Foto: Pius Koller

«Grossteil meines Einkommens ist auf einen Schlag weggebrochen»
Nächster schmerzlicher Tiefschlag für Odermatt-Kumpel Kohler

Körperlich hinterlässt unser tragischer Abfahrts-Held Marco Kohler fünf Monate nach der OP von beiden Knien einen vielversprechenden Eindruck. Dennoch hat «Köhli» ein gröberes Problem.
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Marco Kohler und Marco Odermatt sind seit ihrer Jugendzeit befreundet.
Foto: Sven Thomann
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Es gibt kein anderes so grosses Skitalent, das in den letzten sechs Jahren derart viele Tiefschläge in Kauf nehmen musste wie Marco Kohler. 2020 hat der Meiringer als Vorfahrer im Abfahrtstraining am Lauberhorn einen Totalschaden im linken Knie erlitten. Obwohl ihm ein Arzt damals das sportliche Aus prophezeite, donnerte der Stöckli-Pilot im Dezember 2023 in Gröden erstmals in die Top 10 von einem Weltcuprennen. Drei Wochen danach lag der Jugendfreund von Marco Odermatt nach einem in Wengen erlittenen Kreuzbandriss jedoch erneut auf dem OP-Tisch. Umso erstaunlicher, dass Kohler im Dezember 2024 auf der brutal selektiven Stelvio in Bormio Neunter wurde.

Im vergangenen Winter war der 28-Jährige auf der Kitzbüheler Streif auf dem Weg zu einer Top-7-Rangierung, ehe er im letzten Streckenabschnitt ein Tor verpasste und anschliessend mit schmerzverzerrtem Gesicht an sein rechtes Knie griff. Kurz darauf schockierte Kohler seine Fans mit der Nachricht, dass beide Kreuzbänder kaputt sind! 

In welchem Zustand ist der Körper des genialen Speed-Technikers jetzt? «Ich bin mit meiner Reha zufrieden», hält Kohler fest. Dass er im Krafttraining noch nicht mit dem Maximalgewicht arbeiten kann, ist auf eine Spannung im Knie zurückzuführen. «Bei der Operation musste ein Stück von meiner Quadrizepssehne genommen werden, um das Kreuzband zu rekonstruieren. Nun geht von der Entnahmestelle eine ordentliche Spannung aus, die gemäss meinem Arzt völlig normal ist.»

«Hat mich mental fast noch härter getroffen als die Verletzung»

Physisch betrachtet spricht derzeit also sehr vieles dafür, dass der im Kanton Nidwalden wohnhafte Berner Oberländer im kommenden WM-Winter Vollgas geben kann. Aber leider gibt es etwas, was die Psyche des heroischen Kämpfers derzeit stark belastet – von seinem grössten Sponsor hat er im April die Kündigung erhalten. «Das hat mich mental fast noch härter getroffen als die neuerliche Verletzung», gesteht Kohler. 

«Ich habe auch deshalb nicht damit gerechnet, weil ich im Februar ein sehr gutes Gespräch mit den Leuten von El Tony hatte. Sie haben mir damals zwar nichts versprochen, aber signalisiert, dass sie mich in dieser Situation unterstützen möchten. Nachdem sie sich nun doch anders entschieden haben, ist mir ein Grossteil des Einkommens auf einen Schlag weggebrochen, schliesslich war El Tony nicht nur mein Kopf-, sondern auch mein Flaschen-Sponsor.»

Scheitert das Comeback des so talentierten Abfahrts- und Super-G-Spezialisten an den Finanzen? Kohlers freundschaftlicher Berater Beni Knecht absolviert derzeit Überstunden, damit vor der neuen Weltcup-Saison doch noch ein neuer Geldgeber verpflichtet werden kann.

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