Vor allem aus Bern gibts Kritik
Schwinger Staudenmann gründet umstrittene Trainingsgruppe

Fabian Staudenmann geht einmal mehr neue Wege. Nach dem ESAF griff der Berner zum Telefon. Entstanden ist eine Trainingsgruppe aus Top-Schwingern, die nicht überall gut ankommt.
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Fabian Staudenmann ist derzeit in Top-Form. Ein Grund dafür könnte die gestiegene Qualität seiner Sägemehltrainings sein.
Foto: keystone-sda.ch

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Nicola AbtReporter Sport

Es ist eine simple Rechnung, die Fabian Staudenmann (26) nach dem verpassten Königstitel ins Grübeln brachte: Zeit im Sägemehl × Qualität der Gegner = Fortschritt. Trainingsstunden absolvierte der Berner vor dem ESAF genug.

Stellte sich also die Frage nach der Qualität. «Nur im Sägemehl zu stehen und zu schwingen, macht dich noch nicht viel besser. Du brauchst auch die entsprechenden Gegner dazu», erklärt Staudenmann. Und genau da lag das Problem.

Mehrere Telefonate nach dem ESAF

Während der letzten Saison fehlten im Klubtraining immer wieder starke Schwinger. Mal wegen einer Rippenverletzung, mal nach einem Misstritt. «Das ist völlig normal, weil Schwingen ein Kampfsport ist.» Staudenmann suchte deshalb nach einer Möglichkeit, die Qualität konstant hochzuhalten.

Nach dem verpassten Königstitel im letzten Spätsommer gründete er eine neue Trainingsgruppe.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Seine Lösung: mehr Spitzenschwinger im selben Training. Dann fallen einzelne Absenzen weniger ins Gewicht. Staudenmann griff zum Telefon. «Ich suchte Athleten, die bereit sind, dem Schwingsport einen grossen Stellenwert in ihrem Leben zu geben und dafür auch etwas zu investieren.»

Entstanden ist eine Trainingsgruppe, die sich jeweils am Mittwoch- und Freitagmorgen im Sägemehl trifft. Mit Adrian Walther und Michael Moser gehören weitere Berner Spitzenschwinger dazu. Staudenmann machte bei der Suche jedoch nicht an den Teilverbandsgrenzen halt.

Athletiktrainer als «Glücksfall»

Auch Sinisha Lüscher und Marius Frank aus der Nordwestschweiz sowie der Südwestschweizer Lario Kramer trainieren regelmässig mit. Ganz neu ist diese Konstellation nicht. Lüscher steht seit einiger Zeit immer wieder mit den Bernern im Sägemehl. Kramer wiederum kennt Staudenmann aus dem Athletiktraining bei Schwingerkönig Matthias Glarner.

Jeweils am Mittwoch- und Freitagmorgen stehen Staudenmann, Sinisha Lüscher (r.) und Co. im Sägemehl.
Foto: Marc Schumacher/freshfocus

Geleitet werden die Einheiten von William Häni. Der ehemalige Schwinger musste seine Karriere wegen Verletzungen früh beenden und studierte später Sport in Magglingen. «Für mich ist er ein Glücksfall», sagt Staudenmann. «Es ist cool, jemanden zu haben, der aus dem Schwingen kommt und gleichzeitig einen sportwissenschaftlichen Hintergrund mitbringt.»

Training ist nicht gratis

Gelegentlich erhält Häni prominente Unterstützung. Mit Adrian Käser und Christian Stucki schauten unter anderem zwei Schwingerkönige bereits vorbei und gaben den Teilnehmern Inputs. Aus Staudenmanns ursprünglicher Idee ist so ein Training entstanden, das weit über ein gewöhnliches Treffen einiger Spitzenschwinger hinausgeht.

Gratis gibt es die zusätzlichen Einheiten nicht. Die Kosten dafür werden vollständig von den Teilnehmenden selbst getragen. «Wir haben geschaut, was das Ganze kostet und wie gross der Aufwand für den Trainingsleiter ist», erklärt Staudenmann. Die anfallenden Kosten werden entsprechend auf die Teilnehmenden aufgeteilt.

