Darum gehts
Mujinga Kambundji (34) kennt diese Bahn. Sie kennt das Stadion. Und sie kennt vor allem das Gefühl, hier vorn mitzulaufen. Bei Weltklasse Zürich ist die Schweizer Sprintikone in den vergangenen Jahren regelmässig um die Spitzenplätze gerannt. Zweimal wurde sie Vierte. Diesmal ist alles ein wenig anders.
Über 200 Meter wird Kambundji in 23,61 Sekunden Letzte. Während vorn eine andere Schweizerin jubelt: Fabienne Hoenke (22) gewinnt in starken 22,53 Sekunden. Kambundji weiss selbst am besten, wie weit ihr aktuelles Niveau von ihrer Bestzeit entfernt ist: 22,05 Sekunden stehen als Schweizer Rekord.
Trotzdem will die Bernerin ihren Auftritt nicht schlechtreden. Im Gegenteil. «Als ich rauskam, war es so schön, zu sehen, dass das Stadion voll war. Die Stimmung war so cool», sagt sie. «Es hat mir schon gefehlt, das Einlaufen bei Weltklasse Zürich, es hat gefegt!»
Neues Niveau
Auf der Bahn wartet derzeit allerdings eine neue Realität auf die Bernerin. Nach der Schwangerschaft und der Geburt von Sohn Léon im vergangenen November befindet sie sich noch immer im Aufbau.
«Ich merke einfach, dass das gerade jetzt mein Niveau ist», sagt Kambundji gegenüber Blick. Klar hoffe sie immer, schneller laufen zu können. Doch sie sehe es auch im Training: «Das ist einfach das, was ich im Moment laufen kann.» Und deshalb sei sie mit ihrem Lauf zufrieden. «Ich habe heute gemacht, was ich in den Beinen hatte.»
Ärgerlich sei das nicht. Aber speziell. «Ich bin momentan auf einem anderen Niveau.» Besonders ungewohnt sei es, mit der gleichen Konkurrenz auf der gleichen Bahn zu stehen – nur diesmal mit deutlich weniger Tempo.
Das Schwierige daran: Kambundji ist oder war nicht verletzt. Sie hat keine Schmerzen. «Ich fühle mich ja gut. Aber mein Körper kann einfach noch nicht dasselbe leisten.» Und genau da beginnt der emotionale Teil ihres Comebacks. «Das ist rational sehr logisch, aber emotional auf der Bahn ist es ein wenig schwierig, das wirklich zu verinnerlichen und zu verstehen», sagt sie. «Und das kann innerlich frustrierend sein.»
Sohn blieb im Hotel
Vielleicht hilft ihr dabei, dass das Wichtigste nach dem Rennen ohnehin im Hotel wartet: Sohn Léon ist noch zu klein fürs Stadion und verbrachte den Abend mit Kambundjis Mama. Die ganze Woche war er aber mit seiner Mutter in Zürich. «Das war sehr schön, mit ihm hier zu sein.»
Kambundji bleibt also geduldig. Auch wenn das mitunter leichter gesagt als getan ist.