Die Schlussgänge
Fabian Staudenmann weiss schon vor dem Schlussgang, dass er das Bern-Jurassische gewinnt. Er hält sich im Duell mit seinem Klubkollegen Michael Ledermann nicht zurück – und legt ihn nach nicht einmal einer Minute aufs Kreuz. Damit muss er den Triumph nicht teilen, sondern jubelt alleine. Und das auf beeindruckende Art und Weise. Er gewinnt alle sechs Gänge und verpasst nur einmal die Maximalnote. Ein fast perfektes Fest.
Andy Signer und Nicola Graf gehen mit dem Wissen in den Schaffhauser Schlussgang, dass nur ein Sieg sie jubeln lässt. Signer geht entsprechend entschlossen zu Werke und landet den entscheidenden Wurf nach rund 40 Sekunden.
Die Siegerstimme
Fabian Staudenmann: «Es war ein Fest für die Schwing-Romantiker. Es war sehr familiär, ich habe es sehr genossen. Jede Situation hat ihre Herausforderung, manchmal ist es schon vor dem Gang, dass man am Gegner rumstudiert. Deswegen gibts keinen Moment, der am härtesten war. Grundsätzlich hat sich auch in der Hitzewelle nichts am Training geändert. Viel trinken ist wichtig. Einzig das Schlafen ist manchmal ein Problem, aber zum Glück wohne ich nahe der Aare, da hats ab und zu eine Abkühlung gegeben.»
Die Titelverteidiger
Letztes Jahr hat Martin Hersche das Schaffhauser Kantonale gewonnen. Kurz darauf hat er sich am ESAF eine schwere Knieverletzung zugezogen und in der Folge seine Karriere beendet. Beim Bern-Jurassischen heisst der Titelverteidiger Reto Thöni. Er hat sich Anfang Juli am Kniegelenk verletzt und seither keinen Wettkampf mehr bestritten.
Die Abwesenden
Die ESAF-Schlussgänger Samuel Giger und Werner Schlegel waren die Aushängeschilder des Schaffhauser Kantonalen. Antreten können sie beide nicht, sie sagen ihre Teilnahme verletzungsbedingt ab. Beim Bern-Jurassischen wollte Matthias Aeschbacher in die Zwilchhosen steigen, auch ihn zwingt eine Verletzung zum Forfait.
Der überraschende Halbzeit-Leader
Vor etwas mehr als einer Woche hat Corsin Magani seinen 19. Geburtstag gefeiert. Nun macht er sich ein verspätetes Geschenk. Am Schaffhauser Kantonalen ist er der einzige Schwinger, der am Morgen dreimal gewinnt. So grüsst er zur Halbzeit von Rang 1. Zum Start in den Nachmittag trifft er auf den späteren Festsieger Andy Signer und muss sich ihm geschlagen geben. Es sollte seine einzige Niederlage bleiben. Denn Magani lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und gewinnt seine letzten beiden Duelle. Der Lohn: Platz 2 und der erste Kranz seiner Karriere.
Die Nummer 2
Letztes Jahr hat Andy Signer beim Appenzeller Kantonalen den ersten Festsieg seiner Karriere gefeiert. Nun doppelt er nach. Im Schlussgang des Schaffhauser Kantonalen lässt er nichts anbrennen und holt sich den Triumph.
Das Stängeli
Im 1. Gang des Bern-Jurassischen trifft Fabian Staudenmann auf Christian Gerber. Es ist das zehnte Duell der beiden Berner Eidgenossen. Verloren hat Staudenmann noch nie, das ändert sich auch an diesem Sonntag nicht. Er bezwingt Gerber mit dem ersten Zug. Und legt ihn zum sechsten Mal aufs Kreuz. Die anderen Duelle endeten gestellt.
Das Beinahe-Kuriosum
Weil Samuel Giger nicht am Fest teilnimmt, ist schon vor dem Schlussgang klar, dass das Schaffhauser Kantonale einen neuen Sieger bekommt. Und beinahe gibts nicht nur einen, sondern gleich neun! Denn vor dem Schlussgang liegen Corsin Magani, Fabian Bärtsch, Christian Bernold, This Kolb, Markus Schläpfer, Samuel Schwyzer, Silvan Wetter sowie das Eidgenossen-Duo Fabian Kindlimann und Martin Roth in Führung. Weils im letzten Kampf eine Entscheidung gibt, können sie allerdings nur kurz vom gemeinsamen Triumph träumen.
Die Rückkehr mit Déjà-vu
Fünf Jahre ist es her, seit Fabian Staudenmann letztmals am Bern-Jurassischen teilgenommen hat. Schon damals zog er in den Schlussgang ein und stand mit Severin Schwander einem Teamkollegen vom Schwingklub Schwarzenburg gegenüber. Nun wiederholt sich die Geschichte. Wieder steht Staudenmann im Schlussgang, wieder trifft er mit Michael Ledermann auf einen Klubkollegen. Der einzige Unterschied zu damals: Dieses Mal steht Staudenmann schon nach fünf Gängen als Festsieger fest. Und doch ist es für ihn ein Fest mit Déjà-vu.
Der dritte Streich
Fünf Kränze hat Adrian Scheuner in seiner Karriere bisher gewonnen. Am Bern-Jurassischen bodigt er im 1. Gang Patrick Schenk. Es ist nicht der erste Eidgenosse, den der 17-Jährige in diesem Jahr auf den Rücken legt – sondern der dritte. Am Berner Kantonalen hat er Sinisha Lüscher bezwungen und am Oberländischen Steve Duplan. Nicht nur gegen Schenk schwingt er stark, sondern auch gegen seine anderen Gegner. Scheuners Bilanz am Ende des Tages: vier Siege und zwei Gestellte und damit Kranz Nummer sechs.
Die etwas andere Atmosphäre
Schwingen ist eine Outdoor-Sportart. Normalerweise wird für jedes Fest eine temporäre Arena errichtet. Nachdem das Berner Kantonale schon im Wankdorf-Stadion stattgefunden hat, geht man in Schaffhausen noch einen Schritt weiter. Das Kantonale geht in der BBC Arena, der Heimat des Handballklubs Kadetten Schaffhausen, über die Bühne. Und damit in einer Halle und nicht an der frischen Luft.
Der erste Kranz
Fünf Kranzfeste hat Philipp Roth in dieser Saison bestritten und jedes Mal Eichenlaub verpasst. Beim Bern-Jurassischen unternimmt er den nächsten Anlauf, den ersten Kranz der Saison zu holen. Obwohl er am Ende des Tages zwei Gestellte und eine Niederlage auf dem Notenblatt hat, reichts letztlich für das erste Eichenlaub in diesem Jahr.
Die Bedingungen
Nach der Mittagspause herrscht beim Bern-Jurassischen Aufregung. Der Speaker gibt durch, dass Zuschauer wie Schwinger im Falle eines Gewitters Schutz in ihren Autos suchen sollen. Offenbar hats eine Warnung gegeben. Denn im Vergleich zum Morgen ist der Himmel plötzlich bewölkt und es windet stärker. Tatsächlich setzt zwischenzeitlich Regen ein und die Zuschauer suchen Schutz. Ein Gewitter zieht zum Glück nicht auf, stattdessen kehrt die Sonne zurück. Das sind Probleme, die man in Schaffhausen nicht hat – weil das Fest in der Halle stattfindet.
So geht es weiter
Kommendes Wochenende finden die letzten beiden Kranzfeste der Saison statt: der Schwägalp-Schwinget und das Nordwestschweizer. Danach steht nur noch das Highlight in der Agenda: der Kilchberger Schwinget am 5. September.