So sieht der verunfallte Lastwagen des «Team Bolliger» aus
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Totalschaden:So sieht der verunfallte Lastwagen des «Team Bolliger» aus

Team-Truck erlitt bei Verkehrsunfall Totalschaden
Fans und Rivalen retten Schweizer Töff-Rennstall

Für das Berner Langstrecken-WM-Team Bolliger begann die Saisonvorbereitung mit einem Schock. Wegen eines LKW-Unfalls stand das Team plötzlich vor dem Aus. Dank einer Welle der Solidarität wurde das Team nun gerettet.
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Der Lastwagen vom Team Bolliger Switzerland verunfallte in einer Kurve.
Foto: Team Bolliger

Darum gehts

  • Team-Bolliger-Truck verunfallt zwei Kilometer von daheim in Ruppoldsried
  • Crowdfunding bringt 80’000 Franken innerhalb von nur drei Tagen ein
  • Saisonauftakt im April beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans jetzt fix
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Benjamin GwerderRedaktor Sport

Viel schlimmer kann eine Saison nicht beginnen. Nach erfolgreichen Testfahrten für die Langstrecken-WM im spanischen Valencia ist der Team-Truck des Berner «Team Bolliger Switzerland» auf dem Heimweg nach Ruppoldsried BE.

Nur noch zwei Kilometer trennen die Chauffeure von ihrer Basis im Bernbiet, als es passiert: Die Zugmaschine mitsamt Auflieger kommt in einer berüchtigten Kurve von der Strasse ab und kippt um. 

Der traurige Befund: Totalschaden. Teammanager Kevin Bolliger erinnert sich: «Es ist wirklich eine prekäre Kurve dort. Da sind viele Emotionen kaputt gegangen. Es war unser Zuhause auf Rädern. Zum Glück ist den beiden Männern im Lastwagen nichts passiert.»

Wiederaufbau geschieht in der Freizeit

Neben dem Fahrzeug ist auch ein grosser Teil der Infrastruktur im Anhänger zerstört. Jene muss jetzt wieder neu aufgebaut werden. Bolliger sagt: «Der ganze Innenausbau mit Werkstatt, Betten und Küche braucht jetzt enorm viel Zeit und Arbeit, um ihn wieder so einzurichten.»

Hier liegt der Lastwagen des Teams neben der Strasse.
Foto: Team Bolliger

Vor allem in Anbetracht dessen, dass das ganze Halbprofi-Team nur dank einigen «Töff-Fanatiker» lebt, ist das eine Herkulesaufgabe. «Wir alle arbeiten nebenbei noch ganz normal. Alle machen das als Hobby aus Liebe zu diesem Sport», verrät Bolliger, der selbst gelernter Polymechaniker ist. Als ihn Blick telefonisch erreicht, steht er gerade nach Feierabend in der Werkstatt beim verunfallten Fahrzeug.

Zwei Tage nach dem Unfall entschied sich das Team deshalb für ein Crowdfunding, das die Zukunft des Rennstalls sichern soll. Denn ohne Truck, um an die Rennen zu reisen, fände die Langstrecken-WM ohne die Bolliger-Equipe statt.

Spendenaufruf rettet das Team innert weniger Tage

Was danach geschah, überraschte aber selbst die grössten Optimisten. «Nach nur drei Tagen haben wir nun unser erstes Spendenziel von 80’000 Franken erreicht. Das haben wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht ausgemalt», so Bolliger. «Der grösste Einzelspender überwies mehr als 10’000 Franken.»

Gleichzeitig blickt das Team bereits nach vorne: Um nicht nur die unmittelbaren Folgen des Unfalls zu bewältigen, sondern auch die langfristige Zukunft der Team-Infrastruktur zu sichern, soll die Spendenaktion in einer nächsten Phase weitergeführt werden.

Besonders bewegend: Auch Konkurrenten helfen mit und bieten schon wenige Stunden nach dem Unfall ihre eigenen Transportfahrzeuge an. Bolliger: «Der Zusammenhalt in dieser Szene ist wirklich berührend. Man hilft einander. Einen Tag nach dem Vorfall bekamen wir gleich mehrere Angebote, um Trucks auszuleihen oder zu übernehmen.»

Saisonstart ist nun dank Hilfe eines Rivalen wieder möglich

Dank dieser Unterstützung kann das Team nun nicht nur weiter bestehen, sondern auch noch rechtzeitig in die Saison starten, wie nun klar wurde. Der Auftakt erfolgt Mitte April bei der Zweirad-Ausgabe des 24-Stunden-Rennens von Le Mans (Fr). Es ist in Europa das prestigeträchtigste Rennen der Langstrecken-WM.

Um allen Unterstützern zu danken, schrieb das ganze Team um den legendären Teamgründer Hanspeter Bolliger in einer Botschaft: «Was in den letzten 48 Stunden passiert ist, macht uns sprachlos. Ihr gebt uns nicht nur finanzielle Hilfe – ihr gebt uns auch Kraft. Jede Umarmung und schon der ‹Fünfliber› eines Unterstützers tut dem Herzen gut.»

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