Am Donnerstag gehts in Las Vegas in einer temporär aufgebauten Arena los. Die sogenannten Enhanced Games gelten schon jetzt als eines der umstrittensten Sportprojekte überhaupt. Hinter dem Konzept steckt die Idee, Spitzensport mit Doping zu verbinden.
Während bei Olympia oder an Weltmeisterschaften leistungssteigernde Mittel streng verboten sind, wollen die Enhanced Games genau das Gegenteil: Athleten sollen ihre körperlichen Grenzen mithilfe von Wissenschaft, Medikamenten und moderner Medizin bewusst erweitern.
Auf dem Programm stehen Schwimmen, Sprintdisziplinen und Gewichtheben. Die Veranstalter werben mit hohen Preisgeldern – bis zu einer Million Dollar für Weltrekorde – und sprechen von einer «neuen Ära menschlicher Leistungsfähigkeit». Aber kein renommierter TV-Sender überträgt die Wettkämpfe. Sie sind live nur auf Streamingdiensten und auf dem eigenen Youtube-Kanal zu sehen.
Prominente Sportler machen mit
Erfunden wurde das Projekt vom australisch-amerikanischen Unternehmer Aron D’Souza. Auf der offiziellen Website argumentiert er, Doping existiere im Spitzensport ohnehin längst im Verborgenen. Deshalb sei es ehrlicher und sicherer, leistungssteigernde Mittel unter ärztlicher Kontrolle zuzulassen, statt sie heimlich zu konsumieren.
Wer jetzt denkt, dass kein Sportler, der jemals seriös Sport betrieben hat, sich auf so etwas einlassen würde, der täuscht sich leider gewaltig. Der ehemalige Schwimmweltmeister James Magnussen (35, Aus) kehrt aus dem Ruhestand zurück, um bei den Spielen anzutreten. Auch der US-Sprinter Fred Kerley (31), Olympiamedaillengewinner und Weltmeister über 100 Meter, wird teilnehmen. Weitere bekannte Namen sind der deutsche Schwimmer Marius Kusch (33) sowie der britische Schwimmer Ben Proud (31).
Insgesamt stehen für die Disziplinen Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben 13 Athletinnen und 29 Athleten auf der Teilnehmerliste.
Es geht ums Geld
Der Beweggrund ist bei fast allen Sportlern derselbe: das Geld. Viele Athleten werden ihr Leben lang nicht reich durch den Sport, manche können nicht einmal davon leben. Da sind eine Million Dollar natürlich verlockend. Doch es gäbe auch gute Gründe, dieser Verlockung zu widerstehen.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) verurteilt das Konzept der Spiele aufs Schärfste und bezeichnet es als «gefährlich und verantwortungslos». Ärzte und Sportmediziner warnen vor schweren gesundheitlichen Folgen durch Anabolika, Wachstumshormone oder andere leistungssteigernde Mittel. «Im Laufe der Jahre gab es zahlreiche Fälle, in denen Sportler aufgrund der Einnahme verbotener Substanzen und der Anwendung verbotener Methoden unter schwerwiegenden Langzeitfolgen litten. Einige sind sogar gestorben», so die Wada.
Schwimmer lässt Spermien einfrieren
Viele Leute scheinen diese klaren Worte jedoch nicht allzu sehr zu beeindrucken. Die Freundin des deutschen Schwimmers Marius Kusch erzählte gegenüber der TV-Sendung «Galileo» zum Beispiel, dass das Testosteron, das er einnimmt, zwar seine Fruchtbarkeit negativ beeinflussen könnte. Doch für sie sei das kein Problem, da er jetzt seine Spermien habe einfrieren lassen.
Neben den gesundheitlichen Folgen für die teilnehmenden Athleten kritisieren Experten auch die Signalwirkung auf junge Menschen. Wenn Spitzensportler öffentlich mit Doping Rekorde brechen und dafür Millionen kassieren, könnte das laut Medizinern die Hemmschwelle für Hobby- und Nachwuchssportler senken. Vor allem da die Enhanced Games verschiedenste Supplemente sogar in ihrem Onlineshop anbieten und so auch für Hobbysportler die Möglichkeit besteht, «enhanced» zu werden. Doping als grosses Geschäft. Auch die Schweizer Dopingjäger von Swiss Sport Integrity schlugen jüngst Alarm, dass die Schwemme von illegalen Mitteln aus dem Internet gerade im Breitensport alarmierend sei.
Also: Sind die Enhanced Games wirklich ein ehrlicher Blick auf die Realität des Spitzensports oder eher der Beginn einer gefährlichen Entwicklung, bei der vor allem Geld eine Rolle spielt? Fest steht: Das Projekt trifft einen Nerv, weil es Themen wie Leistungsdruck, Körperoptimierung und die Grenzen des Sports radikal zuspitzt.