Tina Weirather und Beat Feuz vor Weltcup-Auftakt
Welche Frauen Kristallkugeln holen – wo von Allmen Odermatt ablöst

Am Wochenende beginnt in Sölden (Ö) die neue Ski-Saison. Was bringt der Winter 2026/27 mit der Heim-WM in Crans-Montana? SRF-Expertin Tina Weirather über acht heisse Frauen-Thesen – Abfahrts-Olympiasieger Beat Feuz pariert acht Männer-Thesen.
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Wo steht Superstar Marco Odermatt beim Auftakt in Sölden? Experte Beat Feuz sieht ihn nach seiner Muskelblessur dennoch auf dem Podest.
Foto: keystone-sda.ch

Die Thesen zur Ski-Saison der Frauen

Keine Schweizerin schafft es beim Saisonauftakt in Sölden in die Top 5.

Tina Weirather: Das kann leider gut sein. Ich hoffe aber, dass Camille Rast dieses Jahr schneller in die Saison findet als früher. Ihr bestes Resultat in Sölden ist ein 12. Platz. Ich traue ihr die Top 5 absolut zu!

Corinne Suter wird Abfahrts-Weltmeisterin und holt auch die Kristallkugel.

Ja, sehr gerne! Ihre letzte Saison war wegen der Schmerzen im Fuss etwas durchzogen. Aber sobald sie wieder richtig fit war, hat sie gezeigt, was sie kann, und hat gleich wieder gewonnen. Ich traue ihr beides zu – sie liebt Crans-Montana!

Emma Aicher nutzt Shiffrins reduzierte Slalom-Einsätze und gewinnt den Gesamtweltcup.

Emma ist die letzte übrig gebliebene Allrounderin und noch so jung, dass sie sich wahrscheinlich weiterentwickeln wird. Entscheidend ist, dass sie gesund bleibt und weiterhin so locker-flockig angreift wie letzte Saison. Dann traue ich ihr den Gesamtweltcup absolut zu.

Camille Rast gewinnt als erste Schweizerin seit Vreni Schneider 1995 die Slalom-Kristallkugel.

Wir haben mit Camille Rast und Wendy Holdener gleich zwei heisse Eisen im Feuer! Gefährlich könnte vor allem Lara Colturi werden. Aber ich setze auf Cami. Ich glaube, sie wird sich durchsetzen!

Wendy Holdener lässt den Riesenslalom bald beiseite.

Das denke ich nicht! Für Wendy ist der Riesenslalom mehr als eine zweite Disziplin. Sie sieht ihn als wichtige Vorbereitung für den Slalom. Deshalb denke ich, dass sie weiterhin beides fahren wird.

Dania Allenbach wird die Schweizer Aufsteigerin des Winters.

Ja, da gehe ich mit! Jung, wild, locker – und gleichzeitig im Kopf schon erstaunlich reif. Diese Kombination gefällt mir sehr. Sie überzeugt mich.

Malorie Blanc holt in Crans-Montana WM-Silber im Super-G.

Warum genau Silber? Ich sage Gold! Sie hat in Crans-Montana bereits einen Weltcup gewonnen und weiss, dass sie auf dieser Strecke die Schnellste sein kann. Ein WM-Titel vor Heimpublikum wäre doch ein unglaubliches Märchen.

Die Schweizerinnen gewinnen den Nationencup zum vierten Mal in Folge nicht.

Doch, ich glaube, dieses Jahr holen wir ihn zurück! Wir haben in allen Disziplinen Athletinnen, denen ich eine kleine Kristallkugel zutraue. Auch wenn das wahrscheinlich nicht überall klappen wird, wird es in der Summe reichen. Letzte Saison lagen die USA knapp vorne, aber dort werden die Punkte von Lindsey Vonn für den kommenden Winter fehlen und auch Mikaela Shiffrins neue Rennplanung könnte die Punkteverteilung verändern.

Die Thesen zur Ski-Saison der Männer

Marco Odermatt wird nach seiner im August erlittenen Muskelblessur beim Weltcup-Auftakt in Sölden aufs Podest fahren, aber nicht gewinnen.

Beat Feuz: Das kann durchaus passieren. Ich würde das dann aber nicht auf die Muskelverletzung zurückführen. Wenn ich richtig informiert bin, hat Marco deswegen zehn Tage pausieren müssen. Das ist zwar nicht optimal, aber letztendlich war die Verletzung zu wenig gravierend, um damit einen verpassten Sieg zu erklären. Aber Marco könnte beim Saisonauftakt ganz sicher auch mit einem zweiten oder dritten Rang gut leben.

Obwohl Lucas Pinheiro Braathen in Zukunft ausser im Slalom und Riesenslalom auch noch im Super-G starten will, wird er im Kampf um den Gesamtweltcupsieg chancenlos sein.

