Darum gehts
- Schweizer Dopingjäger warnen vor illegalen «Wundermitteln» aus den sozialen Medien
- Was auf den ersten Blick toll klingt, führt zu Sperren und gesundheitlichen Schäden
- Die Dopingsünder werden immer wie jünger – teilweise sind sie Minderjährig
Es klingt nach einer verlockenden Abkürzung. Täglich ein paar Kapseln schlucken und in kürzester Zeit den Traum vom perfekten Körper verwirklichen. So wird es von Influencern in den sozialen Medien angepriesen. Verschwiegen wird dabei, welche Schäden solche Substanzen im Körper anstellen können und dass sie im Sport verboten sind.
Deshalb schlagen die Schweizer Dopingjäger nun Alarm. «Das Internet wird von solchen ‹Wundermittel› überschwemmt. Das bereitet uns grosse Sorge», erklärt Antidoping-Chef Ernst König im Rahmen der Präsentation des Jahresberichts.
Sowohl bei den Sicherstellungen dieser verbotenen Produkte als auch bei den daraus resultierenden Dopingsperren stieg die Anzahl der Fälle im letzten Jahr an.
Ungenügende und illegale Herstellung
In die Optimierungsfalle tappen dabei fast ausschliesslich Amateursportler. Die Bandbreite reicht von Produkten für ein durchtrainiertes Aussehen bis zu Anti-Aging-Produkten für jugendliche Vitalität.
Namentlich sind das Wachstumshormon und -faktoren, SARMs und synthetische Peptide. Häufig handele es sich dabei um gehypte oder gefährliche Inhaltsstoffe, welche für den menschlichen Gebrauch nicht erforscht und nicht zugelassen wurden.
Erwischt werden die Sportler mehrheitlich nicht nach der Einnahme, sondern bei der Bestellung. Der Zoll fing im letzten Jahr elf Pakete mit sogenannten «Wundermitteln» ab. 2024 waren es noch sechs. Weil dies als Tatbestand der versuchten Anwendung gilt, reicht für ein solcher Fund – also die Bestellung –, um jemanden zu sperren.
Bei den erwischten Sportlern handelt es sich zunehmend um immer jüngere Athleten. So wurden 13 Menschen registriert mit Jahrgang 2000 oder jünger. «Eine Mehrheit gab an, mehr Muskeln haben zu wollen», erklärt Jonas Personeni, Leiter Prävention und Kommunikation.
Bestellung ohne Hürden
An die verbotenen Substanzen kommen die teilweise Minderjährigen ganz einfach über die sozialen Medien. Swiss Sport Integrity sind Fälle bekannt, wo die Produkte beispielsweise über Telegram bestellt wurden. «Diese fehlenden Hürden machen uns Sorgen», so Personeni.
Ein weiteres Problem sehen die Dopingjäger bei der Herstellung. «Die ist oftmals illegal, zudem gibt es keine Qualitätskontrollen. Deshalb sind die Produkte über- oder unterdosiert oder enthalten nicht die angegebenen Substanzen.»
Kurzfristiger Erfolg, langfristige Schäden
Neben möglichen Sperren warnen König und Personeni vor den gesundheitlichen Schäden. «Solche Produkte erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.» Zudem können sie auch Psychosen, Leberschäden, Unfruchtbarkeit, Hodenschrumpfung und sexuelle Funktionsstörungen verursachen.
Aktuell investieren die Dopingjäger viel Zeit, um die Sportler vor der Optimierungsfalle zu warnen. «Wir versuchen, die Menschen unter anderem mit Schulungen zu sensibilisieren.» Zudem machen sie die Sportverbände darauf aufmerksam. Ob das etwas bringen wird? Sicher ist, dass das Thema sie noch eine Weile beschäftigen wird.