Darum gehts
- Annik Kälin überrascht bei EM in Birmingham mit 12,59 Sekunden über 100 m Hürden
- Ihre Zeit war schneller als jene von Europameisterin Nadine Visser (12,67)
- Am Donnerstag gibt sie ihr Hürden-Debüt in der Diamond League in Zürich
Es ist eine der verrücktesten Geschichten der vor Wochenfrist zu Ende gegangenen EM in Birmingham: Annik Kälin (26) hat zum Auftakt des Siebenkampfs im Hürdenrennen über 100 m – um es im Jargon auszudrücken – einen rausgehauen. Und wie. Kälin deklassierte ihre Konkurrenz um Welten, kam in 12,59 Sekunden ins Ziel und verblüffte damit insofern, als dass sie mit dieser Zeit tatsächlich Hürden-Europameisterin geworden wäre.
Natürlich: Kälin lief mit ordentlich Rückenwind. Zudem sind Meisterschaftsrennen oft eine Taktiererei. Trotzdem sorgte es international für viel Aufsehen, dass Kälin schneller lief als Hürden-Goldgewinnerin Nadine Visser (Ho, 12,67). Und auch Weltmeisterin Ditaji Kambundji (12,75) blieb klar hinter der Bündnerin, die sich auf Mehrkampf und Weitsprung spezialisiert hat.
Am Ende setzte es für die Götzis-Siegerin und EM-Mitfavoritin als Siebenkampf-Gesamtvierte zwar eine herbe Enttäuschung ab, doch der Hürden-Auftritt hallte nach. Darauf angesprochen, muss Kälin schmunzeln: «Eigentlich hatte er sich gar nicht so gut angefühlt. Es war fast zu viel Rückenwind (3,3 m/s, d. Red.) vorhanden, und deswegen war es nicht unbedingt der coolste Lauf.»
Trotzdem: Kälins Name hat in der Hürdenwelt die Runde gemacht. Nicht zum ersten Mal. Schon im Juni lief sie in Ratingen (De) eine Zeit von 12,60 Sekunden. Die Frau aus Landquart GR sagt: «Ich kann meine EM-Marke durchaus einschätzen. Der Final der Spezialistinnen fand an einem anderen Tag, zu einer anderen Zeit und bei anderen Bedingungen statt. Trotzdem spüre ich in der Szene schon eine gewisse Wertschätzung.»
Premiere und Saison-Schlussbouquet
Und nun werden ihre Investitionen in diese Disziplin sogar noch speziell belohnt: Kälin darf am Donnerstagabend bei Weltklasse Zürich gegen Kambundji und Co. ran. Ob sie die Stars erneut düpiert? Das bleibt abzuwarten. Verstecken muss sie sich nach dieser starken Saison auf jeden Fall nicht. Kälin selbst sagt, sie wolle es in erster Linie geniessen: «Es wird eine Mega-Erfahrung für mich. Es ist mein erster Hürdenstart in der Diamond League, und ich bin noch nie in solch einem Topfeld mit lauter Spezialistinnen gestartet.» Sie sehe das als «Bestätigung» für ihre jüngsten Leistungen und als Bonus nach einem starken Jahr – mit dem historischen Triumph in Götzis als Höhepunkt.
Weltklasse Zürich stellt für sie nun der Schlusspunkt der Saison dar. Würdiger könnte er kaum sein.