Darum gehts
- Noé Roth aus Baar ZG gewinnt olympisches Silber in Aerials
- Nur 1,02 Punkte fehlen ihm auf Gold, historische Schweizer Medaille
- 16. Edelmetall für Schweiz, Rekord bei Winterspielen
Er war schon fast ausgeschieden, aber dann dreht er doch noch sensationell auf: Noé Roth (25) erlebt am grossen olympischen Aerials-Tag ein Wechselbad der Gefühle. Einen Emotionen-Salto quasi. Einer, der ihm am Ende die Silbermedaille beschert, ihn aber auch enorm zittern liess. Den Finaleinzug schaffte er am Vormittag als Zwölfter auf den allerletzten Drücker. Fast wäre der Weltmeister von 2025 schon weg vom Fenster gewesen.
Doch dann zeigt er im Final einen souveränen «Back-Double-Full-Double-Full-Full» – also zwei Rückwärtssalti mit je zwei Schrauben, gefolgt von einem Salto mit einer Schraube – und holt sich damit beinahe noch Gold. Bloss 1,02 Pünktchen fehlen dem Skiakrobaten aus Baar ZG auf den chinesischen Olympiasieger Wang Xindi (30). Es ist aus Schweizer Sicht ein doppelt historischer Erfolg: Einerseits, weil es die erste Aerials-Medaille seit dem Gold-Coup von Evelyne Leu (49) 2006 in Turin ist. Andererseits, weil er damit das 16. Edelmetall für die Schweiz an diesen Winterspielen ergattert. Rekord!
Roth wuchs quasi in der Luft auf
Sein Vater, Michel Roth, stösst am Pistenrand einen Urschrei aus, als er seinen Sohnemann den Trick im Superfinal stehen sieht. Der Papa ist gleichzeitig auch der Schweizer Nationaltrainer und früherer Europameister, der wiederum auch schon der Coach von Noés Mutter Colette Roth-Brand (58) war. Diese blickt ebenfalls auf eine sehr erfolgreiche Aerials-Vergangenheit zurück und fieberte ordentlich mit, wie sie im SRF-Interview gesteht. «Ich bin erschöpft, aber überglücklich», meint die Olympia-Bronze-Heldin von Nagano 1998.
Colettes grösser Erfolg war zwei Jahre bevor Noé auf die Welt kam. Und irgendwie schien es logisch, dass aus dem Sohn zweier Akrobaten einst auch ein geschickter Flieger würde. Denn Noé wuchs mit den Skiern an den Füssen auf. Mit drei fuhr er erstmals eine Piste herunter, mit sechs stand er seinen ersten Salto, mit 13 den ersten doppelten Salto, mit 17 betrat er in Pyeongchang erstmals die olympische Bühne (16. Platz). Zusammen mit Kumpel und Teamkollege Pirmin Werner (26), der im Superfinal unglücklich landet und letztlich Fünfter wird, etablierte er sich in den letzten Jahren in der Welt-Elite.
Wie viele in der Szene hat auch Noé Roth eine Turner-Vergangenheit. Er ist gelernter Kaufmann und privat, so heisst es, eher der zurückhaltende, schüchterne Typ. Stellt man ihn aber vor eine Schanze, lässt er komplett los. Wie einst seine Eltern, fühlt er sich dann am lebendigsten.