Nicht ganz, aber fast chancenlos. In meinen Augen liegen seine Chancen auf die grosse Kugel unter zehn Prozent. Ich traue ihm zwar zu, dass er in technisch anspruchsvollen Super-G wie in Beaver Creek, wo er bereits 2022 Siebter wurde, oder in Bormio eine gute Rolle spielen kann. Aber durch die zusätzlichen Speed-Rennen wird er eine geringere Vorbereitungszeit für die technischen Disziplinen haben, die Verschnaufpausen werden für ihn kürzer. Und wenn Marco Odermatt so konstant abliefert wie in den fünf letzten Jahren, müsste Braathen in jedem Riesen- und Slalom aufs Podest fahren. Und dass wird brutal schwierig.

Nach seinem Materialwechsel von Van-Deer-Ski zu Head werden wir den stärksten Henrik Kristoffersen aller Zeiten erleben.

Als langjähriger Head-Pilot würde ich mir das irgendwie wünschen. Und es würde mich auch nicht überraschen, wenn Henrik im kommenden Winter gross auftrumpfen würde. Aber nicht nur wegen des Skiwechsels, sondern weil sich in seinem Umfeld einiges verändert hat. Es hat Wechsel in seinem Team gegeben und er ist aus dem Schatten von Marcel Hirscher getreten, der ja durch sein überraschendes Comeback wieder ins Zentrum des Interesses gerückt ist. Und ich habe gehört, dass Henrik zuletzt sehr gute Trainingsleistungen abgeliefert hat. Auch deshalb glaube ich, dass es für Pinheiro Braathen schwierig wird, im Kampf um den Gesamtweltcup eine Rolle zu spielen – Kristoffersen dürfte ihm in den technischen Disziplinen einige Punkte klauen.

Dominik Paris wird zum grossen Schweizer Spielverderber bei der WM-Abfahrt avancieren.

Das Potenzial dazu hat er! Die WM in Crans-Montana hat den Ausschlag gegeben, dass sich der Südtiroler im letzten Frühling trotz seiner 37 Jahre entschieden hat, die Rennfahrerlaufbahn um ein weiteres Jahr zu verlängern. Er weiss, dass ihm die «Piste Nationale» in Crans-Montana so gut liegt, dass er in der Abfahrt wie im Super-G eine Medaille gewinnen kann. Somit kann er auch Weltmeister werden. Aber: Noch mehr ist diese Piste auf Franjo von Allmen zugeschnitten, welcher hier die beiden letzten Weltcup-Abfahrten gewonnen hat. Dagegen wird ein Marco Odermatt auf dieser Strecke nur wenige Möglichkeiten haben, mit seiner brillanten Technik den Unterschied zu machen. Die Gleiterqualitäten werden hier im Vordergrund stehen.

Franjo von Allmen wird die Abfahrts-Kugel gewinnen.

Die Fähigkeiten hat er auf jeden Fall. Im Vergleich zu den letzten Jahren muss Franjo aber konstanter werden. Fehler, wie er sie im letzten Winter beim Ausfall in Courchevel gemacht hat, darf er sich im Kampf um die Kugel gegen einen derart regelmässig abliefernden Marco Odermatt nicht erlauben.

Marcel Hirscher wird sich im Weltcup nie mehr in den Top-6 klassieren.

Ich möchte ihm eine solche Platzierung von Herzen gönnen, aber ich traue es ihm schlicht nicht zu. Als Österreichs Slalom-Held Manuel Feller kürzlich in einem Interview auf Hirscher angesprochen wurde, gab er folgende Antwort: «Zu Beginn seines Comebacks hat es immer geheissen, dass Marcel aus lauter Freude auf die Rennpisten zurückkehren würde. Wenn ich mir nun aber seine letzten beiden Jahre anschaue, hatte er nicht immer Spass.» Mit dieser Aussage trifft Feller voll ins Schwarze. Nach dem 23. Rang im Sölden-Riesenslalom 2024 hatte Hirscher aufgrund eines im Training erlittenen Kreuzbandrisses vor allem Ärger.

Loïc Meillard wird sich als erster Schweizer erstmals seit Dumeng Giovanoli 1968 den Slalom-Kristall sichern.

Da würde ich gerne Ja sagen. Weil ich aber einen Kristoffersen oder Clément Noël stärker einstufe, muss ich diese Frage dennoch mit Nein beantworten.

Die Schweiz wird in Crans-Montana den 1987 aufgestellten WM-Rekord (14 Medaillen) verbessern.

Nein, Crans-Montana 87 ist ein Rekord für die Ewigkeit. Es sei denn, die FIS erfindet noch mehr Disziplinen …

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