Darum gehts
- David Piguet ist der einzige Schweizer Skisprung-Punktrichter an den Olympischen Spielen
- Einst wurde er für einen Entscheid an der Vierschanzentournee stark kritisiert
- Zu Simon Ammann verbindet ihn eine spezielle Beziehung – er war früher sein Coach
Während sich die Skispringer mit starken Leistungen für die Olympischen Spiele qualifizieren mussten, entscheidet bei den Punkterichtern der Zufall. Wie bitte? Was sich verrückt anhört, ist tatsächlich wahr. Die FIS vergibt die Startplätze unter den Nationen nach einem Rotationsprinzip, das auf verschiedenen Kriterien basiert. Dabei werden beispielsweise die Anzahl der Athleten und deren Punktzahlen berücksichtigt.
In diesem Jahr kam wieder einmal die Schweiz zum Handkuss. «Ich bin aber auch wirklich gut», sagt David Piguet (59) lachend. Das unterstreicht der Romand sogleich mit einem statistischen Beleg. Seit Beginn seiner Tätigkeit für die FIS vor über 20 Jahren habe er rund 22’000 Noten vergeben.
Knapp 87 Prozent davon flossen auch in die Wertung ein. Heisst: Seine Einschätzungen lagen meist im gleichen Bereich wie jene seiner Kollegen. Denn die höchste und die tiefste Note werden jeweils gestrichen.
Spezielle Beziehung zu Ammann
Im Lauf des Gesprächs unterhalb der Olympia-Schanze in Predazzo wird deutlich, dass trotz Zufallsprinzip fähige Leute über Gold, Silber oder Bronze entscheiden. «Es werden nicht einfach irgendwelche Kampfrichter ausgewählt.» Wer an Olympia eingesetzt werde, müsse sich zuvor im Weltcup bewähren.
Die FIS analysiere die Bewertungen genau – besonders bei den eigenen Landsleuten. Neutralität sei das oberste Gebot. Bevorzugung gebe es keine, im Gegenteil. Oft sei man bei den eigenen Athleten sogar besonders streng.
Das bekam auch Simon Ammann (44) zu spüren, zudem Piguet ein besonderes Verhältnis pflegt. Der Romand trainierte den vierfachen Olympiasieger, der seine achte Teilnahme verpasste, für kurze Zeit zu Beginn von dessen Karriere. Im Weltcup trafen sich die beiden wieder. An eine Begegnung an der Vierschanzentournee in Innsbruck kann sich Piguet noch gut erinnern.
Kopfschütteln über Abschottung
Einmal mehr gelang Ammann der Telemark nicht wie gewünscht. «Das war schon damals seine grosse Schwachstelle. Deshalb musste ich ihm einige Punkte abziehen», erzählt er. Nach dem Wettkampf kam die Skisprung-Legende deshalb auf ihn zu.
Nicht wütend oder vorwurfsvoll. «Er wollte einfach wissen, was nicht gut war, um daraus zu lernen.» Für Piguet ist diese Szene sinnbildlich für den grossen Sportsmann, der Ammann ist. Zudem demonstriert sie, was Piguet an seinem Sport so liebt. «Wir sind eine grosse Familie.»
Dass es aber auch da zu der einen oder anderen Auseinandersetzung kommt, versteht sich von selbst. So kassierte Piguet nach dem Gespräch mit Ammann von dessen damaligem Trainer eine Standpauke. «Er meinte, was mir einfalle, als Schweizer einem Landsmann eine solch schlechte Note zu geben.»
Er schätzt grundsätzlich den Austausch mit den Athleten und Betreuern. Obwohl dieser eigentlich untersagt ist. Diese Abschottung der FIS versteht Piguet nicht. «Ein Entscheid auch einmal zu erklären, schafft Verständnis. Das ist doch nicht negativ.»
Sonderlob für den Schweizer
Einmal brachte Piguet bei der Vierschanzentournee fast eine ganze Nation gegen sich auf. Der damalige Landesheld Sven Hannawald (51) machte bei der Landung einen Fehler und stürzte. Piguet war der einzige Kampfrichter, der ihm dafür sieben Punkte abzog. «Danach wurde ich in Garmisch beschimpft. ‹Dieser Schweizer hat keine Ahnung›, hiess es.»
Einige Zeit später wurde genau dieser Sprung im Wiederholungskurs der Punkterichter gezeigt. Dabei erhielt Piguet ein Sonderlob. «Ich muss niemandem gefallen. Meine Aufgabe ist es, gemäss den Regeln zu entscheiden.» Der Job als Juror ist für den ehemaligen Skispringer ein zeitintensives Hobby.
Hauptberuflich führt er eine Karosserie mit vier Mitarbeitern. Vor Olympia gab es entsprechend viel zu organisieren. Nun kann er aber seine ersten und wohl letzten Spiele in vollen Zügen geniessen. Denn bis die Schweiz wieder an der Reihe ist, dürfte etwa ein Jahrzehnt vergehen.
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