Darum gehts
Das Panorama der Churfirsten liegt über dem Sägemehlplatz oberhalb von Wildhaus SG. Rund 80 Jungschwinger zwischen zehn und 15 Jahren stehen bereit. Einige sind nervös, andere voller Vorfreude.
Warum? An diesem Montagmorgen Ende Juli trainieren nicht irgendwelche Übungsleiter mit ihnen. Mit Nöldi Forrer (47) und Matthias Sempach (40) stehen die Schwingerkönige von 2001 und 2013 auf dem Sägemehl.
Dabei fällt sofort auf: von Rost keine Spur. Sempach und Forrer zeigen die Aufwärmübungen so geschmeidig vor, als wären sie selber noch aktiv. Danach gehen sie von Gruppe zu Gruppe, korrigieren Griffe und zeigen Bewegungen geduldig immer wieder vor.
Die Könige nehmen für den Nachwuchs frei
Warum machen das die beiden Ex-Schwinger überhaupt? Schliesslich nehmen sich dafür Käser Forrer und Bauer Sempach extra frei.
Forrer muss nicht lange überlegen. «Der Schwingsport hat mir viel gegeben», sagt er. «Das Königscamp ist jedes Mal eine gute Gelegenheit, etwas dem Schwingen zurückzugeben.»
Sempach sieht es ähnlich. «Es braucht nun mal Menschen, die ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben», sagt er zu Blick. «Zudem ist es ja auch schön, wenn ein Jungschwinger einen Schwung erfolgreich anwenden kann, weil man ihm das gezeigt hat.»
Entscheidend sei dabei aber nicht nur das Sportliche, sondern auch die Werte, die man vorleben müsse. Für Sempach zählt dazu: «Die Freude am Sport, Kameradschaft und der gute Umgang miteinander.»
Früher gab es solche Möglichkeiten nicht
Während die Kinder und Jugendlichen heute eine ganze Woche mit ehemaligen und aktiven Spitzenschwingern verbringen, hat es in der Jugend der beiden Könige ganz anders ausgesehen. Ein vergleichbares Lager hat es damals nicht gegeben. Forrer und Sempach konnten davon nur träumen.
«Wir hatten lediglich zweimal im Jahr einen speziellen Schwingkurs, aber nicht so ein Lager wie heute», erinnert sich Sempach. Damals bestand die Förderung praktisch nur aus den Trainings im eigenen Schwingklub.
Gerade deshalb freut es die beiden umso mehr, dass die heutige Generation von diesem Angebot profitieren kann. Entsprechend ist das Königscamp in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Inzwischen reisen Nachwuchstalente aus allen Landesteilen ins Toggenburg.
Sempach vergleicht das Training mit einer Berufslehre
Als Trainer legt Sempach grossen Wert auf die Technik, auch wenn die Jugendlichen lieber frei schwingen würden, wie am Schwingfest. Er vergleicht das Erlernen dieser mit einer Lehre. «Wenn du Automechaniker wirst, gehst du schliesslich auch nicht am ersten Tag an den Motor eines Kunden», sagt der Bauer aus dem Entlebuch.
Vielmehr müsse die Technik wie überall sonst auch Schritt für Schritt gelernt werden. Der Erfolg komme somit zwar oft erst später, dafür sei er umso nachhaltiger.
Das erlebt Sempach inzwischen auch als Vater. Sein Sohn Henry (11) trainiert ebenfalls im Camp mit. Zu viel Druck macht der ehemalige König seinem Buben allerdings nicht. Das hält er für den falschen Weg, denn «alle müssen die Freude an diesem Sport selber finden», ist sich Sempach sicher.
Am Freitag ging das Camp in Wildhaus nun zu Ende. Auch während der zweiten Woche waren nochmals rund 80 Jungschwinger dabei. So sind jetzt über 160 Jungschwinger mit neuen Griffen und Freundschaften zurück im normalen Trainingsalltag. So viele wie noch nie. Und solange Schwinger wie Forrer und Sempach ihre Werte so weitergeben, werden es auch nicht weniger.