Franjo von Allmen (25) ist einer der genialsten Skifahrer der Welt, besitzt drei Olympia-Goldmedaillen, ist Abfahrts-Weltmeister und liebt seinen schnellen Beruf auf Schnee. Dennoch hat der Berner ein kleines bisschen ein weinendes Auge, wenn es wie jetzt wieder Richtung Weltcup-Saison geht.
Der Grund? Seine riesige Leidenschaft fürs Töfffahren, die von Allmen jeweils in den wärmeren Monaten ausgiebig auslebt und eingangs Winter natürlich wieder ruhen lässt. «Ich habe jedenfalls keine Strandferien gemacht», sagte der Ski-Gigant aus Boltigen BE jüngst am Swiss-Ski-Medientag, als er auf seine Sommerpause zurückblickte.
Zwar gehörte auch eine Destination wie Griechenland zu von Allmens Reisezielen nach der letzten Saison. Aber eben fürs ausgiebige Querfeldeinfahren mit Kollegen auf Enduro-Maschinen statt eines Strandurlaubs.
Motocrossfahren als gutes Training für den Ski-Job
Dazu kommen diverse Ausflüge auf diversen Motocross-Pisten im In- und Ausland sowie der verrückte Start am Erzberg-Rodeo, einem der härtesten Töffrennen der Welt. «Verbieten wollte es mir noch niemand», sagt von Allmen, «auch wenn sicher nicht alle begeistert sind. Mir ist schon bewusst, dass eine gewisse Verletzungsgefahr dabei ist, die sicher auch höher ist als bei anderen Sportarten.»
Der Speed-Star stellt aber sofort klar: Es passiert nichts hinter dem Rücken der Swiss-Ski-Trainer. «Ich kommuniziere immer sauber.» Dass sich an der Töff-Leidenschaft in Zukunft gross etwas ändern wird, ist nicht zu erwarten. «Ich will es nicht bleiben lassen, weil es mir auch in mehreren Bereichen hilft», schildert von Allmen. Einerseits: Er kann hervorragend abschalten. Sich in den Töffsattel zu schwingen und loszubrausen, ist für den Ski-Champion die pure Freiheit.
Anderseits seien seine Zweirad-Abenteuer auch ein gutes Training für den Winter. «Ich kann fürs Skifahren profitieren», stellt von Allmen fest. Den Körperschwerpunkt in der Balance halten sei sowohl auf zwei Latten als auch auf zwei Stollenpneus elementar. «Man hat bei beidem wenig Berührpunkte mit dem Boden und muss jeweils schnell reagieren. Zudem ist Motocross ein super Ausdauer-Training, und ich trainiere Muskeln im ganzen Körper.»
Das galt diesen Sommer vor allem für den Start am Erzberg-Rodeo. Das ist ein riesiger Töff-Event in Österreich, bei dem sich der Olympiasieger nicht nur fürs Hauptrennen qualifizierte, sondern dort auch trotz der brutalen Herausforderung über Stock und Stein auf dem bemerkenswerten Rang 264 landete. «Natürlich wurde ich dort hie und da erkannt. Aber es war schön, mal nicht im Vordergrund zu stehen.» Auch deshalb wird von Allmen seinen Töff nächsten Winter ein kleines bisschen vermissen.