Darum gehts
- Federica Brignone gewinnt Super-G-Gold bei den Olympischen Spielen in Cortina
- Nach Beinbruch und Kreuzbandriss kehrt sie triumphal zurück
- Nach 315 Tagen Verletzungspause erstmals wieder auf dem Podest
Was Lindsey Vonn (41, USA) in Cortina (It) nicht schaffte, gelingt Federica Brignone. Die 35-jährige Italienerin holt Gold im Super-G und schreibt ein besonderes Märchen. Daheim, bei ihren wohl letzten Olympischen Spielen, wird sie erstmals Olympiasiegerin. «Das hätte ich nie gedacht. Vielleicht gelang es deshalb. Ich war Aussenseiterin», so der Ski-Tiger.
Dass Brignone bei sich und den Buchmachern nicht als Favoritin galt, kommt nicht von ungefähr. Vor zehn Monaten zerfiel ihr linkes Bein in seine Einzelstücke. Bei einem Sturz an den italienischen Meisterschaften fädelt sie ein. Die Diagnose? Eine verschobene Mehrfachfraktur des Schienbeinkopfes und des Wadenbeinkopfes. Dazu ein Kreuzbandriss.
Für viele war dies gleichbedeutend mit dem Ende ihrer Karriere. Bitter, schliesslich war sie kurz zuvor Weltmeisterin im Riesenslalom und Gesamtweltcupsiegerin geworden.
«Ich wusste nicht, ob ich überhaupt wieder richtig laufen kann. Ich konnte keinen Druck auf das Bein geben», erzählt Brignone. Sie habe sich gefragt: «Wie soll ich eines Tages wieder mit mehr als 100 km/h eine Skipiste runterfahren?»
Bruder Davide war grosser Halt
Die begnadete Technikerin ging Schritt für Schritt – sprichwörtlich. Am 26. November stand sie erstmals wieder auf den Ski. Zwei Monate später gab sie ihr Comeback – Platz 6 am Kronplatz (It). Und nun, nach 315 Tagen voller Leiden und Zweifel, steht Brignone zuoberst auf dem Podest.
Tränen fliessen. Nicht nur bei Brignone, sondern auch bei Bruder und Trainer Davide. «In den letzten Monaten war Fede viel mehr meine Schwester als meine Athletin. Ich wusste genau, was sie fühlte», erzählt er.
«Ich werde nach den Winterspielen feiern»
Und wie wird gefeiert? Eine Medaillenzeremonie am Abend, in der Fussgängerzone von Cortina (It), gibt es nicht. Ganz im Gegensatz zum Weltcup. Das IOC-Protokoll sieht es nicht vor.
Brignone: «Meine Beine brauchen sowieso viel Behandlung. Und dann habe ich ja noch den Riesenslalom. Ich werde nach den Winterspielen feiern, nicht jetzt.» Ihre Konkurrentinnen werden diese Sätze nicht gerne lesen. Brignone ist zurück – und wie!