Rückkehr eines Renn-Klassikers
Kommts in Zürich zu einem spektakulären Velo-Comeback?

Die Züri-Metzgete liegt seit 20 Jahren im Dornröschenschlaf. Wie Blick erfahren hat, könnte der legendäre Zürcher Velo-Klassiker aber zurückkehren – schon 2030?
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Mathias GermannReporter Sport

Spektakel, Schweiss, Jubel und Tränen. Die Züri-Metzgete bot alles. Ein Velorennen für die Besten – ohne Zufallssieger.

«Die Züri was …?», werden jüngere Sportfans fragen. Kein Wunder. Vor zwei Jahrzehnten fiel der Vorhang für den Zürcher Velo-Klassiker. Keine Sponsoren, kein Geld, das Aus. Für immer, dachten viele.

Nach der Rad-WM 2024 in Zürich schien ein Comeback erst recht undenkbar. Monatelang beherrschten Ärger über Strassensperren und geschlossene Läden die Schlagzeilen. Am Ende stand ein Defizit von 4,5 Millionen Franken.

Zürich, eine Velostadt? Für Profis? Nein, zumindest bisher. Das war für viele klar. Jetzt aber keimt eine Idee, die lange undenkbar schien: Die «Metzgete» soll zurückkommen. Wie Blick erfahren hat, soll die Züri-Metzgete aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und in den Radkalender zurückkehren. Vielleicht schon 2030. 

Radprofi Lienhard: «Fände es wunderbar»

«Moderner, näher an der Bevölkerung, für alle», sagt Adi Merkt. Eigentlich habe man das Projekt noch nicht im grossen Stil kommunizieren wollen. «Aber wenn du schon danach fragst, lüge ich sicher nicht. Und vielleicht ist es gut, dass man davon erfährt.»

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Kehrt die Züri-Metzgete zurück in den Rad-Kalender? Das Projekt steht. 2030 soll es so weit sein.
Foto: Keystone

Merkt ist einer, der aus Ideen Veranstaltungen macht. Mit dem VIVI Zuricrit hat er gezeigt, was in Zürich möglich ist. Mit Kollegen hat er das Velokriterium im Zürcher Kreis 4 in neue Sphären geführt. Vor einer Woche kamen Hunderte Hobby- und Dutzende Profifahrer, sogar Tour-de-France-Siegerin Demi Vollering (29) machte mit. 15'000 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten für eine elektrisierende Stimmung. «So soll es auch bei der Züri-Metzgete sein», sagt Merkt.

Einer würde sich über die Rückkehr besonders freuen: Fabian Lienhard (32). Der Profi von Tudor Pro Cycling gewann 2014 die letzte Ausgabe. Damals wurde das Rennen letztmals als U23-Wettkampf ausgetragen. «Ich fände es wunderbar, wenn dieser Klassiker zurückkehren würde», sagt Lienhard. Auch die anderen Schweizer Rad-Asse wären bei einem Comeback gerne dabei.

Doch wie realistisch ist das?

Legendäre Anstiege und vielleicht die Rennbahn Oerlikon

Merkt hat seine Vision bereits der Stadt Zürich präsentiert. Zu Beginn sollen Start und Ziel auf dem Hönggerberg liegen, später soll die offene Rennbahn in Oerlikon miteinbezogen werden. Dazwischen führt ein 30 Kilometer langer Rundkurs über Affoltern, Buchs und Regensdorf zurück nach Höngg. Mit dabei: zwei legendäre Anstiege, der Regensberger und der Siglistorfer. «Wir streifen Zürich, gehen nicht mittenrein. Trotzdem ist der Ort gut erreichbar. Hier soll ein Volksfest entstehen.»

Bei der Stadt sei man auf offene Ohren gestossen. Auch der Kanton hält das Projekt offenbar für machbar. Der grosse Unterschied zur WM: Die Metzgete würde nur an einem Sonntag stattfinden und nicht an neun Tagen. «Ich bin überzeugt, dass auch der Grossteil der Bevölkerung das akzeptieren würde. Und sogar grosse Freude daran hätte.»

Dafür will Merkt den Anlass neu denken. In Zukunft sollen sich Hobbysportler/-innen am Vormittag messen können, am Nachmittag die Profis. Frauen und Männer fahren gleichzeitig auf derselben Strecke. Merkt träumt sogar von einer TV-Konferenz nach dem Vorbild der Bundesliga: Hier greift Noemi Rüegg (25) an, dort fährt Mauro Schmid (26) in der Spitzengruppe. Die Zuschauenden wechseln ständig zwischen den Schauplätzen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. «Wir sind noch einige Galaxien davon entfernt», sagt Merkt selbst.

Die UCI müsste zuerst Platz freiräumen

Doch für die Züri-Metzgete reicht Schweizer Rückenwind nicht. Auch der Radweltverband UCI muss einen Platz im internationalen Kalender freigeben. Und den verschenkt niemand freiwillig. Jeder Veranstalter kämpft um seinen Platz.

Merkt und sein Team gehen deshalb Schritt für Schritt vor. 2027 organisieren sie die Schweizer Meisterschaften. Als Test. Auf derselben Strecke und mit einem kleinen Budget. 2028 könnte ein weiterer Test folgen. «Da werden wir viel lernen, was wir in die Planung der Züri-Metzgete einbringen wollen.»

Ob sich am Ende das nötige Millionenbudget auftreiben lässt, steht in den Sternen. Und ob die Züri-Metzgete tatsächlich 2030 zurückkehrt, ist ebenfalls offen. Vielleicht wird es 2031. Vielleicht 2032. 

Lienhard wird das Comeback jedenfalls nicht mehr als Profi erleben – er wäre zu alt. Aber vielleicht steht er dann am Strassenrand? Oder sitzt selbst wieder auf dem Velo?

Als Zuschauer. Oder als Hobbyfahrer. Hauptsache, die Metzgete ist wieder da.

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