Die besten Olympia-Anekdoten der Blick-Reporter
Plötzlich packt der König Blick-Reporter am Kragen

Blick berichtete während der Winterspiele umfangreich über die grossen Schweizer Erfolge. Nun erzählen die Reporterinnen und Reporter, was sie hinter den Kulissen alles erlebt haben.
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Die Olympischen Spiele in Italien: Blick berichtete an allen Wettkampftagen direkt vor Ort, auch hier von der Pressekonferenz mit Italiens zweifacher Gold-Heldin Federica Brignone.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Blick war während Olympia in Mailand, Bormio, Cortina und Livigno vor Ort
  • Die Reporterinnen und Reporter erzählen ihre denkwürdigste Anekdote
  • «Ich dachte, in der Curling-Halle finde ich meine Ruhe – falsch gedacht»
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Dudelsack und Tröte

Curling war nie mein Steckenpferd. In Cortina konzentrierte ich mich auf Lindsey Vonn, Federica Brignone, Camille Rast und die anderen Schweizerinnen. Schreiben, schreiben, schreiben – zwischendurch ein Video-Talk. Wunderbar. Gearbeitet habe ich meist im Curling-Stadion statt im Medienzentrum. Auf der Pressetribüne, dachte ich, finde ich Ruhe. Ein Irrtum – zum Glück. Stundenlang verfolgte ich gelbe und rote Steine, hörte den Spielern zu und versuchte, ihre Taktik zu begreifen. Das gelang nur teilweise. Trotzdem verliebte ich mich ein wenig in diesen Sport.

Dicke alte Männer? Von wegen. Der Schweizer Sven Michel könnte auch als Hockeyspieler durchgehen. Langweilig? Nie. «This is crazy shit», rief Pablo Lachat-Couchepin seinem Trainer zu. Er hatte recht. Neben mir nickte ein chinesischer Journalist regelmässig ein. Ich verstand es nicht. Die Halle bebte: Italienische Fans tröteten, «Super Deutschland» hallte übers Eis, ein Schotte spielte Dudelsack. Auf der Videotafel stand: «Quiet please!» Niemand hielt sich daran. Gut so.

Mathias Germann, Reporter in Cortina 

Mal kommt der Bus, mal nicht

Für eine Reportage über einen französischen Volunteer fuhr ich von Cortina nach Predazzo. Zu meiner Überraschung stand der Shuttlebus um Punkt 7.08 Uhr da. Pünktlich ging es über gefühlt sieben Pässe. Das Fotoshooting machten wir nahe den Sprungschanzen. Danach war ich zuversichtlich für die Rückfahrt. Am Morgen hatte ja alles nach Fahrplan geklappt. Um 14.15 Uhr stand ich an der Haltestelle beim Ski Jumping Center. In der Transport-App des Veranstalters las ich: 14.46 Uhr Bus zur Autobusstation Predazzo, 15.00 Uhr weiter nach Cortina. Der Cortina-Bus fährt zur vollen Stunde.

Nur: Der Zubringer kam nicht. Kein Bus nach Predazzo. Keiner nach Moena, dem ersten Halt des Cortina-Busses. Wenn ich nicht fast zwei Stunden warten wollte, blieb nur eins: den Bus unten an der Strasse abfangen und kapern. Also stellte ich mich an den Strassenrand. Um 15.10 Uhr tauchte ein Minibus mit der kryptischen Nummer TC-CO-VF auf. Ich winkte, wedelte mit der Akkreditierung. Der Fahrer fuhr vorbei.

Also doch der Bus um 16.00 Uhr. Weil weiterhin kein Zubringer erschien – trotz Fahrplan –, bestellte ich ein Uber. An der Autobusstation stand der Bus nach Cortina schon bereit. Er fuhr um 15.55 Uhr los. Zu früh. Wer um Punkt 16.00 Uhr kam, sah höchstens noch die Rücklichter. Unterwegs verfuhr sich der Fahrer zweimal. Kurz vor 19.00 Uhr setzte er mich in Cortina ab. 

Sven Thomann, Fotograf in Cortina/Val di Fiemme 

Abfahrtslegende ist vor Ort und sieht nichts vom Rennen

Dass das IOC seine Legenden unwürdig behandelt, wird mir gleich an meinem ersten Olympia-Arbeitstag bewusst. Der Reihe nach. Ich telefoniere mit dem Österreicher Fritz Strobl, der 2002 Olympiasieger in der Abfahrt wurde. Der mittlerweile 53-Jährige stellt mir folgende Frage: «Weisst du, wie ich an ein Ticket für die Olympia-Abfahrt komme?» Meine Gegenfrage: «Bist du als Olympiasieger nicht automatisch eingeladen?» «Nein. Gestern wurde mir im Internet ein Ticket für 3'800 Euro angeboten. Aber das ist mir dann doch zu teuer.» 

Kurz nach dem Gespräch mit dem Streckenrekordhalter auf der Kitzbühler-Streif ruft mich der Zürcher Abfahrts-Held Peter Müller (68, Weltmeister 1987, 24 Weltcupsiege) an. Obwohl «Pitsch» 1984 und 1988 Olympia-Silber erkämpfte, hat auch er kein Billett vom IOC erhalten. Letztendlich kann sich Müller zwar ein Stehplatz-Ticket am Streckenrand ergattern. Weil von hier aus die Sicht auf die Videowall jedoch arg eingeschränkt ist, muss sich der grosse Abfahrts-Altmeister die Goldfahrt von Franjo von Allmen auf dem kleinen Bildschirm seines Handys reinziehen.

