Darum gehts
- Die FIS verschiebt die zusätzliche Ski-WM von 2028 auf 2032 und nennt Japan, China oder Südkorea
- Ospelt stellt die Zahl der WM-Rennen infrage und denkt an neun statt 14 Tage mit weniger Events
- Swiss-Ski sieht unter der Woche weniger Interesse, hält die Team-Kombi aber für ausbaufähig
Ein Winter ohne Grossanlass? Für die FIS ist das kein verlorener, aber auch kein perfekter Winter. 2028 wollte der Weltskiverband eine zusätzliche Ski-WM ins Programm nehmen. Andorra stand bereit. Doch Athleten und Verbände leisteten Widerstand. Auch die Medienrechte erwiesen sich als Hürde. Die FIS gab nach.
An ihrer Vision hält sie trotzdem fest: Ab 2032 soll die Lücke im WM-Kalender gefüllt werden. FIS-Präsident Alexander Ospelt denkt dabei an Austragungsorte in Japan, China oder Südkorea – also an Länder, die im Weltcup kaum zum Zug kommen. Eine Entwertung der Weltmeisterschaften durch zusätzliche Titelkämpfe befürchtet er nicht. Weder für die Athleten noch für das Publikum. Die WM in Saalbach 2025 habe gezeigt, wie gross die Begeisterung sein könne. Crans-Montana werde im kommenden Februar daran anknüpfen.
Team-Kombi-Gold weniger wert als Abfahrtsgold?
Klar ist: Mit einer zusätzlichen WM will die FIS auch neue Einnahmequellen erschliessen. Nach vier Jahren unter Präsident Johan Eliasch ist die Kasse klamm geworden. Doch Ospelt bringt im «Podcast am Pistenrand» noch einen anderen Gedanken ins Spiel. «Worüber man vielleicht diskutieren kann, ist …», sagt er. Was er meint, überrascht: «Ob man so viele Rennen bei einer WM will.»
Aktuell stehen fünf Wettbewerbe pro Geschlecht auf dem Programm: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Team-Kombi. Dazu kommt der Team-Event. Das könnten zu viele sein, findet Ospelt. Dabei stellt er nicht nur den umstrittenen Team-Event infrage. «Es gibt Team-Kombi-Weltmeister, die auch Weltmeister sind. Gleichwertig wie ein Abfahrtsweltmeister. Das ist eine Diskussion.»
Steht also die Team-Kombi vor dem Aus? Ospelt denkt über eine verkürzte WM nach: neun statt 14 Tage. Die klassischen Disziplinen könnten an zwei Wochenenden stattfinden. «Die anderen Tage sind meistens sowieso Verlusttage für die Veranstalter.» Ein Problem: Ohne Team-Kombi an der WM dürfte sie auch bei Olympia aus dem Programm gestrichen werden.
In der Kurz-WM hätten nicht alle Rennen Platz
Blick fragt bei Swiss-Ski nach. Co-CEO Diego Züger bestätigt, dass das Publikumsinteresse unter der Woche geringer ist als am Wochenende – vor Ort und am TV. «Diese Events sind schwieriger zu vermarkten.» An das Potenzial der Team-Kombination glaubt er dennoch. Die Rennen hätten nicht nur an der WM in Saalbach, sondern auch zuletzt bei den Olympischen Winterspielen in Italien überzeugt. Zuerst fährt die Abfahrtselite, danach treten die Slalom-Asse an. Am Ende entscheiden die addierten Zeiten. Das sorgt für Spannung.
Für Züger ist allerdings klar: «Wenn man in den Zwischenjahren eine Kurz-WM will, muss man definitiv ein Event streichen – welchen, gilt es abzuwägen. Alles bringst du nicht rein.» Er schlägt deshalb einen anderen Weg vor: Die Team-Kombination soll aufgewertet werden. «Man könnte sich überlegen, diese Rennen vereinzelt auch während der Saison durchzuführen, zum Beispiel am Weltcup-Final. Dann würde sich die Team-Kombi eher etablieren. Und sie wäre an einer WM auch unter der Woche wohl besser vermarktbar.»