Darum gehts
Wir haben an diesen Spielen in Livigno eine Zäsur im Schweizer Sport erlebt: Mit Mathilde Gremauds (26) vierter Medaille im Slopestyle steigt erstmals eine Nicht-Ski-alpin-Fahrerin in den Kreis der grössten Schweizer Wintersportlerinnen auf. Doch Fakt ist: In der Öffentlichkeit bleibt Freestyle unterrepräsentiert. Gremaud selbst sagt: «Bei Odermatt ist ein Weltcupsieg medial fast grösser als für mich eine Olympiamedaille.»
Was sie aber auch betont: «Ich kann sehr gut vom Sport leben.» Finanziell ist der Freestyle-Sport längst der Randsportartenschiene entwachsen und zu Big Business geworden. Andri Ragettli (26) brachte es vor einem Jahr vor der Heim-WM im Gespräch mit Blick auf den Punkt: «Ja, ich bin Millionär.»
Topverdienerin im Schweizer Sport
Gremaud hat vier Olympiamedaillen mehr als Internet-Phänomen Ragettli – steht sie finanziell auf der gleichen Stufe wie Ragettli? Die Blick-Recherche zeigt: Gremaud gehört zumindest zu den Topverdienerinnen des Schweizer Sports.
Ihre Sponsorendeals bringen ihr gemäss Schätzungen von Brancheninsidern, mit denen Blick gesprochen hat, zwischen 200'000 und 500'000 Franken pro Jahr ein – hauptsächlich durch Red Bull, dazu kommen weitere Ausrüster wie Oakley, Omega, Raiffeisen, Social-Media-Kooperationen und medienwirksame Auftritte. Gemäss der offiziellen FIS-Seite hat Gremaud in der letzten Saison 36'250 Franken an Preisgeldern verdient, bisher diesen Winter 8644.50 Franken – für den Freestyle-Markt weiterhin ein Spitzenwert, auch wenn es deutlich unter den Summen alpiner Topstars liegt.
Gremaud und ihr Management möchten sich zu ihrem Einkommen nicht öffentlich äussern. In Gesprächen mit Blick betont die Athletin jedoch, dass sie «gut vom Sport leben» könne. Sie vergleicht die Situation auch mit Andri Ragettli. «Von dem kann man so leben», sagt sie, macht aber klar, dass der Unterschied zwischen Männern und Frauen im Freestyle nach wie vor besteht. Gleichzeitig zeigt sie Stolz auf das Erreichte: «Ich kann stolz sein, dass ich gut verdiene.»
- Marco Odermatt – Ski Alpine – 657'183 CHF
- Camille Rast – Ski Alpine – 307'530 CHF
- Franjo von Allmen – Ski Alpine – 242'838 CHF
- Loic Meillard – Ski Alpine – 240'501 CHF
- Wendy Holdener – Ski Alpine – 78'251 CHF
- Malorie Blanc – Ski Alpine – 70'483 CHF
- Alexis Monney – Ski Alpine – 52'177 CHF
- Stefan Rogentin – Ski Alpine – 44'874 CHF
- Marco Koehler – Ski Alpine – 13'131 CHF
- Thomas Tumler – Ski Alpine – 13'124 CHF
- Melanie Meillard – Ski Alpine – 10'302 CHF
- Mathilde Gremaud – Freestyle – 8'645 CHF
- Tanno Giulia – Freestyle – 4'159 CHF
- Anuk Braendli – Ski Alpine – 4'307 CHF
- Delia Durrer – Ski Alpine – 4'656 CHF
- Corinne Suter – Ski Alpine – 5'528 CHF
- Deschwanden Gregor – Ski Jumping – 24'600 CHF
- Ammann Simon – Ski Jumping – 5'100 CHF
- Koblet Kalle – Snowboard Cross – 1'484 CHF
- Gubser Kim – Freestyle – 1'125 CHF
- Peier Killian – Ski Jumping – 1'200 CHF
- Andraska Anouk – Freestyle – 844 CHF
- Ragettli Andri – Freestyle – 788 CHF
- Höfflin Sarah – Freestyle – 794 CHF
- Marco Odermatt – Ski Alpine – 657'183 CHF
- Camille Rast – Ski Alpine – 307'530 CHF
- Franjo von Allmen – Ski Alpine – 242'838 CHF
- Loic Meillard – Ski Alpine – 240'501 CHF
- Wendy Holdener – Ski Alpine – 78'251 CHF
- Malorie Blanc – Ski Alpine – 70'483 CHF
- Alexis Monney – Ski Alpine – 52'177 CHF
- Stefan Rogentin – Ski Alpine – 44'874 CHF
- Marco Koehler – Ski Alpine – 13'131 CHF
- Thomas Tumler – Ski Alpine – 13'124 CHF
- Melanie Meillard – Ski Alpine – 10'302 CHF
- Mathilde Gremaud – Freestyle – 8'645 CHF
- Tanno Giulia – Freestyle – 4'159 CHF
- Anuk Braendli – Ski Alpine – 4'307 CHF
- Delia Durrer – Ski Alpine – 4'656 CHF
- Corinne Suter – Ski Alpine – 5'528 CHF
- Deschwanden Gregor – Ski Jumping – 24'600 CHF
- Ammann Simon – Ski Jumping – 5'100 CHF
- Koblet Kalle – Snowboard Cross – 1'484 CHF
- Gubser Kim – Freestyle – 1'125 CHF
- Peier Killian – Ski Jumping – 1'200 CHF
- Andraska Anouk – Freestyle – 844 CHF
- Ragettli Andri – Freestyle – 788 CHF
- Höfflin Sarah – Freestyle – 794 CHF
Mit solchen Zahlen hebt sich Gremaud finanziell auch locker von weniger erfolgreichen Ski-alpin-Athletinnen wie Mélanie Meillard (27) oder Delia Durrer (23) ab, die auf der zumindest in der Schweiz grösseren Bühne auftreten, aber nicht denselben Marktwert haben. Nur die erfolgreichsten Alpinsportlerinnen dürften Gremaud übertreffen: Lara Gut-Behrami (34) zum Beispiel soll laut Blick-Informationen für ihr Ragusa-Kopfsponsoring jahrelang rund 700'000 Franken erhalten haben; 2024/25 soll sogar 1 Million Franken als Verhandlungsbasis im Raum gestanden haben.
