. Ein Beispiel dafür, wie Verantwortung im Profisport aussehen kann.