Darum gehts
- Dynamische Preise in Schweizer Skigebieten sorgen für Intransparenz und Kritik
- Belalp und Gstaad erhöhen Mindestpreise wegen Magic-Pass-Verbund um 17 bis 20 Franken
- Chäserrugg bietet Tageskarten mit Preisen zwischen 45 und 63 Franken an
Wir kennen das Prinzip vom Fliegen oder von der Hotelübernachtung: Wer zuerst bucht, macht oft einen besseren Deal. Dynamische Preise haben mittlerweile auch die Schweizer Skigebiete erobert. Die Preise für eine Tageskarte können mit dem Buchungszeitpunkt, der Nachfrage, dem Wochentag oder der Saisonzeit variieren. Der Konsumentenschutz sieht diese Preismodelle seit Jahren kritisch. «Unsere Vermutung war von Anfang an, dass die Skigebiete diese intransparenten dynamischen Preise für versteckte Preiserhöhungen nutzen. Das hat sich mittlerweile bewahrheitet», sagt Konsumentenschützerin Sara Stalder (59) zu Blick.
Blick liegt die noch unveröffentlichte Erhebung des Konsumentenschutzes vor: In fünf von elf grossen Skigebieten gibt es keine Preisobergrenze. Dies gilt unter anderem für Engelberg Titlis OW, Engadin St. Moritz GR und Zermatt VS. Zwei Gebiete verzichten zudem darauf, einen Minimalpreis anzugeben. «Ohne diese Angaben ist es praktisch unmöglich, festzustellen, ob ein Gebiet seine Preise erhöht hat», kritisiert Stalder.
Die Vertreterin der Konsumentinnen und Konsumenten fordert von Skigebieten mit dynamischen Preisen volle Transparenz: Minimal- und Maximalpreise müssen offengelegt werden und Preisanpassungen nachvollziehbar sein.
Preisanpassungen wegen Magic Pass
Doch auch bei der Angabe von Minimalpreisen fehle die Transparenz: «Schliesslich wissen wir nicht, wie viele Tickets überhaupt zum günstigsten Tarif angeboten werden.» Denn die Bergbahnen versprechen sich von den dynamischen Preisen Umsatzsteigerungen. Beispielsweise, indem sie an begehrten Tagen in der Hauptsaison das Maximum abschöpfen.
Drei der untersuchten Skigebiete haben ihre Mindestpreise auf diese Saison zwischen 17 und 20 Franken erhöht. «Mit derart massiven Preiserhöhungen für die Tagesgäste haben wir nicht gerechnet», sagt Stalder.
Bei den Belalp Bahnen ging es um 17 Franken auf neu 68 Franken hoch, in Gstaad um 20 Franken auf 69 Franken. Der Grund für den erheblichen Aufschlag ist simpel: Beide Gebiete sind neu beim Abo-Verbund Magic Pass dabei. Dort basiert der Verteilschlüssel der Aboeinnahmen unter anderem auf der günstigsten Tageskarte. Heisst: Bietet ein Gebiet im Vergleich zur Magic-Pass-Konkurrenz deutlich günstigere Tageskarten an, kriegt es am Ende weniger Geld aus dem Abo-Pool.
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Hätte ein Gast auf der Belalp in den letzten Jahren von den sehr tiefen Preisen profitieren wollen, hätte er die Tageskarte Wochen im Voraus kaufen müssen. «Das macht praktisch niemand», sagt Geschäftsführer Mario Gertschen (43) zu Blick. «Die meisten Gäste kaufen sich ihr Skiticket ein oder zwei Tage vorher.» Bei den beliebten Mehrtageskarten mit dynamischen Preisen gebe es zudem weiterhin hohe Rabatte.
Vail Resorts erhöht Preise nach Investitionen
Die Bergbahnen Gstaad sind auf diesen Winter hin von ihren dynamischen Preisen weggekommen, wie es auf Anfrage heisst. Neu setzt das Skigebiet auf saisonale Preisunterschiede. So kostet die Tageskarte während der Sportferien im Februar 84 Franken und ab Ende März dann noch 69 Franken. Kurzfristige Preisschwankungen fallen damit weg. Auch der Vorwurf einer intransparenten Preispolitik ist damit vom Tisch.
Auch in Crans-Montana VS ging es beim Mindestpreis um 20 Franken hoch. Die Preisbandbreite beträgt damit neu 59 bis 89 Franken. «Diese Anpassung widerspiegelt die Verbesserungen im Gästeerlebnis. Wir haben die Pistenqualität erhöht, in die Beschneiung investiert und die Restaurants wieder geöffnet», sagt John Plack, Sprecher von Vail Resorts. Der US-Skigebietriese hat die Walliser Bergbahn Ende 2023 übernommen.
Im Skigebiet Chäserrugg im Kanton St. Gallen hat die Kritik des Konsumentenschutzes teilweise Früchte getragen. Die Bergbahnen kommunizieren zwar weder Mindest- noch Maximalpreis. Doch die Bahnen haben in Zusammenarbeit mit dem Konsumentenschutz ein Online-Tool entwickelt, das seit diesem Winter eingesetzt wird. Es zeigt den Gästen an, ob das aktuelle Angebot eher günstig oder teuer ist.