«Sehr froh, war ich es nie»
Aus einem Grund rät Schwingerkönig Schläpfer vom Profitum ab

Samuel Giger ist Profischwinger – als erster Topathlet seiner Zunft gibt er seinen Beruf auf. Schwingikone Ernst Schläpfer zeigt sich skeptisch: «Ich würde es nicht empfehlen, der Druck wird enorm.»
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Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Eines macht Schwinglegende Ernst Schläpfer (70) im Gespräch mit Blick sofort klar: «Ich bin sehr froh, dass ich nie Profi gewesen bin!» Der Ostschweizer gewann während seiner glanzvollen Karriere neben zwei Königstiteln unter anderem auch den Kilchberger Schwinget und die Bergfeste auf der Rigi und dem Brünig. Aber selbst in seinen erfolgreichsten Jahren drückte Schläpfer an der ETH die Studierbank: Er studierte Agronomie und schloss sein Doktorat ab.

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Ernst Schläpfer wurde 1980 und 1983 Schwingerkönig.
Foto: Blicksport

In Schläpfers aktiver Zeit in den 80er-Jahren war es undenkbar, dass sich ein Schwinger voll und ganz nur noch dem Sport widmet. Das war es eigentlich bis heute – doch nun hat mit Samuel Giger (28) einer der Spitzenschwinger den Bann gebrochen und erklärt öffentlich, dass er seine zwei Arbeitstage pro Woche als Lastwagenfahrer aufgegeben habe und Sportprofi geworden sei. 

Schläpfer geht es nicht um Tradition

«Giger und auch die anderen, die sich mit reduzierten Pensen ebenfalls stark auf den Sport fokussieren, sollen das gerne machen», sagt Schläpfer und ergänzt sogleich: «Ich würde es aber nicht empfehlen.» Der Ostschweizer tat sich in den Jahren der Kommerzialisierung des Schwingsports immer wieder als dezidierter Kritiker der modernen Strömungen hervor. 

Der Schaffhauser mit Appenzeller Wurzeln meint weniger Themen wie vermeintliche Sägemehlfolklore, etwa dass ein Schwinger einfach grundsätzlich und aus Tradition nicht Profi sein sollte. «Darum geht es mir nicht. Ich mag es jedem Sportler gönnen, wenn er Profi sein kann. Aber ich frage mich ernsthaft: Was macht man denn da den ganzen Tag?» 

Schläpfer kommt in Fahrt und rechnet vor: «Angenommen, man würde drei Einheiten pro Tag à eineinhalb Stunden trainieren, was schon sehr viel ist, steht man bei 4,5 Stunden reinem Training. Auch wenn man die Nacht abzieht, bleiben noch immer viele Stunden, die man irgendwie totschlagen muss. Deshalb jassen Fussballer ja so oft. Diese Zeit kann man doch nutzen, um sich auf die Zeit nach der Karriere vorzubereiten.»

Doch kommt dann nicht die Regeneration zu kurz? «Zig Stunden in der Kühlbox sitzen kann man auch nicht. Und der Körper kann sich meiner Meinung nach auch sehr gut in einem Hörsaal oder sonst bei einer Arbeit im Sitzen erholen.»

«Leistungsdruck wird grösser»

Schläpfer war jahrzehntelang Rektor an einer Schaffhauser Berufsschule. Auch Spitzensportler sassen immer wieder in seinem Büro. Oft mit Überlegungen dazu, was nach der Sportkarriere folgen soll. «Ich habe jedem geraten, sich schon während der Karriere ein berufliches Standbein aufzubauen.» Darauf verzichtet nun mit Giger erstmals ein Topschwinger aus freien Stücken.

«Der Druck wird grösser, im Sport abliefern zu müssen», ist für Schläpfer die klare Konsequenz von Gigers Schritt: «Ich weiss nicht, ob Giger da wirklich gut beraten ist. Denn die Summen, die er mit den Sponsoren und Preisgeldern verdient, sind nicht so hoch, dass er danach nie mehr arbeiten müsste.»

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