Darum gehts
- Audrey Werro gewinnt in Torun mit Schweizer Rekord WM-Silber über 800 Meter
- 21-Jährige aus Courtepin beeindruckt mit Rennintelligenz und starkem Kampfgeist
- 2025: Gold bei U23-EM, Platz 4 Hallen-WM, Schweizer Rekord in Zürich
Audrey Werro (21) ist in Torun über Nacht in einen illustren Kreis der Schweizer Leichtathletik aufgestiegen. Das 800-Meter-Ass sicherte sich die WM-Silbermedaille, nur geschlagen von der britischen Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (23), und unterstrich damit ihr enormes Potenzial auf der internationalen Bühne. «Es ist meine erste Medaille bei der Elite. Ich habe lange darauf gewartet und es jetzt endlich geschafft. Dann auch noch mit Schweizer Rekord – das ist unglaublich!», sagt Werro danach.
Die junge Freiburgerin startet in dieser Saison als eine der schnellsten Frauen der Welt und bestätigte nun endgültig ihren Status als Schweizer Entdeckung. Über 800 Meter zündet sie im richtigen Moment den Turbo, zeigt Rennintelligenz und Kampfgeist – Eigenschaften, die sie schon seit Jahren auszeichnen.
Von Hasen und Wurzeln
Der neue Schweizer Stern am Leichtathletik-Himmel lebt zusammen mit seinen Eltern und den drei Geschwistern Carole (24), Ryan (20) und Arno (16) in Courtepin FR in einem Haus. Und mit ihren drei Hasen, die sie nach Edelsteinen benannte: Crystal, Saphir und Perle. Mutter Philomène stammt aus der Elfenbeinküste, ihr Vater Claude ist Schweizer.
Die Familie war bei der WM in Torun nicht vor Ort – ein geplanter Besuch von Mama Philomène scheiterte leider an bereits ausverkauften Flugtickets. Darüber war Werro aber nicht traurig: «Ich weiss, dass meine Familie und meine Freunde alle zusammen geschaut haben. Und heute gehe ich nach Hause und darf sie dann alle in die Arme schliessen und mit ihnen feiern.»
Zu ihrer Familie pflegt Werro eine enge Bindung. «Mein Vater ist der Ruhepool bei uns», erzählt sie. Nur bei Audreys Rennen ändert sich die gelassene Haltung des Freiburgers. Zwei Stunden vor dem Rennen könne er bereits an nichts mehr anderes denken und müsse aufhören zu arbeiten.
Mama Philomène nimmts entspannter. Diese Besonnenheit scheint Werro von ihrer Mutter zu haben. «Ich bin eigentlich immer gut drauf und habe stets einen Spruch auf den Lippen. Und meine Grösse kommt ebenfalls von der Elfenbeinküste – meine Grossmutter ist noch grösser als ich!», erzählt die 1,82 Meter grosse Läuferin.
Primarlehrerin entdeckte sie
Hinter dem Ausnahmetalent Audrey steckt aber nicht ein von der Familie vererbtes sportliches Gen. Zwar musste ihre Mutter in ihrer Jugend mehrere Kilometer in die Schule rennen, aber Papa Claude sagt: «Das Talent, schnell zu rennen, hat Audrey nicht von uns. Den Biss, den Ehrgeiz, das Durchhaltevermögen hingegen – das haben wir ihr beigebracht.»
Sportlich startete Werro schon früh durch: Ihre Primarlehrerin entdeckte damals ihr Talent, sie trat dem Club Athlétique de Belfaux bei, wo sie seither von Christiane Berset Nuoffer trainiert wird.
Schon letztes Jahr ganz vorne dabei
2025 machte sie dann so richtig auf sich aufmerksam: Gold bei der U23-EM über 800 Meter, Schweizer Meisterin mit einer der weltbesten Zeiten, Finalteilnahmen bei der Freiluft-WM in Tokio (Platz 6) und der Hallen-WM in Nanjing (Platz 4) sowie der Schweizer Rekord und der Sieg bei der Diamond League in Zürich. Für diese Leistungen wurde sie als «Rising Star» von European Athletics ausgezeichnet.
Neben all dem Ehrgeiz bleibt Werro aber bodenständig. Nach ihrem Gymnasiumabschluss letzten Sommer kann sie sich nun voll auf den Sport konzentrieren. Audrey Werro ist eine ruhige, zurückhaltende Person, die sich aber auf der Bahn in eine Löwin verwandelt. «Don't be shy, be a lion!» (Sei nicht schüchtern, sei eine Löwin!) war früher ihr Motto, um sich zu motivieren. Mittlerweile schafft sie es auch ohne. Und Werro hat gerade erst begonnen – man darf gespannt sein, was sie noch alles erreichen wird.