Marcel W. Perren, Reporter in Bormio 

Die NHL-Meute jagte ihn aus der Halle

Aus Hockey-Sicht war es das beste Olympia-Turnier der Geschichte – weil die besten Spieler der besten Liga wieder dabei gewesen sind. Dass Kanada und die USA Olympia-Gold untereinander ausgemacht haben, wird die NHL-Vertreter in ihrer überzeugten Selbstwahrnehmung bestärkt haben. Die Auswirkungen der NHL-Beteiligung gingen aber weit über die gestiegene Attraktivität der Duelle auf dem Eis hinaus.

– Fürs erste Training der Kanadier mussten wir Schlange stehen, in Gruppen eingeteilt, und hineingeleitet werden.

– Die rund 60 mitgereisten wichtigen NHL-Journalisten beanspruchten die vordersten Interview-Plätze selbstverständlich für sich – bei allen Teams mit namhaften NHL-Akteuren wohlbemerkt. Zusammengezuckt bin ich im erwähnten Kanada-Training, weil sich ein unwichtiger Schreiberling hinter mir die Tabu-Frage erlaubte: Er wollte ein Autogramm von Superstar Crosby. Die NHL-Meute jagte ihn aus der Halle.

– Apropos Halle: Die NHL hat allen Olympia-Teams mit NHL-Spielern einen Sicherheitsbeauftragten zur Seite gestellt. Jener der Schweizer war ein hochdekorierter Ex-FBI-Mann.

– Und apropos Wichtigkeit: Für NHL-Boss Gary Bettman und Spielergewerkschafts-Vertreter Marty Walsh berief IIHF-Präsident Luc Tardif extra eine grosse Medienkonferenz ein. Ihre Schweizer Pendants Denis Vaucher und Jonas Hiller kamen irgendwie nicht zu diesen Ehren.

Nicole Vandenbrouck, Reporterin in Mailand 

Der Medaillenfluch von Cortina

Wir Journalisten in Cortina blickten vor allem am Anfang der Spiele teilweise etwas neidisch nach Bormio. Dort wurde eine Schweizer Medaille nach der anderen gefeiert. In Cortina war das House of Switzerland zwar gut besucht, aber Medaillen gab es eigentlich keine zu feiern. Gregor Deschwanden war der Erste, der in Cortina seine Medaille feierte, auch wenn er seinen Wettkampf drei Stunden und gefühlt fünf Täler weiter gewonnen hatte.

Dasselbe «Problem» hatte die Medaillen-Feier von Nadine Fähndrich. Die Feierstimmung ist ein oder zwei Tage nach dem Gewinn der Medaille einfach nicht mehr ganz so euphorisch. Aber dann kam der letzte Wettkampftag.

Dass die Curlerinnen eine Medaille gewinnen würden, IN CORTINA, war klar. Und eigentlich rechnete kaum jemand damit, dass es noch eine weitere Medaille zu feiern geben würde an diesem Sonntag.

Trotzdem sassen wir Schweizer Journalistinnen und Journalisten auf der Pressetribüne in der Curlinghalle und blickten gebannt auf den SRF-Livestream: Zuerst jubelten wir (natürlich leise und kaum bemerkbar), als Nadja Kälin als Dritte die Ziellinie überquerte. Beim vierten Lauf des Vierer-Bob-Wettkampfes war es dann aber richtig schwierig, nicht wirklich laut vor Freude zu schreien. Michael Vogt und sein Team holten sensationell Bronze, IN CORTINA!

Der Medaillenfluch unseres Dorfes war endgültig gebrochen. Und auch wenn das bedeutete, dass die Medaillenfeier der Curlerinnen nach hinten verschoben wurde, so dass sie gemeinsam mit den Bobfahrern feiern konnten, so hat es sich für mich gelohnt, als eine der letzten Journalistinnen abzureisen. Denn die Medaillenfeier am Sonntag war definitiv die schönste, lauteste und euphorischste – jedenfalls in Cortina.

Isabelle Pfister, Reporterin in Cortina 

Schwingen goes USA

An Olympischen Spielen spricht man mit Menschen aus der ganzen Welt. Eine Begegnung bleibt mir besonders hängen. Im Bus nach Livigno kam ich mit einer Journalistin der «New York Times» ins Gespräch. Sie fragte auf Englisch, worüber ich normalerweise schreibe. «Schwingen», sagte ich. Während den Erklärungsversuchen rutschte mir das Wort «Gabentempel» heraus. Krampfhaft suchte ich nach einer brauchbaren englischen Übersetzung. Sie versuchte mir zu helfen: «Ist es etwas Religiöses?»

Ich verneinte. Mir fehlten schlicht die passenden Vokabeln, um Siegermuni, Zwilchhosen und Sägemehl sauber zu erklären. Richtig kompliziert wurde es, als ich stolz erzählte, dass heute der König anreise und ich ihn für eine Story treffen werde. «Und ich dachte immer, die Schweiz sei eine Demokratie», meinte sie lachend und glaubte wohl, dass ich noch Restalkohol im Blut hatte.

Bevor es noch peinlicher wurde, zückte ich mein Handy und zeigte ihr ein Video vom ESAF. «Ah, jetzt verstehe ich», sagte sie begeistert. Sie plane ohnehin einen Artikel über exotische Sportarten weltweit. Schwingen passe perfekt. Es würde mich also nicht überraschen, wenn König Orlik bald mit Bild in der «New York Times» auftaucht.

Nicola Abt, Reporter in Val di Fiemme/Bormio/Livigno 

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