Darum gehts
Vom Schweizer Nischenprodukt zum US-Markt. KA-Ex will in Amerika Fuss fassen. Rückenwind kommt aus dem Spitzensport: Ski-Star Lara Gut‑Behrami steht hinter dem Getränk. Doch reicht ein prominenter Name, um im US-Markt zu bestehen?
Das Schweizer Getränk Ka-Ex ist eine Kombination aus Vitaminwasser und Nahrungsergänzungsmitteln für Sport. Das Start-up hinter der Marke will nun den US-Markt erobern.
Der ETH-Pharmazeut Pedro Schmidt entwickelte Ka-Ex, nachdem er geglaubt hatte, aus Konsumentensicht eine Marktlücke erkannt zu haben. Ziel war ein Produkt, das dem Körper jene Stoffe zurückgibt, die der Alkohol ihm entzieht.
Vier Jahre lang arbeitete Schmidt an der Rezeptur und entwickelte schliesslich eine Kombination aus 25 Inhaltsstoffen, darunter Vitamine, bioaktive Substanzen und Elektrolyte. Er patentierte die Rezeptur und brachte 2017 Ka-Ex in Pulverform auf den Markt – finanziert mit eigenen Ersparnissen sowie mit Beiträgen von Freunden und Familie in der Höhe von insgesamt 250'000 Franken.
Das Rebranding zum Sportgetränk
Nach dem Markteintritt ging es rasant: Bereits im März 2018 war das Produkt bei 99 Prozent aller Schweizer Apotheken und Drogerien gelistet, in den ersten vier Monaten wurden über 10’000 Packungen verkauft. Ein Jahr nach der Lancierung war das Produkt in 370 Coop-Filialen gelistet und avancierte zur erfolgreichsten Neulancierung im Segment der Nahrungsergänzungsmittel. Es folgten Manor und Müller, 2019 auch die Migros sowie eine limitierte Aktion bei Aldi.
Aber dann führte die Corona-Pandemie 2020 zu Umsatzeinbussen von bis zu 90 Prozent. Mit dem Wegfall des Partylebens verlagerte das Unternehmen den Fokus: von Party hin zum Profisport. Die Anti-Kater-Kommunikation wurde eingestellt und Ka-Ex als Sportgetränk positioniert. Zeitweise wurde mit «after party» und «after sport» geworben, heute fokussiert die Marke ausschliesslich auf Sport. Und ist in das Sportsponsoring eingestiegen, unter anderem als Partner des FC Basel und FC Zürich.
Auf Expansionskurs
Ka-Ex startete seine internationale Expansion 2020 in Deutschland mit einer Finanzspritze von zwei deutschen Medienkonzernen und einem Werbebudget von 2,5 Millionen Euro. Innerhalb von sechs Monaten verdreifachte sich der Umsatz, 2022 stammte bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes aus Deutschland – obwohl Ka-Ex dort zunächst nur online verkauft wurde.
Heute ist es im DACH-Raum, im Vereinigten Königreich und in den USA in Läden, Apotheken, Gyms und europaweit online erhältlich. Auf dem führenden US-Online-Marktplatz für Sport-Supplements gehörte Ka-Ex nach sechs Wochen zu den Top Ten der meistverkauften Produkte. Rund tausend Verkaufsstellen in New York und Los Angeles haben das Schweizer Produkt bereits gelistet. Auf Amazon zählt Ka-Ex in der Kategorie Post-Work-out und Recovery zu den zwanzig meistverkauften Produkten.
In den USA investiert Ka-Ex 3,5 Millionen Franken in eine TV-Kampagne und verhandelt über nationale Listungen bei CVS und Whole Foods ab Mai 2026. Um das weitere Wachstum zu finanzieren, läuft aktuell eine Finanzierungsrunde von 20 bis 30 Millionen Franken. Diese Finanzierungsrunde soll die letzte sein. Ende 2027 könnte ein Verkauf anstehen, alternativ soll das Start-up aus eigener Kraft weiterentwickelt werden. Dann könnte 2029 der Börsengang angestrebt werden.
Helmsponsor von Lara Gut-Behrami
Nachdem die Marke bereits Partnerschaften mit Fussballvereinen wie dem FC Zürich und mehreren Bundesligisten eingegangen ist, kooperiert Ka-Ex nun auch mit NFL-Teams. Seit Juli 2025 ist Skistar Lara Gut-Behrami als Beraterin und Investorin das Gesicht der Marke.
Ab der Wintersaison 2025/2026 tritt Ka-Ex als ihr Helmsponsor auf. Die Schweizer Skiathletin scheint sich bei der Zusammenarbeit mit Ka-Ex an Tennislegende Roger Federer zu orientieren: Dieser ist an Sneaker-Hersteller On beteiligt und dient On zudem auch als Werbeträger.
Sportliche Konkurrenz im boomenden Markt
Ka-Ex bewegt sich im Markt der Nahrungsergänzung, an der Schnittstelle von Vitaminwasser und Work-out-Supplementen. Auf dem Schweizer Markt tummeln sich einige Konkurrenten, so etwa das Vitaminwasser von Peaq, das von Spitzensportlern wie Yann Sommer, Stan Wawrinka und Roman Josi mit der Aqva Group entwickelt wurde, sowie Focuswater von Rivella. Auch international gibt es einige Powerwässerchen: zum Beispiel das schwedische Vitamin Well und Coca-Colas Vitaminwater.
Die aktuellen Ka-Ex-Produkte Recharge+ und Boost+ werden als Pre- und Post-Workout-Getränke vermarktet. In diesem Segment existiert ebenfalls starke Konkurrenz von Coca-Cola (Powerade), Pepsico (Gatorade) und von Herstellern von Fitnessnahrung wie dem deutschen Marktführer ESN und den Schweizer Marken Lee-Sport und Powerfood.
Harte Konkurrenz, doch der Markt wächst: Die Marktforscher von Grand View Research erwarten ein Wachstum des globalen Marktes für Nahrungsergänzungsmittel von jährlich 8,9 Prozent.