«Heute fahre ich nicht mehr Lastwagen»
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Giger macht Profi-Geständnis:«Heute fahre ich nicht mehr Lastwagen»

Alle Antworten zu Gigers Profi-Bekenntnis
Wer sonst noch wie ein Profi lebt und was die Traditionalisten fürchten

Samuel Giger hat als erster Spitzenschwinger offiziell zugegeben, dass er vollständig vom Schwingen lebt. Sein Bekenntnis zum Profisport gibt in der Schwingszene viel zu reden. Doch warum sorgt das für so viel Aufregung? Die wichtigsten Antworten dazu gibt es hier.
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Samuel Gigers «Outing» als Profi wirft derzeit viele Fragen auf.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Samuel Giger ist der erste offizielle Profi im Schwingen
  • Innerhalb der Szene sorgt das für viele Diskussionen und wirft Fragen auf
  • Die wichtigsten Fragen zur Thematik werden in diesem Artikel beantwortet

Warum sorgt Gigers Bekenntnis zum Profitum für so viel Aufregung?

Weil Giger etwas öffentlich macht, das einem Tabubruch gleichkommt. Schwingen gilt noch heute offiziell als Amateursport. Für viele ist es ein Selbstverständnis, dass selbst die grössten Stars nebenbei einem Beruf nachgehen. Gigers Bekenntnis kratzt somit am Mythos des bodenständigen Schwingers, der tagsüber arbeitet und abends trainiert. Viele befürchten, dass damit Werte wie Bescheidenheit, Chancengleichheit und Volksnähe unter Druck geraten.

Wie sieht die berufliche Realität der Spitzenschwinger heute aus?

Es gibt ganz unterschiedliche Modelle. Einige Spitzenschwinger arbeiten Vollzeit – etwa Landwirte wie Domenic Schneider. Andere setzen auf Teilzeitpensen oder flexible Projektleiter-Stellen, wie Damian Ott oder Schwingerkönig Armon Orlik als Bauingenieur. Nachwuchskönig Sinisha Lüscher arbeitet beispielsweise noch 30 Prozent als Bankkaufmann. Besonders beliebt ist das Studium als Übergangsmodell, weil sich Training und Wettkämpfe besser mit dem Alltag vereinbaren lassen. Zu den bekanntesten Studenten zählen Kilchberger-Sieger Fabian Staudenmann (Volkswirtschaftslehre) und sein Berner Kollege Adrian Walther (Architektur). Wieder andere arbeiten auf dem elterlichen Betrieb mit – wie ESAF-Schlussgänger Werner Schlegel oder Supertalent Michael Moser. Sie können jederzeit für ein Training die Arbeit unterbrechen. 

Welche Berufe hatten frühere Spitzenschwinger?

Früher arbeiteten die meisten Spitzenschwinger in handwerklichen Berufen oder waren Bauern. Karl Meli war beispielsweise Zimmermann und arbeitete später als Polizist, Jörg Abderhalden ist Schreinermeister und Matthias Sempach Landwirt. Nicht alle verrichteten jedoch körperliche Arbeit neben dem Sport. Das wurde zunehmend als Nachteil für Regeneration und Höchstleistung angesehen. So arbeitete beispielsweise der gelernte Metzger und Zimmermann Kilian Wenger während seiner Karriere genau wie Christian Stucki als LKW-Chauffeur. 

Wie positioniert sich der ESV zum Thema Profitum?

Eine offizielle Stellungnahme gibt der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) nicht ab. Fakt ist aber: Der ESV steckt in der Zwickmühle zwischen Tradition und wirtschaftlicher Realität. Offiziell soll Schwingen ein Amateursport bleiben, gleichzeitig kann der Verband aber niemandem vorschreiben, wie viel er privat arbeitet. Geht es nur nach dem Geld, dürfte der ESV allerdings nichts gegen das Profitum haben. Seitdem ab 2011 Sponsorenverträge im Schwingen erlaubt sind, profitiert der Verband jedes Jahr mit. Aktivschwinger müssen ihm jeweils zehn Prozent ihrer jährlichen Werbeeinnahmen abgeben und Zurückgetretene während drei Jahren noch fünf Prozent. Bei insgesamt über drei Millionen Werbeeinnahmen pro Jahr (seit 2022) ist das jeweils eine beträchtliche Summe von über 300'000 Franken.

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Warum machte Samuel Giger seinen Schritt gerade jetzt öffentlich?

Giger erzählt, dass der Entscheid über Jahre gereift ist. Der Thurgauer reduzierte sein Arbeitspensum als Lastwagenchauffeur schrittweise von 100 auf 80 und später auf 40 Prozent. Doch selbst zwei Arbeitstage störten laut ihm den Trainings- und Regenerationsrhythmus. Zudem wolle er sich später nicht vorwerfen müssen, für seine sportlichen Ziele nicht alles Mögliche investiert zu haben – und entschied sich deshalb für den Vollprofi-Weg.

Werden weitere Schwinger nachziehen?

Gut möglich. Giger hat als Erster ausgesprochen, was viele bisher vermieden haben. Zu einer Profi-Welle wird es allerdings nicht kommen, auch wenn der finanzielle Markt laut Stimmen vom ESV gross genug wäre, damit etwa fünf bis zehn Spitzenschwinger vom Sport leben könnten. Gigers Bekenntnis hat jedenfalls den Damm gebrochen und die Debatte über das Profitum im Schwingsport endgültig eröffnet. Stellt sich die Frage, welche Schwinger ebenfalls Farbe bekennen könnten? Die Studenten Staudenmann und Walther richten ihr Leben nach dem Sport aus – sind also faktisch auch Vollprofis. Genauso Werner Schlegel, der eine Weiterbildung absolviert und auf einem Familienbetrieb arbeitet.

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