Darum gehts
- Camille Rast kritisiert olympischen Hang als «langweilig» und nicht anspruchsvoll genug
- IOC wählte wohl einfache Piste, um schwächeren Fahrerinnen Chancen zu geben
- Rast und Suter belegen Rang 9, Holdener wird Sechste – Österreich gewinnt
Camille Rast (26) poltert nicht. Sie fährt die drittbeste Slalomzeit in der Team-Kombi. Trotzdem spricht sie Klartext. Auf die Frage des Blick, ob dieser Hang olympiawürdig sei, sagt sie nur: «Nein. Nein.»
Die Walliserin stört sich an der kurzen, flachen Strecke. «Sie ist eher langweilig», sagt sie. Umso mehr ärgert sie sich, dass wenige hundert Meter weiter die steile Piste Drusciè ungenutzt bleibt – dort wurde an der WM 2021 gefahren.
Dort würde Rast den Slalom am Mittwoch in einer Woche lieber bestreiten. Die Drusciè ist deutlich anspruchsvoller. Das liegt ihr. «Ich muss damit leben und das Beste daraus machen. Aber das hier», sagt sie und zeigt auf den Zielhang, «ist für mich keine richtige Slalompiste.»
Warum Slalom und Riesenslalom auf dem letzten Teil der Tofana-Abfahrt stattfinden, hat Gründe. Der wichtigste: Das IOC wollte einen gemeinsamen Zielraum für alle Rennen. Das vereinfacht Infrastruktur, Logistik und Organisation. Rast nennt einen weiteren Aspekt: «Bei Olympia sollen auch schwächere Fahrerinnen gut fahren können. Das ist der olympische Geist. Für uns vorne ist es schmerzhaft. Der Hang selektioniert nicht. Fehler sind tabu.»
Holdener: «Das finde ich toll»
Rast wird mit Corinne Suter (31) Neunte in der Team-Kombination. Jasmine Flury (32) und Wendy Holdener (32) belegen Rang sechs, 83 Hundertstel hinter Bronze. «Jasmine hat mir mit ihrer Abfahrt eine Chance gegeben. Ich bin gut gefahren und happy – aber es hat nicht gereicht», sagt Holdener. Die Schwyzerin fährt die zweitbeste Slalom-Zeit.
Für Holdener war die Team-Kombi eine wichtige Standortbestimmung für den Slalom – dort will sie eine Medaille holen. Anders als Rast mag Holdener den Hang. Er liegt ihr: Im Flachen beschleunigt sie stark. «Ich finde ihn schöner als die WM-Strecke. Und mir gefällt die neue Piste. Bei Olympia ist das oft so: Niemand kennt sie, niemand hat einen Vorteil. Das finde ich toll.»
Es gibt keine Schweizer Kurssetzung
Einigkeit herrscht also nicht – wenig überraschend. Ein Wunsch verbindet sie dennoch: eine härtere Piste. Der Kombi-Slalom ist sehr weich. Hoffnung macht der Wetterbericht: Für nächste Woche sind nachts klare Minusgrade angekündigt.
Was Rast und Holdener nicht bekommen: eine Schweizer Kurssetzung. Keiner ihrer Trainer wurde ausgelost. «Schade», sagt Rast. «Wenn es schon so flach ist, könnte man mit Rhythmus und Tordistanzen spielen. Das ist heute nicht passiert.»
Gold geht sensationell an das österreichische Duo Rädler/Huber. Silber holt Deutschland mit Weidle-Winkelmann/Aicher. Bronze gewinnen die Amerikanerinnen Wiles/Moltzan. Die Favoritinnen Johnson/Shiffrin (USA) bleiben ohne Medaille, weil Mikaela Shiffrin (30) ihren Lauf verpatzt.
