Darum gehts
Ein spezielles Schwingfest-Erlebnis
Nicht nur die Schwinger mussten am Bern-Jurassischen kämpfen. Auch die Medienschaffenden waren gefordert. Ihre Plätze boten zwar Schutz vor der Sonne – dafür war das Sägemehl nicht zu erkennen (siehe Bild). Wer tatsächlich etwas von den Gängen mitbekommen wollte, musste deshalb aktiv werden. Einige Journalisten standen regelmässig auf und reckten die Köpfe, um doch noch einen Blick auf die Schwinger zu erhaschen. Andere wählten die bequemere Variante: Sie verfolgten das Geschehen auf dem Bildschirm.
Brünig-Sieger verrät Verletzungsdetails
Nach zwei Gängen war für Matthieu Burger am Bern-Jurassischen bereits Schluss. Schnell war klar, dass es sich bei der Aufgabe um eine Vorsichtsmassnahme handelt. Gegenüber Blick verrät der Brünig-Sieger, dass es sich um keine neue Blessur handelte. «Die kleine Verletzung am Knie zog ich mir bereits im vierten Gang auf dem Brünig zu», erzählt Burger. Bemerkenswert: Trotz der Blessur schwang der Berner damals weiter und gewann das Bergfest am Ende gemeinsam mit Fabian Staudenmann, Werner Schlegel und Armon Orlik.
Danach schien das Problem ausgestanden. «Im Training fühlte sich wieder alles gut an. Doch heute spürte ich es im ersten Gang. Im zweiten Kampf war ich dann etwas gehemmt.» Nach einer Niederlage und einem Gestellten beendete Burger deshalb den Wettkampf vorzeitig. Der Kilchberger Schwinget ist aber nicht in Gefahr.
Das Happy End für den Brunnen
Für 26'000 Franken wurde vor einem Monat der Brunnen des Berner Kantonalen Schwingfestes versteigert. Dumm nur, dass die Ersteigerer weder den Brunnen noch so viel Geld in die Hand nehmen, sondern einfach nur das Angebot in die Höhe treiben wollten. Deswegen haben sie entschieden, einen neuen Käufer für das gute Stück zu suchen. Nach mehreren Wochen haben sie diesen gefunden.
Der Brunnen findet in Mülchi BE bei Hans Ueltschi sein neues Zuhause. Das teilen die Schwingfest-Organisatoren auf Instagram mit. «Ich habe das Glück, ein wunderschönes Rieghaus zu besitzen – der Schwingerbrunnen passt dorthin einfach perfekt», lässt sich der neue Besitzer zitieren. «Ich freue mich darauf, ihm dort ein würdiges Zuhause zu geben.» Die ursprünglichen Besitzer sind froh, haben sie eine Lösung gefunden, denn die Wochen seien intensiv und emotional gewesen – auch weil sie plötzlich derart im Fokus der Öffentlichkeit standen.
Aufatmen beim Kilchberger-OK
Vor wenigen Wochen schlug das Organisationskomitee des Kilchberger Schwingets Alarm. Für den Saisonhöhepunkt fehlten noch über 100 helfende Hände, wie es Blick mitteilte. Besonders für die weniger begehrten Einsätze beim Abbau gestaltete sich die Suche schwierig. Dabei ist gerade ein schneller Rückbau entscheidend. Denn das Schwingfest findet auf einem aktiv bewirtschafteten Bauernhof statt, der möglichst rasch wieder in den Normalbetrieb zurückkehren muss.
Auch dank des Blick-Artikels konnte das Problem nun gelöst werden. Wie das OK mitteilt, haben sich nach der Publikation «zahlreiche» Personen gemeldet, die beim Kilchberger mitanpacken wollen. Die Verantwortlichen dürfen aufatmen, sind aber weiterhin froh um jede helfende Hand. Einem grossartigen Kilchberger Schwinget steht damit nichts mehr im Weg.
Der Fluch der Staudenmann-Gruppe
Irgendjemand fehlt immer. Seit dem Berner Kantonalen 2024 schaffte es die Freundes- und Trainingsgruppe um Fabian Staudenmann kein einziges Mal mehr komplett an ein Kranzfest. Immer wieder sorgt eine Verletzung dafür, dass mindestens einer aus der Clique zuschauen muss. Zur Gruppe gehören neben Staudenmann, Michael Ledermann, Adrian Walther, Severin Schwander, Lorenz Berger, Lukas Renfer und Nicolas Zimmermann.
Die Sieben verbindet weit mehr als der Schwingsport. Sie sind enge Kollegen und verbringen auch abseits des Sägemehls viel Zeit miteinander. Bis sie aber wieder einmal alle zusammen wettkampfmässig in die Zwilchhosen steigen, dürfte es noch eine Weile dauern.
Am 11. August 2024 in Burgdorf BE standen sie letztmals gemeinsam an einem Kranzfest im Einsatz. Auch am Bern-Jurassischen setzt sich die Absenzenserie fort. Diesmal fehlen mit Renfer und Walther gleich zwei Teammitglieder verletzungsbedingt. Langsam scheint es so, als würde auf der Trainingsgruppe ein kleiner Fluch liegen. Das Positive von diesem Wochenende: Mit Staudenmann (Festsieg) und den Kranzgewinnen von Schwander, Zimmermann, Berger und Ledermann hat die Gruppe einmal mehr bewiesen, wie stark sie ist – wenn sie im Sägemehl stehen.
Das verspätete Ritual
Ende Januar hat König Joel Wicki seine Karriere beendet. Weil er dies ausserhalb der Saison tat, konnte er einem Schwingerbrauch nicht nachgehen. Denn beim Karriereende gehört es dazu, die Zwilchhosen symbolisch an den Nagel zu hängen. Das hat Wicki nun mit Verspätung nachgeholt. Anfang August beim Bergschwinget in seiner Heimat Sörenberg LU wurde der König vom Entlebucher Schwingerverband offiziell verabschiedet. Wicki beschreibt es auf Instagram als «besonderen Moment» und bedankt sich noch einmal bei allen, die ihn während seiner Karriere begleitet haben. «Ich werde die vielen unvergesslichen Momente im Sägemehl für immer in bester Erinnerung behalten.»
Die Kilchberg-Champions
Samuel Giger musste sein Comeback nach der Schulterverletzung noch einmal verschieben und konnte nicht am Schaffhauser Kantonalen teilnehmen. Ob er nächsten Sonntag auf der Schwägalp antritt, ist offen. Damian Ott hat derweil sowieso ein freies Wochenende eingeplant. Und Fabian Staudenmann? Der lässt beim Bern-Jurassischen einmal mehr seine Muskeln spielen. Sechs Gänge, sechs Siege lautet seine Bilanz, nur einen Viertelpunkt bleibt er unter dem Maximum von 60,00. Schlichtweg beeindruckend. Belohnt wird er mit seinem fünften Festsieg in diesem Jahr und dem 25. Kranzfestsieg seiner Karriere.