Darum gehts
- Fabio Scherer verliert überraschend sein DTM-Cockpit an Finn Wiebelhaus
- Team spart 100’000 Euro durch Einsatz des 20-jährigen deutschen Neulings
- Scherer hofft auf neue DTM-Chance oder Rückkehr nach Le Mans 2027
Der Winter von Fabio Scherer (26) war entspannt. Für den Rennfahrer aus Engelberg OW sah alles prima aus, dass er 2026 weiterhin die deutsche Top-Rennserie DTM bestreiten wird. Doch dann der Schock: Kurz vor der Teampräsentation seines HRT-Ford-Rennstalls wird Scherer vor vollendete Tatsachen gestellt – das Cockpit ist weg. Das deutsche Team setzt anstelle des Schweizers den diesen Donnerstag 20 Jahre alt gewordenen Neuling Finn Wiebelhaus (De) ins Auto.
«Das ist extrem schade, weil wir letzte Saison viel Aufbauarbeit für das neue Mustang-Projekt geleistet haben. Nun muss ich mich neu orientieren, wo es weitergehen kann», sagt Scherer enttäuscht.
Für Scherer ist die Situation ein Déjà-vu
Völlig normal im Motorsport, dass auch bei diesem Fahrertausch kaum nur der pure Speed eine Rolle spielte. Da Wiebelhaus auf dem «Road to DTM»-Weg in die Tourenwagen-Serie einsteigt, kann sich sein neuer Rennstall die Nenngebühr von rund 100’000 Euro sparen. Alles andere als ein Klacks.
Scherer steht im März ohne Job da. Zu diesem Zeitpunkt sind im Normalfall alle sportlich spannenden Cockpits vergeben. Es ist für Scherer ein Déjà-vu. Auch letztes Jahr platzen seine motorsportlichen Pläne in letzter Minute. Dann öffnet sich unverhofft die DTM-Türe. Der Schweizer macht im kultigen Ford Mustang auf sich aufmerksam, auch ausserhalb der DTM. Beim Langstrecken-Ausflug auf die Nordschleife landet er hinter Superstar-Gastpilot Max Verstappen auf dem Podest, fährt einen aufsehenerregenden Rundenrekord.
Geht es für Scherer nun fix zurück auf die Langstrecke? «Ich hoffe, dass sich vielleicht doch in der DTM noch etwas ergibt», sagt er. Wenn nicht, wird ein Comeback in Le Mans womöglich zum Thema. Beim 24-Stunden-Klassiker in Le Mans hat er 2023 bei seinem Klassensieg mit gebrochenem Fuss bereits seine Spuren hinterlassen.
Durch das DTM-Abenteuer im Ford Mustang hat sich der Schweizer beim US-Autogiganten womöglich einen genug grossen Namen gemacht, um fürs neue Le-Mans-Projekt aufs Fahrerkarussell aufspringen zu können. Ford plant 2027 einen Start in der Hypercar-Königsklasse.