Darum gehts
- Das Töff-Team «Bolliger Switzerland» kann dank eines Rivalen rechtzeitig in die Saison starten
- Fans sammelten in kurzer Zeit genug Geld für ein neues Team-Fahrzeug
- Erstes Langstrecken-Rennen der Saison findet am kommenden Wochenende in Le Mans statt
Noch im Februar stand das Berner Langstrecken-Team «Bolliger Switzerland» vor dem Nichts. Zwei Kilometer vor der Heimbasis in Ruppoldsried BE kommt der Team-Truck mitsamt Motorrädern im Anhänger von der Strasse ab. Das Resultat: Totalschaden und plötzlich eine ungewisse Zukunft.
Heute ist klar: Die Töff-Enthusiasten sind zurück. Und wie.
Denn was nach dem Unfall folgte, ist filmreif. Fans, Partner und selbst Mitbewerber aus der Langstrecken-WM spendeten dem Kult-Team im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion in kürzester Zeit über 100'000 Franken und damit die nötigen Mittel für einen Wiederaufbau.
Parallel dazu trafen beim Rennstall Angebote aus der Szene für einen neuen LKW ein, die selbst Teammanager Kevin Bolliger überraschten: «Es ist unglaublich, wie viele Leute sich gemeldet haben. Wir mussten zuerst überhaupt sortieren, was wir wie gebrauchen können.»
Am kommenden Samstag steht das Team erstmals wieder im Einsatz
Die kurzfristige Lösung steht dadurch innerhalb weniger Tage. Für den Saisonauftakt beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans (Fr) – welches bereits am kommenden Samstag startet – darf sich das Team einen Lastwagen vom ehemaligen Aargauer Rennstall «Keller Motos» ausleihen.
Nachdem der Start zwischenzeitlich ungewiss war, nun also die Gewissheit: Das einzige Schweizer Langstrecken-Team ist bereit für den Saisonauftakt.
Doch für die Berner noch entscheidender ist die langfristige Perspektive – und auch die ist mittlerweile gesichert. Denn ausgerechnet ein direkter Konkurrent aus Österreich wurde zum Retter. Das «Yamaha Austria Racing Team», welches 2025 den Titel holte, verkaufte den Schweizern einen ihrer zwei Sattelzüge.
Das Bemerkenswerte dabei: «Noch am Abend nach dem Unfall kam das Team bereits mit diesem Angebot auf mich zu», sagt Bolliger zu Blick. «Das war extrem schön. Der Zusammenhalt in der Szene ist wirklich riesig.»
Das Team arbeitet mit Hochdruck am neuen «Zuhause auf Rädern»
Der Lastwagen wurde inzwischen geliefert und steht nun in der Schweiz. Der Umbau läuft auf Hochtouren. Viele Arbeiten können die Handwerker im Team dabei gleich selbst erledigen.
Die Zeit bleibt allerdings knapp. Für das zweite Saisonrennen im belgischen Spa (6. Juni) dürfte der Truck zwar einsatzbereit sein, jedoch noch ohne vollständigen Ausbau. Die fertig ausgebaute Version dürfte dann Ende September beim Rennen in Le Castellet (Fr) bereit sein. Bolliger: «Dann möchten wir sagen können: Das ist wieder unser Zuhause auf Rädern.»