Anpassung sorgte international für heftige Diskussionen
Neue Blutregel gilt in Basel

Bis Ende Jahr galt im Springreiten die Nulltoleranz bei Blut am Pferd und der automatische Ausschluss des Reiters. Doch das Reglement wurde in einer Abstimmung angepasst und gelockert. Auch der Schweizer Verband war dafür. Die Gründe. Die Gefahren.
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Soll neu nicht mehr zwingend zum Ausschluss führen: Ein Pferd blutet während eines Wettkampfs.

Darum gehts

  • Die FEI lockert die Blutregel, gültig seit dem 1. Januar.
  • Blut am Pferd führt jetzt zu tierärztlicher Untersuchung, nicht Disqualifikation.
  • Zweite Verwarnung kostet 1000 Franken und führt zu einmonatiger Sperre.
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Die Welle der Entrüstung ist gross in der Pferdesport-Szene, als im Herbst an der Generalversammlung des Weltverbands Fédération Équestre Internationale (FEI) in Hongkong die Anpassung eines Artikels im Reglement in der Abstimmung deutlich mit 56:20 angenommen wird. Im Artikel mit der Nummer 259 ist die sogenannte «Blood rule» (Blutregel) definiert. Sie ist aufgeweicht worden – und gilt seit dem 1. Januar.

Davor war die Ausgangslage klar: Nulltoleranz bei Blut am Pferd. Und die automatische sofortige Disqualifikation des jeweiligen Reiters in der laufenden Prüfung. Ohne Handlungs- oder Diskussionsspielraum, falls es sich zum Beispiel um einen blutenden Insektenstich oder einen minimalen Kratzer gehandelt hätte. Die internationale Kritik ist deshalb laut und emotional, weil die Blutregel nun für die erste Aussenwahrnehmung im ohnehin schon unter ständiger Beobachtung stehenden Pferdesport gelockert worden ist.

Sorge wegen Grauzonen

Denn nach der verabschiedeten Regelanpassung erfolgt kein sofortiger Ausschluss des Paares mehr. Sondern? Neu löst Blut am Pferd automatisch eine tierärztliche Untersuchung aus, die die Wettkampftauglichkeit des Vierbeiners beurteilen soll. Die Jury kann also in Absprache mit dem zuständigen Veterinär-Beauftragten befinden, dass das Pferd trotzdem den Parcours absolvieren darf. Zur Gefahr kann dabei die unterschiedliche Handhabung werden. Jede Woche sind bei unzähligen Turnieren andere Tierärzte verantwortlich, die entsprechend unterschiedliche Auslegungen und Beurteilungen haben – und selten komplett unabhängig und neutral sind.

Nationen, die dagegen gewesen sind, begründen ihre Nein-Stimme damit, dass nun Grauzonen geschaffen würden. «Wenn wir anfangen, Blut zu relativieren, verlieren wir die Achtung vor dem Lebewesen Pferd und das Vertrauen der Gesellschaft», sagt etwa Martin Richenhagen, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Der Internationale Klub der Springreiter (IJCR), in dessen Komitee auch Steve Guerdat sitzt, hingegen schreibt in einer Mitteilung, dass Sanktionen ausgewogen und verhältnismässig sein müssen. «Misshandlungen von Pferden, Blutungen, unfreiwillige und freiwillige Handlungen sowie Rückfälle müssen in der Regel unterschiedlich sanktioniert werden.»

Deshalb befürwortet der IJRC eine angemessenere Reaktion auf Mikroverletzungen durch die Einführung von Verwarnungen. Neu gilt: Eine Verletzung mit Blut, mit der das Pferd trotzdem für den Wettkampf zugelassen wird, führt zu einer Verwarnung des Reiters. Eine zweite Verwarnung innerhalb eines Jahres hat eine Busse von 1000 Franken und eine einmonatige Sperre des Reiters zur Folge.

Schweizer Verband will Regelharmonisierung

Wird aber während einer Prüfung Blut am Pferd festgestellt, weil es sich zum Beispiel in die Zunge oder Lippe gebissen hat oder es aus der Nase blutet, können die Offiziellen das Abspülen oder Abwischen des Blutes anordnen und dem Duo die Fortsetzung des Wettkampfs gestatten, ohne dass dies eine Verwarnung zur Folge hat. Jedoch führt zum Beispiel eine Misshandlung weiterhin zur direkten Disqualifikation.

Und wie reagiert der Verband Swiss Equestrian, der auch für die Anpassung gestimmt haben soll, auf die ganze Chose? Im Statement etwas schwammig: «Swiss Equestrian ist der Ansicht, dass das Wohlergehen des Pferdes in allen Disziplinen gewährleistet sein muss, und wünscht daher, dass eine allgemeine Regelung zu Blutspuren zwingend ins Generalreglement der FEI aufgenommen wird.» Und fordert eine interdisziplinäre Harmonisierung der Regel. In den sozialen Medien jedoch hat Präsident Damian Müller auf die harsche Kritik reagiert, unter anderem mit den Worten: «Das neue Verfahren schafft erstmals eine verpflichtende tierärztliche Kontrolle vor jeder weiteren Teilnahme. (…) Diese Kontrolle ist wichtig – auch, um Fehlentscheide zu vermeiden.»

CHI Basel. Die wichtigsten Prüfungen: Donnerstag, 8. Januar, 20.30 Uhr: Preis des Grand Hotel Les Trois Rois, Springen nach Fehlern und Zeit, 150 cm. Freitag, 9. Januar, 20.15 Uhr: Grosser Preis, Springen nach Fehlern und Zeit mit Stechen, 160 cm. Samstag, 10. Januar, 20.30 Uhr: Championat der Stadt Basel, Springen nach Fehlern und Zeit mit Stechen, 155 cm. Sonntag, 11. Januar, 14.15 Uhr: Weltcup-Springen, Springen nach Fehlern und Zeit mit einem Stechen, 160 cm (live auf SRF ab 15.30 Uhr).
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