«Ich sehe keinen Grund, um ihn zu bevorzugen»
Kampf um Olympia-Abfahrtsplätze –WM-Held muss zittern!

Es ist die spannenste Frage vor dem Olympia-Auftakt: Welche Schweizer bekommen die beiden letzten Startplätze in der Abfahrt? Blick konfrontiert vier Top-Experten damit.
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Auf der Stelvio in Bormio hat Alexis Monney vor 13 Monaten sein Meisterstück abgeliefert.
Foto: AFP
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

«Völlig unerwartet», «total beeindruckend» oder «wie von einem anderen Stern» – mit solchen Superlativen wurde vor 13 Monaten die Abfahrts-Darbietung von Alexis Monney (26) in Bormio kommentiert. Der Freiburger hat auf der Stelvio am Tag nach dem brutalen Trainingscrash von Frankreichs «Skidane» Cyprien Sarrazin (31) bei schwierigsten Bedingungen mit der Startnummer 19 seinen ersten Weltcupsieg eingefahren.

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Auf der Stelvio in Bormio hat Alexis Monney vor 13 Monaten sein Meisterstück abgeliefert.
Foto: AFP

Am kommenden Samstag wird auf derselben Strecke die Olympia-Abfahrt ausgetragen. Ob Monney dann am Start stehen wird, ist derzeit allerdings unsicher. Zwei von vier Schweizer Startplätzen in der Königsdisziplin haben Superstar Marco Odermatt (28) sowie Abfahrtsweltmeister-Weltmeister Franjo von Allmen (24) auf sicher. Um die beiden restlichen Plätze wird Monney (Fünfter in Wengen, Neunter in Beaver Creek und Gröden) vielleicht gegen Niels Hintermann (30, Sechster in Kitzbühel, Siebter in Gröden) und Stefan Rogentin (31, Achter in Beaver Creek, 13. in Wengen) kämpfen müssen.

Das sagt der Cheftrainer

Cheftrainer Tom Stauffer könnte vor dem ersten Training zur Olympia-Abfahrt auch Monney setzen, weil dieser eine Top-10-Platzierung mehr vorweisen kann als Hintermann und Rogentin. Derzeit plädieren aber deutlich mehr Experten dafür, dass Monney, der im letzten Winter neben seiner Bormio-Gala auch Zweiter in Kitzbühel und Dritter bei der WM-Abfahrt wurde, in den drei Trainings mit Hintermann und Rogentin eine Qualifikation bestreiten muss.

Wer ist gesetzt, und wer muss in die Abfahrts-Quali?
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Odermatt, von Allmen und Co.Wer ist gesetzt, und wer muss in die Abfahrts-Quali?

«Wir haben in dieser Angelegenheit noch keine fixe Entscheidung getroffen. Sicher ist allerdings, dass die Abfahrt in Crans-Montana keinen Einfluss haben wird», hält Stauffer fest. Letzteres findet Abfahrts-Olympiasieger Beat Feuz (38) absolut korrekt, «weil die Piste in Crans-Montana überhaupt nicht mit der technisch sehr selektiven Strecke in Bormio vergleichbar ist.»

«Was im letzten Winter passiert ist, spielt jetzt keine Rolle mehr»

Müsste man genau deshalb dem technisch begnadeten Bormio-Vorjahressieger Monney einen Fixplatz geben? Österreichs Abfahrts-Altmeister Fritz Strobl (53, Kitzbühel-Streckenrekordhalter und Olympiasieger 2002) schüttelt den Kopf und sagt: «Was im letzten Winter passiert ist, darf jetzt keine grosse Rolle mehr spielen. Monney ist in der laufenden Abfahrts-Saison unter den Erwartungen geblieben, während Niels Hintermann nach seiner Krebserkrankung ein sehr beachtliches Comeback gegeben hat. Auch Rogentin war zumindest abschnittsweise sehr schnell. Wenn ich Schweizer Teamchef wäre, würde ich deshalb mit diesen drei Athleten eine Quali im Training ausfahren.»

Graubündens Olympia-Held Carlo Janka (39, Riesen-Gold 2010, Gesamtweltcupsieger 2010) sieht das nahezu gleich: «Die Bedingungen in Bormio werden sehr wahrscheinlich anders sein als bei Monneys Sieg im Dezember 2024. Das Licht dürfte im Februar besser sein, die Piste weniger eisig. Darum sehe ich aufgrund der letzten Resultate keinen Grund, um Alexis im Vergleich mit Niels und Rogi zu bevorzugen. Ich würde die Quali um die beiden Plätze im zweiten Training ansetzen. Im Abschlusstraining macht eine Quali wenig Sinn, weil die Gefahr besteht, dass der Energieverlust am Tag vor dem Rennen zu gross ist.»

«Rogentin müsste klar schneller sein»

Wie denkt Beat Feuz darüber? «Ich könnte gut damit leben, wenn man bereits vor dem ersten Training in Bormio auch Monney und Hintermann setzen würde.» Der dreifache Lauberhorn- und Hahnenkamm-Sieger ist davon überzeugt, «dass Rogentin in diesem Abfahrts-Winter weniger gezeigt hat als Monney und Hintermann. Wenn es dennoch eine Qualifikation geben sollte, würde es für Rogentin meines Erachtens nicht ausreichen, wenn er im entscheidenden Training Neunter, Monney Zehnter und Hintermann Elfter würde. Rogentin müsste meiner Meinung nach deutlich schneller sein als Alexis und Monney.»

Blick-Experte und Olympiasieger Bernhard Russi (77) spricht sich für eine Qualifikation aus, bei der aber nicht nur die Zeit den Ausschlag geben soll. «Wenn einer aus dem Trio Monney, Hintermann, Rogentin in dieser Quali eineinhalb Sekunden Vorsprung hat, ehe er bei der Einfahrt in den Zielschuss ein Tor verpasst, sollte er dennoch im Rennen starten können. Das Urteil der Trainer muss in einer solchen Situation wichtiger sein als die Zeit.» Tom Stauffer will die ultimative Entscheidung in dieser Diskussion am Montag oder Dienstag bekannt geben.

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