Darum gehts
- Nahost-Krise bedroht Formel-1-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien
- Saudi-Arabien garantierte 2022 Sicherheit trotz Bomben nahe der Rennstrecke
- 22 Rennen statt 24: Fahrer und Teams fordern Programmverkürzung
Langsam füllen sich die Hotels und das Fahrerlager. Gestrandete Mitarbeiter werden bei der Ankunft fast wie Ausserirdische begrüsst. Aber nicht alle werden die Folgen des Nahost-Krieges mit einem Happy End feiern. Erhöhte Flugpreise bei Umbuchungen oder komplizierte Umwege über Amerika und Neuseeland halten viele vom GP-Tross ab, beim WM-Start live dabei zu sein.
Logistik überfordert alle
Für die Formel-1-Macher beginnt jetzt eine nervenaufreibende Zeit, die Logistik wird an den Anschlag gedrängt. Gute Lösungen sind noch keine in Sicht, wenn nach Melbourne und China sowie Japan (alle drei nicht in Gefahr) die Weiterreise ansteht.
Mit der grossen Frage: Wie lange dauert der Krieg im Nahen Osten? Für Bahrain (12. April) und Saudi-Arabien (19. April) könnte das eine Absage als Folge haben.
Ärger in Bahrain und Jeddah
Beide Länder hatten bereits ihre politischen Probleme. 2011 musste der WM-Auftakt in Bahrain abgesagt werden, weil sich das Volk gegen die Regierung mit Strassenschlachten zur Wehr setzte.
2022 wurde die Formel 1 in Jeddah nach dem ersten Training von einschlagenden Bomben der Huthi-Rebellen im Jemen in der Nähe der Rennstrecke aufgeschreckt. Doch Saudi-Arabien «garantierte» der Formel 1, dass nichts passieren wird. Und wo unzählige Millionen fliessen, werden die Formel 1, die Teams und Piloten schwach. Und kuschen vor den Scheichs. Nur Ex-Pilot Ralf Schumacher (Sky-Experte) verschwand damals.
Ersatzorte gesucht ...
Noch hofft man auf bald wieder friedlichere Tage – aber bereits werden Strecken wie Portimao oder Imola für ein Ersatzrennen angefragt. Möglich auch, dass in Suzuka zwei japanische WM-Läufe innerhalb einer Woche stattfinden könnten.
Da die Formel 1 erst im Juni ihre Europa-Saison in Monaco startet, kommen europäische Lösungen davor kaum in Betracht. Reisen und Hotels sind seit Monaten gebucht – die Fracht (jedes Team hat vier bis fünf verschiedene Ladungen mit dem ganzen Material) ist bereits an die meisten GP-Stationen unterwegs.
22 Rennen wären vernünftig
«Wir sollten jetzt Ruhe bewahren und die Formel-1-Verantwortlichen ihre komplizierte Arbeit machen lassen», sagte Mercedes-Chef Toto Wolff.
Viele Fahrer und Mechaniker wären jedoch nicht unglücklich, wenn die angespannte politische Lage das WM-Programm einfach auf 22 Rennen kürzen würde. Das wäre wohl die vernünftigste Lösung, auch wenn dabei die Teams und Verantwortlichen auf einige Millionen verzichten müssten. Die Sicherheit muss immer vor Angst kommen!
Ferrari greift Rivalen an
Noch immer wird heftig über das neue Reglement diskutiert. Bei Mitfavorit Ferrari spuckt Chef Fred Vasseur grosse Töne. «Wir alle wussten, was motorenmässig auf uns zukommt. Also konnten sich alle darauf konzentrieren. Auch was den Start betrifft. Man sollte jetzt nicht noch kurzfristig Änderungen einführen.»
Der Franzose meint wohl die blaue Fünf-Sekunden-Ampel-Phase (um die Motoren auf die richtige Drehzahl hochzuladen), bevor die fünf roten Lichter auftauchen und ausgehen. Da wieder 22 Autos am Start stehen, fliegen in den beiden ersten Qualifikations-Teilen jeweils sechs Piloten raus. Das Top-Ten-Finale (bisher 12 Minuten) wird auf 13 Minuten erhöht.