«War teilweise erschreckend»
Kilchberger-Sieger Ott kämpfte jahrelang mit Gewichtsproblemen

Fünf Jahre nach seinem Kilchberger-Triumph kehrt Damian Ott an den Ort seines grössten Erfolges zurück – mit einem völlig anderen Körper.
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Nicola AbtReporter Sport

Damian Ott ist satt. Trotzdem schöpft sich der Kilchberger-Sieger noch einmal Teigwaren auf den Teller. Was für andere nach unnötigen Kalorien klingt, gehört für den Toggenburger zum Leben als Spitzenschwinger. «Das Gewicht darf nicht zusammensacken, sonst hast du ein Problem», erklärt Ott.

Der gelernte Zimmermann weiss, wovon er spricht. Auch andere Spitzenschwinger verlieren während der Saison teilweise mehrere Kilos. Bei Ott nahm das Problem allerdings zeitweise extreme Ausmasse an, wie er nun verrät. 

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Damian Ott reist als Titelverteidiger an den Kilchberger Schwinget.
Foto: Sven Thomann

Der Plan funktionierte nicht mehr

Bei seinem Kilchberger-Triumph 2021 brachte der 1,97 Meter grosse Ott gerade einmal 97 Kilo auf die Waage. «Das glaubt dir keiner, wenn du ihm erzählst, dass man mit diesem Gewicht einen eidgenössischen Anlass gewinnen kann», sagt er lachend.

Die meisten Spitzenleute wiegen deutlich über 100 Kilo. Diese Substanz fehlte Ott. Nach dem Kilchberger war die Luft deshalb draussen. «Mein Körper lief derart am Limit.» Über den Winter wollte Ott Muskelmasse aufbauen. Eine Verletzung zwang ihn jedoch zu einer Schwingpause. Weil er dadurch weniger Kalorien verbrannte, stieg die Zahl auf der Waage schneller als geplant. «So bin ich unbewusst 15 Kilo schwerer geworden.»

Ott passte Stil und Technik seinem neuen Körper an. Gewisse Schwünge funktionierten mit der zusätzlichen Masse besser. «Bei einigen bist du froh um jedes Kilo, das du mehr hast.» Problematisch wurde es im folgenden Sommer. Während der Saison 2022 verlor Ott wieder gut zehn Kilo. «Es war teilweise erschreckend, wie schnell das ging.»

Vieles, was er sich über den Winter mit seinem schwereren Körper angeeignet hatte, funktionierte plötzlich nicht mehr. Ausgerechnet im Jahr nach seinem bis dahin grössten Triumph blieb Ott ohne Kranzfestsieg. «Das war eine schwierige Zeit. Ich konnte aber meine Lehren daraus ziehen.»

Schwankungen sind ganz normal

Mittlerweile steht Ott regelmässig auf die Waage, achtet stärker auf seine Ernährung und hilft mit zusätzlichen Shakes nach. Der Aufwand zahlt sich aus. «Die letzten zwei Jahre habe ich es mehr oder weniger im Griff.» Sein Gewichtsverlust während der Saison ist auf rund zwei Kilo geschrumpft.

Ganz verhindern lässt er sich allerdings kaum. «Während der Saison bist du ständig unter Spannung und kommst kaum zur Ruhe. Das schlägt auf den Magen, was zu weniger Appetit führt.» Deshalb muss Ott manchmal weiteressen, obwohl ihm sein Körper längst signalisiert, dass es reicht.

Deutlich schwerer als vor fünf Jahren

Das Phänomen kennt auch Werner Schlegel. «Im Sommer verliert fast jeder Schwinger ein paar Kilo», sagt der ESAF-Schlussgänger. Gerade an Schwingfesten spiele die Nervosität eine Rolle. Teilweise esse man wenig, und auch am Tag danach sei die Ernährung nicht immer optimal.

Ein paar Kilos mehr oder weniger sind für ihn allerdings kein Drama. «Mit plus, minus fünf Kilo funktioniert vieles noch gut.» In dieser Saison scheint Ott die richtige Balance gefunden zu haben.

Aktuell bringt er gut 113 Kilo auf die Waage. Seit dem Winter hat er lediglich «zwei, drei» Kilo verloren. «Das ist alles im Rahmen.» Fünf Jahre nach seinem Triumph kehrt Ott rund 16 Kilo schwerer ans Kilchberger zurück. Nicht weil er ausser Form ist – sondern weil er seinen Körper heute besser im Griff hat.

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