Darum gehts
- Schwinger Naim Fejzaj feiert nach Hirnschlag im vergangenen Jahr sein Comeback
- Fejzaj gewann fünf von sechs Kämpfen beim Toggenburger Verbandsfest
- Sein Fernziel ist das ESAF 2028 im Berner Oberland
Es ist jetzt schon das emotionalste Comeback dieser Schwingsaison. Am Sonntag stand Naim Fejzaj (31) wieder wettkampfmässig im Sägemehl. Und das etwas mehr als ein Jahr, nachdem er hätte sterben können. «Ich spürte eine riesige Dankbarkeit, dass ich schwingen und noch auf dieser Welt sein darf. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen», erklärt er am Tag danach.
Ein Leben lang begleiten wird den elffachen Kranzgewinner mit kosovarischen und kroatischen Wurzeln auch der 17. März 2025. Fejzaj stand vor seiner Mutter, als diese plötzlich in Tränen ausbrach. «Ich konnte nicht mehr sprechen. In meinem Kopf klang alles normal, aber aus meinem Mund kam nur wirres Zeug.»
Der Glaube als Kraftquelle
Gleichzeitig spürte Fejzaj seinen rechten Arm nicht mehr. «Er war wie abgestorben.» Dass er auch nicht mehr schreiben und lesen konnte, realisierte Fejzaj erst im Spital. Dort erhielt er dann auch die Diagnose Hirnschlag.
Sobald er für einige Zeit allein im Zimmer war, liess Fejzaj seinen Emotionen freien Lauf. «Ich habe geweint, weil ich Angst hatte, mein ganzes Leben lang ein Pflegefall zu sein.» So weit kam es nicht, weil Fejzaj nie aufgab. Er kämpfte sich Stück für Stück zurück.
Neben seiner Familie und seinen Freunden gab ihm auch der Glaube in dieser schwierigen Zeit Halt und Energie. «Es sind Dinge passiert, bei denen ich gemerkt habe, dass es noch jemanden gibt», erklärt der Moslem.
Sensationeller Auftritt beim Comeback
Dank der Unterstützung aus allen Bereichen machte Fejzaj schnell Fortschritte. Mittlerweile ist er wieder ganz der Alte. Nach dem Besuch einiger Schwingfeste durfte er nun endlich selbst kämpfen. «Am Samstagabend wurde ich richtig nervös, weil es so lange her ist, dass ich das letzte Mal an einem Schwingfest teilgenommen habe. Ich fragte mich mehrfach, ob ich alles eingepackt hatte.»
Beim Toggenburger Verbandsfest in Degersheim SG war auf jeden Fall eine riesige Portion Vorfreude mit dabei. Seine Dankbarkeit, gepaart mit einer Prise Unbeschwertheit, begleitete ihn durch den Tag und schien ihn zu beflügeln.
Ein erstes kleines Ausrufezeichen setzte Fejzaj gleich zum Auftakt. Er gewann überraschend gegen den Teilverbandskranzer Pascal Heierli. Es war der erste von insgesamt fünf Siegen. «Es hat richtig viel Spass gemacht – auch dank den Schwingkollegen. Es war so, als wäre ich nicht weggewesen.» Die einzige Niederlage gab es gegen den späteren Sieger Werner Schlegel.
Fernziel Thun 2028
Fejzaj beendete das Fest sensationell auf Rang drei. «Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Leistung. Ein solches Resultat hätte ich mir nie erträumt. Ich danke allen Menschen, die in dieser schwierigen Zeit zu mir gestanden und mich begleitet haben.»
Abschliessend machte Fejzaj noch eine Kampfansage. «Ich bin zurück. Aber das ist erst der Anfang.» Sein grosses Ziel ist das ESAF 2028 in Thun. Zu weit nach vorne blicken will er aber nicht. Seit letztem Jahr weiss Fejzaj jeden einzelnen Moment zu schätzen.