Zum Scheitern verurteilt?
Nach Hardturm – Links-Grüne stoppen Zürcher Sport-Projekt

Rückschlag für die Schweizer Leichtathletik: Das geplante Trainingszentrum neben dem Letzigrund-Stadion wird vom Gemeinderat blockiert. Er fordert trotz grünem Licht des Stadtrats eine Überarbeitung – scheitert nun das ganze Projekt?
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Letzigrund-Stadion in Zürich: Die Rasenfläche rechts daneben sollte mit dem modernsten Leichtathletik-Trainingszentrum der Schweiz überbaut werden.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Geplantes Leichtathletikzentrum in Zürich abgelehnt, Bau verzögert
  • Links-grüner Gemeinderat fordert mehr Mitspracherecht
  • Baurecht ist den Hallengegnern ein Dorn im Auge
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Das Trauerspiel in der Stadt Zürich um benötigte Sportinfrastruktur ist um ein Kapitel reicher. Es ist eine ganz neue Episode – es geht für einmal nicht um das ewige und durch zig Rekurse eingebremste Projekt des Hardturm-Neubaus für den Fussball, diesmal geht es um die Leichtathletik. 

Der LC Zürich plante auf der fast nie genutzten Rasenfläche direkt neben dem Letzigrund-Stadion eine neue Trainingshalle. Es sollte das modernste Leichtathletik-Trainingszentrum der Schweiz werden. Kostenpunkt: 21 Millionen Franken, die je zu einem Drittel von der Stadt, von Bund und Kanton sowie vom LCZ stammen sollen. 

Nun der grosse Schock: Die Sachkommission des Gemeinderats weist das Projekt zurück. Im dümmsten Fall wird die Halle nie gebaut, im besten Fall kommts nun wie beim Hardturm zur Projektanpassung und folglich zu einer zeitlichen Verzögerung. Die Eröffnung war mal für 2033 angedacht.

Projektleiter überrascht

Dabei wähnte sich der LCZ auf sehr gutem Weg. Auch weil man sich an die Methoden der ZSC Lions hielt, um nicht in die Hardturm-Falle zu tappen. Der Lions-Pfad auf dem Weg zum Neubau der Swiss-Life-Arena im Stadtteil Altstetten war, frühzeitig auf die Politik zuzugehen und eine tragfähige Lösung zu schmieden, die für alle Anspruchsgruppen Sinn macht. 

So kam es, dass der Zürcher Stadtrat voll hinter dem Hallenprojekt stand und grünes Licht gab, das Gelände im Baurecht abzugeben, 7 Millionen daran zu zahlen und jährlich maximal 400’000 Franken am Betrieb zu übernehmen. Der links-grüne Stadtrat ist für die Halle – der links-grüne Gemeinderat ist dagegen. Die SP, die Grünen und die AL verlangen nun ein überarbeitetes Projekt. Die Kritikpunkte: Für die 7 Millionen müsse mehr Mitspracherecht drinliegen, was den Betrieb der Halle angeht. Das Baurecht ist den Hallengegnern ein Dorn im Auge. 

Felix Frei, Projektleiter und Präsident des Vereins für Grossveranstaltungen des LCZ, zeigt sich enttäuscht – und überrascht: «Es handelt sich nicht um einen inhaltlichen Widerstand, sondern um einen ideologischen aus der Politik. Das haben wir nicht erwartet, zumal alle Involvierten der Meinung waren, dass dieses Projekt perfekt aufgegleist war.» 

Stabhochsprung-Star Moser: «Halle würde enorm helfen»

Eine halbe Million Franken an Planungskosten seien weg, so Frei. Hinzu kämen unzählige weitere Arbeitsstunden, die nun infrage gestellt sind. Er sagt: «Am meisten bedauere ich, dass der Jugendsport und die Entwicklung der Leichtathletik generell in der Stadt massiv ausgebremst und gehemmt werden. Eigentlich wäre hier ein Riesenbedürfnis vorhanden.» Der LCZ müsse für Trainings immer mehr ausweichen, weil die (Fussball-)Sperrtermine im Letzigrund zunehmen. Er wiederholt: «Die Halle wäre die perfekte Lösung für dieses Problem.»

Beim LCZ betont man, dass es nicht nur um bessere Trainingsbedingungen für die Topathletinnen und -athleten gehe. Auch für die Leichtathletik-Förderung von Kindern und Jugendlichen stünde die neue Infrastruktur offen. Zudem würde die Halle andere städtische Hallen und Trainingsorte wie namentlich das Mini-Stadion im Sihlhölzli entlasten. 

Denn so überragend das internationale Standing der Schweizer Leichtathletik zurzeit ist, so dürftig ist die Situation bei der Infrastruktur. Beispielsweise trainiert die Zürcherin Angelica Moser, Stabhochsprung-Europameisterin und Olympia-Vierte, viel in Magglingen BE. Sie sagt: «Eine eigene Halle in Zürich würde enorm helfen, konstant auf höchstem Niveau zu trainieren. Gute Trainingsbedingungen machen den Unterschied. Für junge Talente genauso wie für uns Profis.»

Frei seinerseits hätte nicht gedacht, dass so viel politischer Gegenwind aufkommen könnte: «Wir sind eine Sportart, die viel Basisarbeit leistet. Ich sehe nicht, wo man sich hier die Finger verbrennen könnte.» Nun: Die links-grüne Mehrheit im Gemeinderat wird das Vorhaben an der Gemeinderatssitzung vom 1. April voraussichtlich trotzdem stoppen. Ob und wie das Projekt danach weiterlebt, bleibt abzuwarten.

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