Darum gehts
- Joana Hählen verpasst Olympia 2026 trotz solider Leistung im Super-G
- Jüngere Delia Durrer nominiert, obwohl Hählen bessere Ergebnisse vorwies
- Hählen denkt an Heim-WM 2027 in Crans-Montana und trainiert weiter
Vor zehn Tagen steht Joana Hählen (34) im Zielraum von Tarvisio (It). Sie ist im Super-G 13. geworden und beste Schweizerin. Sie hofft auf Olympia. «Die Form stimmt, mein Knie ist viel besser als letztes Jahr. Als zweitbeste Schweizerin im Super-G-Klassement rechnete ich mir sehr gute Chancen für Cortina aus», sagt sie.
Es klappte dennoch nicht. Vor wenigen Tagen erhielt Hählen die Nachricht, dass sie nicht zu den Winterspielen darf. «Das tat sehr weh. Und das tut es auch jetzt noch», sagt sie nach dem Abfahrtstraining in Crans-Montana VS.
Hählen ist sich bewusst: Sie hat die Olympia-Kriterien (einmal Top 7 oder zweimal Top 15) nur zur Hälfte erfüllt. So wie auch Jasmina Suter (30), die in St. Moritz GR 12. wurde. Delia Durrer (23), die für Cortina aufgeboten wurde, schaffte nicht mal das. Ihr Bestresultat: Rang 18. Weitere drei selektionierte Athletinnen erfüllten die Quali ebenfalls nicht: Corinne Suter (31), Jasmine Flury (32) und Mélanie Meillard (26). Trotzdem sind sie dabei.
«Ich bin niemandem böse, auch nicht Delia. Wir sind Freundinnen. Und wenn sie nach Cortina darf, sagt sie natürlich nicht nein», so Hählen.
Was sprach letztlich für Durrer und gegen Hählen? Sicher der Jugendbonus. Er ist in den Selektionskriterien von Swiss Olympic verankert. Während die Technikerinnen 16 Rennen hatten, um sich zu präsentieren, waren es bei den Speedfahrerinnen nur acht – auch das ist Hählens Pech.
Sie will die Antwort auf der Piste geben
«Ich bin dafür, dass man die Resultate und das Gesamtbild anschaut», findet Hählen. Eine weitere Begründung: Durrer hat bessere Abfahrtspunkte als Hählen und kann darum früher starten. Auch damit kann die Frau, die im Sommer noch mit dem Rennvelo nach Cortina fuhr, nicht viel anfangen.
Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor teilte Hählen die schlechte Nachricht mit. «Ich habe ihm gesagt, dass ich den Entscheid nicht verstehe. Aber ich sehe, dass es eine schwierige Entscheidung ist.»
Ans Aufhören denkt sie deswegen nicht. Im Gegenteil: Die Bernerin will die Antwort auf der Piste geben. «Ich spiele schon mit den Gedanken ans nächste Jahr», sagt sie. Dann steht die Heim-WM in Crans-Montana an. «Ich mag diese Piste, sie liegt mir. Das will ich auch in den nächsten Tagen zeigen.»