Unsere Aerials-Glücksbringerin
Zürcherin baut die Olympia-Schanzen in Livigno

Manuela Müller war früher selbst Olympionikin. Nun ist sie unsere Glücksbringerin bei den Aerials. Bisher baute die Zürcherin nur Schweizer Gold-Schanzen.
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Nicola AbtReporter Sport

Manuela Müller (45) schaut ganz genau hin. «Continuate, continuate. Bello, bello!», ruft sie dem Rutschkommando zu. Man merkt sofort, wer die Chefin am Berg in Livigno ist. Müller trägt an diesen Olympischen Spielen die Verantwortung für die Aerials-Kicker.

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Die Rutscher finalisieren den Anlauf für die Aerials-Wettkämpfe. Manuela Müller schaut ihnen dabei ganz genau zu.
Foto: Pascal Mora

Damit ihre Anweisungen auch alle verstehen, hat die Zürcherin im Vorfeld extra ihr Italienisch verbessert. Und um sicherzustellen, dass alles ihren Vorstellungen entspricht, steigt sie selbst auf die Kicker, prüft Kanten und Übergänge. Hauptberuflich bildet sie im Leistungszentrum in Magglingen BE Trainer aus. 

Langer Aufenthalt in Italien

Nun führt sie ein Team von rund zehn Leuten. Zwei von ihnen kennt sie noch aus ihren aktiven Zeiten als Aerials-Athletin. Andere waren bereits beim Testevent vor einem Jahr mit dabei. «Wir sind eingespielt, das hilft», so Müller. Seit dem 24. Januar arbeitet sie am Berg. 

Diese Schweizerin baut Olympia-Schanzen in Livigno
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Die Frau hinter den Sprüngen:Diese Schweizerin baut Olympia-Schanzen in Livigno

Während des Baus musste Müller immer wieder neue Probleme lösen. So zwang sie beispielsweise eine TV-Kamera auf dem Tribünendach zu Anpassungen. Diese zeigte nicht frontal auf die Kicker. Für grössere Umbauten fehlte die Bewilligung.

Deshalb wurde die Schanze leicht gedreht. Dadurch stand das Starthaus nicht mehr in der Mitte. Die Fangnetze wurden so aufgestellt, dass es kaum auffällt. «Wir mussten etwas schummeln», erklärt Müller trocken.

Röhren als zusätzliches Kühlelement

Der grösste Gegner während des Baus war die Wärme. Beim Testevent im letzten Jahr kippte die Schanze seitlich leicht weg. Dieses Risiko wollte Müller nicht noch einmal eingehen.

Also liess sie mit dem Bagger zwölf 2,5 Meter tiefe Löcher ausheben, um die Konstruktionen besser zu verankern. «Da meinten alle, du bist verrückt.» Bei den teilweise frühlingshaften Temperaturen ist sie jetzt froh darüber.

«Ein Gerüst nebenan ist bereits 30 Zentimeter abgesoffen.» In den Kickern stecken zudem Röhren. Wird es zu warm, kann Trockeneis eingefüllt werden, damit der Schnee von innen heraus kompakt bleibt.

Sie ist ein Garant für Schweizer Medaillen

Was Müller nicht duldet, ist Unpünktlichkeit. Ein Helfer kam im letzten Jahr zweimal zu spät. «Das treibt mich auf die Palme. Ich habe ihm gesagt: Noch einmal, dann bist du weg.» Seither steht er pünktlich bereit. Gearbeitet wird in der Regel von 8 Uhr bis am frühen Abend.

Oft blieb Müller danach noch länger und half bei der Präparation des Anlaufs und Auslaufs. «Es brauchte einige Nachtschichten.» Das kennt sie von früheren Grossanlässen. Als bei der WM 2023 in Georgien die ursprünglich vorgesehenen russischen Schanzenbauer wegen des Kriegs nicht willkommen waren, sprang Müller ein. 

Seither scheint sie ein Schweizer Glücksbringer zu sein. An den letzten beiden Weltmeisterschaften flog Noé Roth (25) auf ihren Schanzen zum Titel. Die beiden verbindet aber weit mehr als nur der Sport.

Aerials auf Freitag verschoben

Die Schweizer Ski-Freestyler Noé Roth und Pirmin Werner müssen sich vor ihren ersten Einsätzen weiter gedulden. Die bereits am Dienstag wetterbedingt verschobene Aerials-Qualifikation kann nicht wie geplant am Donnerstag durchgeführt werden.

Die Organisatoren gaben bekannt, dass in Livigno Schneefälle erwartet werden und deshalb die Qualifikation und der Final um einen weiteren Tag verschoben werden. Am Freitag sind die Qualifikationen ab 10.30 Uhr angesetzt und der Final um 13.30 Uhr.

Die Schweizer Ski-Freestyler Noé Roth und Pirmin Werner müssen sich vor ihren ersten Einsätzen weiter gedulden. Die bereits am Dienstag wetterbedingt verschobene Aerials-Qualifikation kann nicht wie geplant am Donnerstag durchgeführt werden.

Die Organisatoren gaben bekannt, dass in Livigno Schneefälle erwartet werden und deshalb die Qualifikation und der Final um einen weiteren Tag verschoben werden. Am Freitag sind die Qualifikationen ab 10.30 Uhr angesetzt und der Final um 13.30 Uhr.

Müller war früher ab und zu seine Babysitterin. «Er war ein verspieltes Kind. Diese Eigenschaft hat er zum Glück beibehalten.» Roth gehört neben Pirmin Werner (26) zu den grössten Schweizer Medaillen-Hoffnungen. Werner wurde genauso wie Roth in Teenagerjahren von Müller geschliffen. 

Zweimal als Athletin an Olympia

Welch grosse Leidenschaft die Zürcherin für ihren Job als Schanzenbauerin mitbringt, beweist die dritte, kleinere Schanze, die neben den zwei Wettkampf-Kickern steht. Sie wurde extra für Laura Peel gebaut. Die zweifache Weltmeisterin hatte sich das Kreuzband gerissen, wollte aber testen, ob ein Start möglich ist. 

Doch bevor es überhaupt so weit kam, grätschten die Ärzte dazwischen und verboten ihr einen Testlauf. Müller kennt das Gefühl, enttäuscht von den Olympischen Spielen abzureisen.

Sie war zweimal dabei: 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin. 20 Jahre später blickt sie mit gemischten Gefühlen zurück. Der siebte Platz in Turin schmerzt ihr noch immer etwas, weil sie spürte, dass mehr möglich gewesen wäre.

Dennoch sind vor allem die schönen Dinge in Erinnerung geblieben. Champagner aus dem Skischuh und Teamkollegen, die sie auf den Schultern trugen. Solche Bilder wünscht sie sich auch nach dem Aerials-Final. Aber diesmal soll ein Schweizer Athlet eine Medaille um den Hals hängen haben.

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