Österreicher spucken grosse Töne
«Kriechmayr holt in der Abfahrt Olympia-Gold»

Obwohl die Österreicher in der Königsdisziplin seit März 2023 ohne Sieg dastehen, sind unsere Nachbarn vor der Olympia-Abfahrt ziemlich optimistisch.
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Vincent Kriechmayr hat im laufenden Abfahrts-Winter keine besonders gute Figur gemacht.
Foto: AP

Darum gehts

  • Fritz Strobl kritisiert Kriechmayrs Verzicht auf Crans-Montana-Abfahrt
  • Kriechmayr fokussiert sich auf Bormio, statt Weltcup-Gesamtsieg anzustreben
  • 2023 in Bormio Platz 8, 2022 Erster, 2020 Zweiter auf Stelvio
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Österreichs Abfahrts-Altmeister Fritz Strobl (53) hat am Sonntag während der TV-Übertragung der Weltcup-Abfahrt von Crans-Montana kräftig den Kopf geschüttelt. «Wenn ich in meiner Rennfahrerzeit dasselbe getan hätte, wie es der Vincent Kriechmayr jetzt tut, hätten mich meine damaligen Teamchefs nicht zu den Olympischen Spielen mitgenommen», behauptet der Abfahrts-Olympiasieger von 2002.

Kriechmayr hat auf einen Start in Crans-Montana verzichtet, weil er sich lieber im Trainingscamp in Saalbach auf die Olympischen Spiele in Bormio vorbereitet hat. «In meiner Zeit wäre das nicht möglich gewesen, weil es damals im ÖSV-Team enorm viele Siegfahrer gegeben hat. Das ist jetzt leider Gottes nicht mehr so. Und deshalb war es vom Vincent sehr wahrscheinlich sogar schlau, dass er auf Crans-Montana verzichtet hat.»

«Die richtige Entscheidung!»

Das sieht auch Strobls langjähriger Teamkollege Hans Knauss so. «Kriechmayr hat im Kampf um den Gesamtsieg im Abfahrts-Weltcup überhaupt keine Chance mehr. Und deshalb ist es richtig, dass er sich bereits letzte Woche voll auf Olympia konzentriert hat, zumal ihm die Piste in Crans-Montana sowieso nicht wirklich entgegengekommen ist», kommentiert der Kitzbühel-Sieger von 1999.

Der 34-jährige Kriechmayr hat im laufenden Abfahrts-Winter einzig beim verkürzten Lauberhornrennen den Sprung auf das Podest geschafft. Knauss traut seinem Landsmann beim Saisonhöhepunkt dennoch einen Exploit zu: «Dass man den Vincent nie abschreiben sollte, hat er im Vorjahr gezeigt, als er drei Wochen nach seinem üblen Ziel-S-Abflug am Lauberhorn bei der WM-Abfahrt in Saalbach die Silbermedaille gewonnen hat. Und ich möchte daran erinnern, dass die technisch höchst anspruchsvolle Olympiastrecke in Bormio Kriechmayr sehr gut liegt.»

«In Bormio ist Kriechmayr fast immer gut gefahren»

Österreichs Abfahrts-Kaiser Franz Klammer (72, Olympiasieger 1976, 25 Weltcupsiege) wartet deshalb mit einer besonders kühnen Prognose auf: «Der ganze grosse Druck lastet auf den Schweizern und Italienern, während Kriechmayr nichts zu verlieren hat. Auch deshalb glaube ich, dass er die Goldmedaille gewinnt! Bei Grossereignissen war auf den Vinc bisher meistens Verlass, bei der WM in Cortina 2021 hat er zwei Goldmedaillen gewonnen. Und in Bormio ist er fast immer gut gefahren.»

Die Statistik gibt Klammer nicht zu 100 Prozent recht: 2020 war Kriechmayr auf der Stelvio Zweiter, 2022 Erster, 2023 Fünfter. Bei der bislang letzten Abfahrt in Bormio musste sich der Oberösterreicher allerdings mit dem achten Rang begnügen. Und: Bei Olympischen Spielen hat Kriechmayr noch nie eine Medaille gewonnen.

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