Darum gehts
Stefan Burkhalter, zweifacher Schwägalp-Sieger
«Ich habe kein Problem damit. Für mich wäre es aber keine Option gewesen. Ich brauchte die Ablenkung durch die Arbeit. Zu bedenken gebe ich einfach: Wenn du fünf oder sechs Jahre nicht arbeitest, bist du in vielen Berufen schnell weg vom Fenster. Die entwickeln sich so schnell, dass du danach fast wieder neu anfangen musst.»
Remo Käser, sechsfacher Kranzfestsieger
«Grundsätzlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Ob Aufwand und Ertrag stimmen, zeigt sich erst später. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wenn er die Möglichkeit dazu hat, spricht doch nichts dagegen. Es gibt so viele Menschen, die keinen Spitzensport betreiben und auch nicht 100 Prozent arbeiten.»
Fridolin Beglinger, Schwinger-Boss
«Mich stört das nicht. In Schwingerkreisen weiss man, dass es schon heute einige gibt, die praktisch vom Sport leben. Ob einer noch einen Tag pro Woche arbeitet oder gar nicht mehr, macht für mich keinen riesigen Unterschied. Eingreifen müsste der Verband erst, wenn diese Entwicklung überhandnimmt – oder wenn junge Schwinger wegen des Sports keine Lehre mehr machen würden.»
Hans Kopp, Kilchberger-Sieger
«Ich finde das nicht gut. Wenn du nur noch für das Geschäft da bist, oder in diesem Fall nur für den Schwingsport, wirst du betriebsblind. Du brauchst daneben noch etwas anderes, das dich ablenkt und gleichzeitig fordert. Ich glaube nicht, dass Samuel dadurch noch besser wird.»
Andreas Döbeli, Eidgenosse
«Mir ist das egal. Für mich persönlich wäre es aber nichts. Ich würde viel zu viel ans Schwingen denken. Nur weil jemand Profi ist, bleibt er nicht von Verletzungen verschont. Wenn sich das jemand leisten kann, soll er diesen Weg gehen. Richtig gut verdienen ohnehin nur die fünf oder sechs Besten. Meine Sponsoren finanzieren mir das Training – viel bleibt Ende Saison nicht übrig.»
Marcel Bieri, Innerschweizer-Sieger
«Ich kann diesen Entscheid nachvollziehen. Schlussendlich kann jeder selbst bestimmen, in welcher Form er seine Sportart ausüben will. Entscheidend ist für mich, dass der Wettkampf spannend bleibt. Solange auch Nicht-Profis gegen die Spitzenschwinger eine Chance haben, ist das gewährleistet.»
Lukas Bissig, vierfacher Kranzfestsieger
«Für mich gehört die Arbeit neben dem Sport einfach dazu. Es wäre sehr schade, wenn es schlussendlich nur noch Profis gäbe. Aber jeder muss selber wissen, was für ihn am besten stimmt.»
Christian Schuler, fünffacher Eidgenosse
«Mich überrascht Gigers Entscheid nicht. Die meisten Spitzenschwinger haben ihr Leben schon länger so organisiert, dass es optimal fürs Schwingen ist. Wer nur noch 40 Prozent arbeitet und sonst vom Schwingen lebt, ist für mich sowieso ein Profi – oder mindestens ein Halbprofi. Einem Job weiterhin nachzugehen, ist aus meiner Optik nach wie vor das Beste. Es gibt dir eine Tagesstruktur, du bist unter Leuten und kannst den Kopf leeren. Wenn Sämi das anders machen kann, habe ich kein Problem damit, aber ich glaube, es würde ihm mental guttun, wenn er nebenbei etwas hätte.»
Sven Schurtenberger, vierfacher Eidgenosse
«Mir gefällt die Ehrlichkeit von Giger. Andere sind Studenten oder auf dem elterlichen Hof angestellt – das sind für mich auch Profis. Schlussendlich muss jeder selber wissen, was für ihn das Beste ist. In Zukunft wird es automatisch mehr Profis geben, weil sich der Sport weiterentwickelt. Für mich bleibt Sämi auch nach seinem Outing der gleiche Schwinger.»
Philipp Laimbacher, fünffacher Stoos-Sieger
«Man muss sich damit anfreunden. Sämi setzt noch einmal alles auf eine Karte: jetzt oder nie. Ich verstehe diese Überlegung. Aber ich verstehe nicht, weshalb er gar nicht mehr arbeitet. Ich habe immer 100 Prozent gearbeitet. Es war streng, aber dadurch hatte ich einen guten Ausgleich. Als Profi steigt der Druck extrem. Wenn ich weiss, dass einer nicht mehr arbeitet, erwarte ich von ihm automatisch mehr.»
Adi Laimbacher, vierfacher Stoos-Sieger
«Grundsätzlich kann jeder machen, was er will. Man muss auch die Hintergründe kennen. Dass Sämi Vollprofi wird, hängt sicher mit seinen sportlichen Zielen zusammen. Ich glaube aber nicht, dass man Schwingerkönig oder nochmals Kilchberger-Sieger wird, nur weil man nicht mehr arbeitet. Die Mischung aus Sport und Arbeit finde ich wichtig. Wenn das für Sämi passt, soll er diesen Weg gehen. Ich persönlich hätte es nicht kommuniziert.»
Simon Jampen, Schwarzsee-Schlussgänger
«Ich finde Gigers Profi-Outing eine gute Sache. Er steht offen dazu, was er macht. Diese bodenständige Ehrlichkeit gehört zum Schwingsport und verkörpert Sämi. Er braucht keinen Scheinjob, nur um sagen zu können, dass er noch irgendwo angestellt ist. Wenn sich die Spitzenschwinger unter anderem professioneller vermarkten, profitiert langfristig in Sachen Sponsoren auch die zweite Garde.»
Enrico Matossi, 75-facher Kranzgewinner
«Grundsätzlich ist das in Ordnung. Ob es den gewünschten Erfolg bringt, wird sich zeigen. Ein Tag als Lastwagenchauffeur würde Sämi aber sicher guttun. So könnte er den Kopf lüften, was sich wohl auch positiv auf den mentalen Bereich auswirken würde.»