Da es sich dabei um lauter Spitzenschwinger handelt, ist die Trainingsqualität sehr hoch.
Foto: Keystone

Für Staudenmann gehört auch das zur Einstellung, die er bei der Suche nach seinen Trainingspartnern voraussetzte. Wer besser werden wolle, müsse bereit sein, etwas dafür zu investieren. Nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell.

Mit den Besten trainieren, um besser zu werden

Doch nicht überall kommt Staudenmanns neue Idee gut an. Für Diskussionen sorgt vor allem, dass die Gruppe nicht nur aus Bernern besteht. Im Lager der Mutzen gibt es kritische Stimmen, weil Staudenmann mit Lüscher, Frank und Kramer ausgerechnet Schwinger stärker machen könnte, die den Bernern an den grossen Festen als Gegner gegenüberstehen.

Umgekehrt wird auch in der Nordwestschweiz hinterfragt, weshalb Lüscher und Frank regelmässig mit der starken Berner Konkurrenz trainieren. Staudenmann kennt diese Vorbehalte. An seiner Haltung ändern sie nichts. «Es ist eine Philosophie, die für mich stimmt. Wenn du besser werden willst, musst du mit den Besten trainieren. Wir können gegenseitig voneinander profitieren.»

Keine Geheimnisse mehr

Ein weiterer Einwand der Kritik: Wer regelmässig mit Staudenmann schwingt, lernt seine Stärken und Schwächen besonders gut kennen. Ein Vorteil, wenn es an einem Schwingfest plötzlich um einen Kranz oder gar den Festsieg geht?

Auch dieses Argument lässt Staudenmann nicht gelten. Der Schwingsport habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. «Ich kann heute sicher 90 Prozent der Gänge meiner Gegner im Internet nachschauen.» Mittlerweile werden selbst viele Regionalfeste übertragen. Geheimnisse gibt es im Sägemehl kaum noch.

Lüscher schwärmt von den Trainings. Ob das Projekt weiterverfolgt wird, ist aktuell aber noch unklar.
Foto: keystone-sda.ch

Staudenmann nimmt deshalb lieber in Kauf, dass seine Trainingspartner ihn ebenfalls besser kennenlernen, als dass er stagniert. «Ich will immer besser werden. Teilweise muss man dafür auch einen neuen Weg gehen.»

Zukunft des Projekts ist offen

Blick hörte sich bei seinen Trainingskollegen um, das Feedback war sehr positiv. Stellvertretend dafür sagt Weissenstein-Schlussgänger Lüscher: «Ich finde das eine super Sache. Es sind brutal harte Gänge, man muss teilweise auch unten durch. Aber genau so wird man stärker.»

Trotz der positiven Rückmeldungen lässt Staudenmann offen, ob er das Projekt weiterverfolgt. «Vielleicht kommen wir im Herbst zum Schluss, dass das nichts war.» Schaut man sich seine bisherigen Resultate an, scheint sich das zusätzliche qualitativ hochstehende Training aber auszuzahlen.

Giger fehlt verletzt

Staudenmann gewann zuletzt vier Kranzfeste in Serie. Auf der Rigi triumphierte er ebenso wie auf dem Brünig. Dazu kommen die Siege am Berner Kantonalen im Wankdorf und am Bern-Jurassischen. Kein anderer Schwinger präsentiert sich derart stark wie der Volkswirtschaftsstudent. 

Am Sonntag folgt der nächste Härtetest. Staudenmann tritt auf der Schwägalp an und trifft dort auf die starke Nordostschweizer Konkurrenz. Vor zwei Jahren schaffte er es bis in den Schlussgang und gewann schliesslich zusammen mit Samuel Giger. Der Thurgauer fehlt verletzungsbedingt. Dass Staudenmann diesmal alleine triumphiert, ist ihm in der aktuellen Verfassung durchaus zuzutrauen. 

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