Darum gehts
- Athletiktrainer Robin Städler scheiterte 2022 bei der «Höhle der Löwen» in Deutschland
- Technikpanne führte zu Kritik, kein Deal für sein Gerät – grosse Enttäuschung
- Trotzdem verkaufte er danach 2000 Geräte – jetzt zügelte er sein Trainingscenter
Robin Städler schwitzt. Mehrere Kameras sind auf ihn gerichtet. In wenigen Monaten wird ein Millionenpublikum diesen Moment im Fernsehen verfolgen. Der Athletiktrainer von Schwingerkönig Armon Orlik beginnt seine Präsentation – da fällt sein Blick auf den Bildschirm.
Die wichtigste Demonstration seines Produkts funktioniert nicht. «Stopp!», ruft er. Im Studio wird es mucksmäuschenstill. Die Unterbrechung dauert fast 20 Minuten. Die Stimmung kippt. «Sie waren hässig auf mich», erinnert sich Städler und meint damit die fünf Investoren.
Der Bündner wollte mit seinem Produkt, der Gatepress, in der TV-Serie «Die Höhle der Löwen» einen Deal abschliessen. Dieser Moment liegt bald vier Jahre zurück. Doch vergessen hat ihn der Mann, der Jörg Abderhalden und zuletzt Orlik zum Schwingerkönig machte, bis heute nicht. «Das war meine grösste Niederlage», gesteht er.
Ein Trainingsgerät für viele Probleme
Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Ende 2021 erhielt Städler gleich doppelt Post. Sowohl die Schweizer als auch die deutsche Ausgabe wollten ihn in ihrer Sendung haben. Der Familienvater entschied sich für die grössere Bühne. «Ich war überzeugt, dass ich einen Deal bekomme.»
Städler glaubte fest an seine Gatepress – einen kurzen Trainingsstab mit verstellbarer Feder, der gezielt die Beckenbodenmuskulatur stärken soll. Das Gerät kommt unter anderem bei Inkontinenz, nach Prostata-Operationen oder im Leistungssport zum Einsatz.
Ex-NHL-Spieler an seiner Seite
Um die Löwen zu überzeugen, musste Städler eine vierminütige Präsentation vorbereiten. Die Produzenten wollten den Fokus stärker auf die Sexualität legen. «Mir passte das nicht. Es geht um den ganzen Beckenboden. Ich musste darum kämpfen, dass ich meinen Weg gehen konnte.»
Dann kam der Tag der Wahrheit. Bereits um 8 Uhr morgens musste Städler im Studio sein. Doch erst knapp zwölf Stunden später durfte er als letzter von fünf Gründern vor die Investoren treten. «Den ganzen Tag gehst du diese vier Minuten im Kopf durch.» Mit jeder Stunde stieg die Nervosität.
«Brutal geschwitzt» und «völlig fertig»
Endlich betrat Städler die Bühne. Er bot den Investoren zehn Prozent seiner Firma für 150’000 Euro an. Dann streikte die Technik. Die Messwerte, welche die Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur zeigen sollten, erschienen nicht. «Ich habe brutal geschwitzt und war völlig fertig», sagt Städler.
Einer der Investoren ärgerte sich hörbar über die Panne. «Er störte sich daran, dass ich das nicht im Griff hatte.» Als die Präsentation endlich weiterging, fand Städler nie mehr richtig in seinen Rhythmus zurück. «Ich habe einen Scheiss geschwafelt.» Insgesamt stand das Trio rund 90 Minuten vor den Investoren. Im Fernsehen waren davon später gut 20 Minuten zu sehen.
Kritik, Kritik und noch einmal Kritik
Kaum lief die Präsentation weiter, hagelte es Kritik. Der erste Löwe störte sich daran, dass wissenschaftliche Studien fehlten. «Dafür fehlte mir die Zeit», entgegnete Städler. Der nächste kritisierte, dass die Gatepress nicht von den Krankenkassen anerkannt sei. «Ich versuchte, zu erklären, dass kein Trainingsgerät krankenkassenanerkannt ist. So etwas gibt es gar nicht», sagt Städler.
Ein Investor nach dem anderen stieg aus. Sie bezeichneten das 199 Euro teure Trainingsgerät als «zu kompliziert» und «zu teuer». Eine Influencerin, die als Probe-Löwin vor Ort war, störte sich am Logo. «Es sei nicht weiblich genug», erinnert sich Städler. «Zu 80 Prozent wurde ich nur kritisiert. Irgendwann wollte ich einfach nur noch von dieser Bühne runter. Es war mir egal, ob ich einen Deal bekomme oder nicht. Es musste einfach aufhören.»
Städler erhielt keinen Deal. Alle fünf Investoren stiegen aus. «Ich war noch nie so am Ende mit meinen Kräften und so enttäuscht wie an diesem Tag. Es ging gar nicht um mich. Ich wusste, dass mein Produkt vielen Menschen helfen könnte. Zu spüren, dass andere davon nicht überzeugt waren, tat brutal weh.» Zurück zu Hause machte sich Städler viele Gedanken. «Ich fragte ihn da oben», sagt er und zeigt zum Himmel. «Warum hast du das zugelassen?»
Ein verzweifelter Brief nach Deutschland
Während Wochen fand der Bündner kaum mehr in den Alltag zurück. «Ich hatte keine Energie mehr. Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben.» Besonders quälte ihn der Gedanke, sich für Deutschland statt für die Schweizer Ausgabe entschieden zu haben. «Ich war grössenwahnsinnig. In der Schweiz hätte ich den Deal wahrscheinlich bekommen.»
Die Niederlage schmerzte ihn so sehr, dass er der Produktionsfirma sogar schrieb. Sein Wunsch: Die Sendung sollte nicht ausgestrahlt werden. «Ich hatte Angst, dass man sich über mich lustig macht. Diesen Stempel wirst du nie mehr los.» Die Verantwortlichen lehnten ab, versprachen ihm aber, den Beitrag fair zu schneiden. Ob ihnen das gelungen ist? «Keine Ahnung. Ich werde diese Sendung nie anschauen.» Im Beitrag ist von der Technikpanne nichts zu sehen.
Ein neues «Zuhause»
Mit etwas Abstand erkannte Städler aber auch die positiven Seiten seines Auftritts. Obwohl er keinen Investor fand, sorgte die TV-Ausstrahlung für einen unerwarteten Verkaufsschub. «In den zwei Monaten danach verkauften wir rund 2000 Gatepress-Geräte. Das war abartig.»
Auch beruflich ging es wieder aufwärts. Nachdem zeitweise sogar die Zukunft seines Trainingscenters auf der Kippe gestanden hatte, fand Städler eine Lösung. Er zog diesen Sommer innerhalb des Gebäudes in grössere Räumlichkeiten um. «Das war ein cooler und wichtiger Schritt.»
Voller Fokus auf das Saisonhighlight
Mittlerweile hängen Bilder aus der TV-Sendung an der Wand seines Trainingscenters. «Das hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin», sagt Städler. Müsste er sich heute zwischen dem Deal bei der «Höhle der Löwen» und dem Königstitel mit Orlik entscheiden, würde er nicht lange überlegen.
«Finanziell wäre der Deal natürlich interessanter gewesen. Aber die Emotionen in Mollis kannst du mit keinem Geld der Welt kaufen.» Nun wollen die beiden Anfang September erstmals den Kilchberger Schwinget gewinnen.