«Konnte kaum noch stehen»
Jan Scherrer erklärt bitteres Halfpipe-Forfait

Jan Scherrer kämpfte sich nach Verletzungen zurück und schaffte die Olympia-Quali. Dort folgte aber der nächste Rückschlag. Er stürzte und musste unter Tränen für den Halfpipe-Wettkampf Forfait geben. Am Tag danach blickt er zurück auf den bitteren Tag in Livigno.
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Jan Scherrer musste nach einem Trainingssturz auf einen Olympia-Start verzichten.
Foto: AP

Darum gehts

  • Jan Scherrer stürzt beim Training, gibt Olympia-Halfpipe-Wettkampf auf
  • Arzt rät zum Rückzug wegen Gleichgewichtsproblemen nach Kopfverletzung
  • Scherrer plant Weltcup-Teilnahme in Japan am 7. und 8. März
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Carlo SteinerRedaktor Sport

So hatte sich Jan Scherrer (31) Olympia nicht vorgestellt. Im Training vor dem Halfpipe-Wettkampf stürzte der Snowboarder auf den Hinterkopf. Der Toggenburger musste am Mittwoch Forfait geben, konnte seine Bronzemedaille von Peking 2022 nicht verteidigen. Es flossen Tränen. Am Tag nach dem Drama erklärte Scherrer sein Olympia-Aus in einer Sprachnachricht, die via Swiss Olympic verbreitet wurde. 

Die Entscheidung, nicht anzutreten, fällte Scherrer erst kurz vor dem Start der Quali. «Zuerst habe ich probiert, es aktiv zu ignorieren, wie man das immer tut. Wenn man im Training stürzt, will man es direkt noch mal machen, dass man es wieder vergessen kann.» 

Das tat Scherrer dann auch, fuhr einen einfachen Lauf ohne grosse Tricks. «Das sah von aussen glaub gut aus, aber innerlich war ich völlig verwirrt und hatte Probleme mit dem Gleichgewicht.» Er wandte sich an Verbandsarzt Stefan Fröhlich, dem er sehr vertraut. «Vor ein paar Jahren bin ich in Laax schon einmal auf den Kopf gestürzt. Damals hatte ich das Gefühl, es sei sehr heftig. Stefan machte damals die Tests mit mir und sagte, ich könne Vollgas geben. Das gab mir damals Vertrauen und ich wusste, dass er mir auch diesmal keinen Seich sagt.» 

Arzt riet ihm zum Rückzug

Diesmal fielen die Tests schlechter aus, Fröhlich riet ihm, nicht anzutreten – zur Überraschung Scherrers. Dieser rechnete damit, dass ihm Fröhlich auch diesmal das Go geben würde. Trotzdem fuhr Scherrer noch mal mit dem Lift nach oben, entschied sich dann aber gegen einen Start. «Ich habe gemerkt, dass ich nicht bei 100 Prozent bin und für eine Final-Quali hätte ich 100 Prozent gebraucht.» 

Er wollte seinen Rückzug, so gut es geht, verstecken, um seine Teamkollegen nicht zu beeinflussen. «Ich rutschte am Rand der Halfpipe runter. Da hat es mich mental völlig genommen. Unten angekommen, konnte ich kaum noch stehen. Es war richtig heavy.» 

Am Tag danach wirkt Scherrer schon wieder erstaunlich gefasst. «Ich habe mich sehr aufgefangen gefühlt vom Staff und dem Team.» Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut. «Ich bin natürlich enttäuscht, habe noch etwas Mühe, schnell zu denken. Aber ich habe keinen Erinnerungsverlust.» 

«Ich habe gelernt, dass Scheisse im Leben passiert»

Der Familienvater ist sich Rückschläge gewohnt. Im Januar 2024 brach er sich das linke Fersenbein, im Oktober folgte eine komplizierte Fraktur des Rippenknorpels. «Was ich in den letzten Jahren für Scheiss erlebt habe, hilft mir jetzt bei der Verarbeitung. Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass Scheisse im Leben passiert, man es akzeptieren und weitermachen muss.» 

Weiter geht es für Scherrer nun mit ein paar Tagen zu Hause bei seiner Tochter (3). Dann steht im japanischen Ban-K der nächste Weltcup auf dem Programm (7. und 8. März). «Ich freue mich riesig darauf. Ich freue mich, dass man nach Olympia nicht mehr an die Ranglistenpunkte denken muss, sondern einfach all-in gehen kann.» 

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