Auf Medaillen-Jagd für die Gastgeber
Die verrückte Olympia-Story von zwei Italo-Schweizerinnen

Vor wenigen Jahren ahnte weder Elena Mathis (26) noch Simona De Silvestro (37), dass sie 2026 ihr Olympia-Debüt für Italien erleben werden. Die beiden Doppelbürgerinnen trafen sich in Zürich und erzählen ihre denkwürdigen Geschichten.
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Zwei Schweizerinnen starten bei Olympia für Italien: Elena Mathis (l.) spielt Curling, Simona de Silvestro fährt Bob.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

  • Zwei Schweizerinnen starten für Italien bei den Winterspielen 2026 in Cortina
  • Simona De Silvestro wechselte vom Motorsport zum Bobfahren mit 37 Jahren
  • Italien stellt 93 Frauen im Team, darunter Elena Mathis und De Silvestro
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Italien schickt 93 Frauen an die Olympischen Winterspiele im eigenen Land – zwei von ihnen trifft Blick im Vorfeld auf der kultigen Dolder-Eisbahn in Zürich. Denn Curling-Spielerin Elena Mathis (26) und Bob-Pilotin Simona de Silvestro (37) verbindet nicht nur das Eis. Sie sind beide in der Schweiz geboren, aufgewachsen und leben bis heute hier – doch beide sind auch Doppelbürgerinnen und erleben ihre Olympia-Premiere in der «Squadra Azzurra», im Team von Gastgeber Italien.

Die zwei Schweizerinnen leben ihren olympischen Traum auf Italienisch. Die beiden haben sich vor dem Treffen noch nicht gekannt. Doch als Mathis vor einer kalten Schoggimilch und de Silvestro vor einem Kaffee sitzen, platzen beide fast vor Neugier, wollen mehr über das Leben der jeweils anderen Schweizer Italo-Olympionikin erfahren.

Plötzlich bieten die familiären Wurzeln eine Riesenchance

Beide sind in der dritten Generation italienischstämmig. Bei beiden sind die Grosseltern für die Arbeit in die Schweiz gekommen. Beide wachsen zweisprachig auf. Bei Mathis aus Bäretswil ZH ist es die Mutter, die italienische Wurzeln hat, bei de Silvestro der Vater. Und im Sport haben beide erst vor kurzem entdeckt, dass ein Start für Italien den Olympia-Traum ermöglichen kann.

Starten wir mit de Silvestro. Bei der in der Romandie aufgewachsenen und in Uri wohnhaften Zürcherin steht nicht der Nationenwechsel im Vordergrund, sondern ein ziemlich sensationeller Spartenwechsel.

«Als ich dich gegoogelt habe, sah ich nur Rennautos», sagt Mathis lachend. Autorennfahrerin de Silvestro machte am Steuer Karriere, sie brachte es bis zur Sauber-F1-Testfahrerin und raste in den USA mit 380 km/h durch die Ovale wie beim berühmt-berüchtigten Indy 500. Sie sagt: «Aber ich habe schon als Kind Olympia verfolgt und immer gedacht, wie unglaublich cool eine Teilnahme wäre.» Mit schon über 30 Jahren macht sie eines Tages Bob als umsetzbare Disziplin aus. «Es erschien mir einfach dem Rennfahren am nächsten. Wobei das «seckle» neu dazu kam, da musste ich in meinem Alter einiges investieren.»

Die ersten Bob-Versuche macht de Silvestro im Umfeld des Schweizer Nachwuchs’, ehe Italien als Option auftaucht: «Es war eine emotionale Wahl.» Die Familie ihres Vaters stammt aus der Nähe von Cortina. Dazu hat die Heimnation im Frauen-Bob noch einen Startplatz offen, als sich die Rennfahrerin meldet. Vom Asphalt aufs olympische Eis in nur drei Jahren. Das verrückte Projekt geht voll auf.

Schon als Kinder lernt das Duo das Land ihrer Grosseltern kennen

Fast genauso traumhaft klappt der Plan von Mathis. Als 2023 die Karten im Schweizer Frauen-Curling durch mehrere Transfers unter den Topteams ganz neu gemischt wurden, vollzieht sie den Nationenwechsel. Sie spielt sich auf Anhieb ins Team von Italiens Nummer-1-Skip Stefania Constantini (26). «Ich wurde sofort eingesetzt, weil sie mich ja testen mussten», schildert Mathis, «so konnte ich mich beweisen und mich rasch im Team etablieren».

Die Integration verläuft beim Duo glatt – weil Italien schon immer ein Teil ihres Lebens war. Mathis fuhr jedes Jahr in die Sommerferien zu den Verwandten im Süden, besuchte als Kind einmal in der Woche die italienische Schule («damals hätte ich lieber draussen gespielt, heute bin ich froh»). De Silvestro war als Kind und Jugendliche sehr oft auf Kartstrecken in Italien unterwegs.

Nun laufen Mathis und de Silvestro beide am Freitag in Cortina an der Eröffnungsfeier ganz in Blau ein. Als die beiden in der Heim-Delegation, die ihr ganz eigenes italienisch-schweizerisches Olympia-Märchen im Herzen tragen.

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