Noch ist Severin Schwander (30) kein Sternekoch. Im Restaurantführer «Guide Michelin» sucht man den Namen des Berner Eidgenossen vergebens. In Schwingerkreisen allerdings vertrauen viele Böse auf das sportlergerechte Mittagessen des Riggisberger Kochs und Metzgermeisters: ein sous-vide-gegartes, 150 Gramm schweres Pouletbrüstchen mit vorgekochtem Reis, dazu eine feine Sauce, gewürzt mit Honig, Rapsöl, Kräutern, Salz und Pfeffer, gekrönt von einem aromatischen Rosmarinzweig. Das macht offenbar Appetit auf mehr! So hat etwa Fabian Staudenmann (26) die letzten fünf Kranzfeste in Folge allesamt gewonnen.
«Wenn sich die Fans mit Fleischvogel und Kartoffelstock vergnügen, müssen wir Schwinger leichtere Kost essen, die weder schwer im Magen liegt noch aufstösst und dennoch viel Energie für den Nachmittag liefert», sagt der Küchenchef der Mittelländer. Am Festtisch sitzen gewöhnlich die Kranzschwinger Staudenmann, Adrian Walther (25), Michael Ledermann (25), Nicolas Zimmermann (25), Nicolas Walther (31), Lorenz Berger (29), Lukas Renfer (30) und Schwander selbst. Am prestigeträchtigen Kilchberger Schwinget greifen auch die Emmentaler Hoffnungsträger Michael Moser (21) und Matthias Aeschbacher (34) auf den Catering-Service von Severin Schwander zurück.
Im Wasserkocher aufgewärmt
Schwander und Staudenmann sind langjährige Weggefährten. Sie pflegen eine enge Freundschaft und gönnen sich schon mal einen Städtetrip nach Dublin. Schwander machte bei Staudenmanns Grossvater im «Sternen» in Guggisberg BE die Lehre als Koch. «Fäbu und ich philosophieren oft zusammen. Dabei steigen wir gerne tiefer in eine Thematik ein – zum Beispiel, wie das optimale Essen am Wettkampftag zu sein hat», sagt der 2,02 Meter grosse und 128 Kilogramm schwere Hüne.
Im Mai 2025 habe er eine entsprechende Rezeptur ausgearbeitet und das vorgekochte Essen erst mal für sich selbst an ein Fest seines Schwingklubs Schwarzenburg mitgebracht. «Fäbu machte grosse Augen und wollte sich fortan auch so verpflegen», erzählt er schmunzelnd von den Anfängen der Mahlzeit, die den Bösen so gut mundet.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Die Kranzschwinger holen das Kraftfutter in der Regel persönlich in der Metzgerei Schwander in Belp BE ab, wo er als Geschäftsführer fungiert. Meist kaufen sie auf Vorrat ein. Am Schwingfest lagern die vakuumierten Säckchen bis zum Mittag in einer gekühlten Styropor-Isolierbox. Danach erhitzen die Schwinger die Portionen im Wasserkocher. Warme Mahlzeiten kann der Magen leichter verdauen.
Der Tisch für die bösen Berner am Kilchberger Schwinget ist gedeckt. Auf den Saisonhöhepunkt folgt für Severin Schwander und Freundin Celina Brügger (21) das private Glück: Die Geburt ihres Kindes Anfang Oktober krönt ein ohnehin unvergessliches Jahr.