Red Bull verleiht auch der Karriere Flügel
Red Bull spielt für Gremaud eine zentrale Rolle. Das Paket umfasst nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Zugang zu Trainingszentren wie dem Performance Center in Salzburg (APC), zu medizinischer Betreuung, spezialisiertem Coaching, Helikoptertransporten, Projektfinanzierung und umfangreichen Vermarktungsplattformen. Experten schätzen, dass allein dieser Vertrag zwischen 200'000 und 400'000 Franken pro Jahr liegt.
Damit kann Gremaud professionell leben, ihre Trainingsbedingungen optimieren und gleichzeitig ihre Social-Media-Präsenz ausbauen. Gerade in einer Sportart, die im TV und den klassischen Medien oft unterrepräsentiert ist, wird diese Kombination entscheidend: Leistung plus Marke plus Content.
Internationale Vergleiche
Ein Blick über die Grenzen zeigt die Dimensionen: Chinesin Eileen Gu (22) verdient über 18 Millionen Franken jährlich, fast ausschliesslich durch Sponsoring. Schweizer Freestylerinnen wie Gremaud bewegen sich auf kleinerem Niveau, aber die Grundstruktur ist vergleichbar: Wer sportliche Erfolge, Persönlichkeit und Medienpräsenz geschickt kombiniert, erreicht finanzielle Stabilität.
Olympia-Erfolg und Marktwert
Nach den traumhaften Spielen von Alpin-Star Franjo von Allmen schätzte Italiens Speed-Oldie Christof Innerhofer, der sich selber managt, gegenüber Blick den Marktwert des Berners ein. Von Allmens Kopfsponsor Red Bull zahlt zwischen 400'000 und 500'000 Franken, dazu kommen Weltcup-Prämien, Ausrüster-Podestprämien und Fixum – ein Olympia-Gold kann hier mit rund 500'000 Franken bewertet werden.
Experten betonen: Auch im Freestyle sind die Strukturen ähnlich. Sponsorenverträge, Social-Media-Marketing, mediale Positionierung und persönliche Marke sind entscheidend, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Gremaud zeigt, wie das funktioniert: Olympiamedaillen sichern Anerkennung, Sponsoren und Partner bringen den finanziellen Erfolg, und digitale Kanäle erhöhen Reichweite und Marktwert.
Was Athleten an den Verband abgeben müssen
Gleichzeitig bestätigt der Verband: Athletinnen und Athleten leisten im Gegenzug für ihre individuellen Vermarktungsrechte (Kopfsponsor) einen Fixbetrag an den Verband, abhängig von ihrer Kaderstufe – nicht vom Geldbetrag des Sponsors. Topathleten wie Marco Odermatt oder Franjo von Allmen zahlen also denselben Betrag, egal wie hoch ihre Verträge sind. Das Geld fliesst in den Verband und sichert Trainingsbetrieb, Infrastruktur und Nachwuchsförderung.
Dieses System variiert je nach Sportart. Im Alpin-Ski, Freestyle oder anderen Disziplinen haben Athletinnen und Athleten unterschiedliche Vermarktungsmöglichkeiten. Wer medial stärker sichtbar ist oder mehr Sponsoren anzieht, kann insgesamt höhere Einnahmen erzielen. In Ländern wie Norwegen ist die Hauptsponsorenfläche des Verbands für alle Athleten einheitlich vergeben, die individuelle Vermarktung ist dort stark eingeschränkt. Solche Sorgen hat Mathilde Gremaud nicht, obwohl ihre zweite Medaillenchance in Livigno wegen des Trainingssturzes platzte.
