Die Berner Fans sind nach dem Kilchberger ratlos. Was war nur mit ihrem Topfavoriten los? Fabian Staudenmann (26) hatte die letzten fünf Kranzfeste gewonnen. Der Student wirkte so dominant wie zu seinen besten Zeiten. Vor zwei Jahren gewann er vier Kranzfeste in Serie und triumphierte dann beim Jubiläumsfest in Appenzell.
Diesmal schien sich die Geschichte zu wiederholen. Erneut galt es, Staudenmann zu schlagen. Zwar konnte ihn am Kilchberger niemand bezwingen, doch der Berner stellte gleich dreimal. Die Titelverteidigung war spätestens nach dem fünften Gang unmöglich. Eine riesige Enttäuschung.
Berner stehen in der Rangliste schlecht da
Nach dem erwarteten Unentschieden im Anschwingen gegen Armon Orlik fand Staudenmann gegen Damian Ott und überraschend auch gegen Michael Gwerder kein Erfolgsrezept. Die Leichtigkeit, mit der er in den vergangenen Wochen durch die Sägemehlringe gepflügt war? Plötzlich weg.
Und Staudenmann war längst nicht der einzige Berner, der hinter den Erwartungen zurückblieb. Die hochgelobte Mannschaft kassierte am Kilchberger eine empfindliche Klatsche. Nur Staudenmann und Michael Moser schafften es unter die ersten Acht. Für einen Verband mit dieser Breite und diesen Ambitionen ist das ein Debakel.
Vor allem, weil damit eine unschöne Serie weitergeht. Bereits am ESAF mussten sich die Berner geschlagen geben. Nun gehen sie auch beim nächsten Eidgenössischen Anlass leer aus. Dabei war die Ausgangslage ausgezeichnet.
Schwingtrainer dürfte Staudenmann behalten
Vor drei Wochen dominierten sie auf der Schwägalp. Für die Nordostschweizer setzte es am Heimbergfest eine schallende Ohrfeige, die noch tagelang nachhallte. Ausgerechnet beim wichtigsten Fest der Saison haben sich die Kräfteverhältnisse nun wieder gedreht.
Während Samuel Giger feiert, muss der erfolgsverwöhnte Berner Verband über die Bücher. Auch Staudenmann wird eine tiefgründige Analyse vornehmen. Schliesslich hat er nach dem verpassten Königstitel in dieser Saison einiges verändert. Der Student gründete eine neue Trainingsgruppe. Dadurch stand er so viel im Sägemehl wie noch nie.
Als persönlichen Schwing-Trainer holte er sich Simon Anderegg an seine Seite. Der Cousin von König Matthias Glarner gab ihm wertvolle Tipps. «Ich dachte ein paar Mal an ihn, wenn etwas funktionierte, was er mir sagte.» Die Zusammenarbeit dürfte trotz der Enttäuschung beim Saisonhöhepunkt weitergehen. «Es ist ein Projekt über drei Jahre.»
Partytier Staudenmann wieder in Aktion
Staudenmanns grosses Ziel ist der Königstitel in Thun 2028. Dass es mit der Titelverteidigung am Kilchberger nicht geklappt hat, wurmt ihn trotzdem. Auch wenn er sich nach dem Fest lässig gibt. Als ihn der Blick-Reporter um ein Interview bittet, steht der Berner mit einem Bier in der Hand da. «Ich habe bereits ausgestempelt», sagt er und verschwindet in der Garderobe.
Die Gründe für das Berner Debakel können bis morgen warten. Und auch Staudenmanns Saisonanalyse hat noch Zeit. An diesem Abend gilt sein Fokus wohl eher dem Bier in seiner Hand. Schliesslich ist der Berner als Party-Tier bekannt.
An den letzten Grossanlässen gab er jeweils richtig Gas. «Es tut gut, wenn man sich einmal gehen lassen kann. Dafür ist nach dem Saisonhighlight der richtige Zeitpunkt. Da darf man ein wenig Party machen.» Leider mache die Bar jeweils etwas zu früh zu. Ob das am Kilchberger auch so ist?
Am längsten feiern dürften die Nordostschweizer. Sie haben einmal mehr am Tag X abgeliefert. Und den Bernern eine Denkaufgabe für den Winter mitgegeben.