Darum gehts
- Audrey Werro (22) gewinnt fünftes Diamond-League-Rennen in Serie
- In Paris lief Werro 1:53,80 – nahe am Weltrekord 1:53,28
- Nächster Triumph bei Weltklasse Zürich am Donnerstag möglich
Vor einem Jahr hatte Audrey Werro (22) bei der Athletissima als Zweite ihren allerersten Podestplatz bei einem Diamond-League-Meeting erreicht. Es war ein vielversprechender Auftakt in die höchste Wettkampf-Serie der Leichtathletik-Welt. Doch dass Werro in der Folge diese Events derart dominieren würde, haben selbst die grössten Optimisten nicht erwartet.
Mittlerweile steht die Freiburgerin bei fünf Triumphen in Serie: Zürich, Rabat, Stockholm, Paris und nun hat es auch in Lausanne geklappt. Es ist eine verrückte Ausbeute für eine Athletin, die sich erst im Vorjahr bei der Elite so richtig durchgesetzt hatte.
In der Zwischenzeit landen Anfragen von der «Times» oder «L’Équipe» im Mail-Posteingang von ihrem Manager Julien Nuoffer. Werro ist auf dem Weg zur globalen Figur.
«Ich bin 32 und Fan einer 22-Jährigen»
Die ganze Welt staunt über die junge Romande. Besonders aber imponiert sie jenen, die sie verbandsintern schon seit Jahren kennen oder verfolgen. Sprint-Routinier Salomé Kora etwa sagt am Rande der Athletissima: «Es klingt lustig, aber es ist so: Ich bin 32 und ich bin absoluter Fan von einer 22-Jährigen. Es ist so krass, wie sie ihrer Favoritenrolle immer wieder gerecht wird. Und mit welcher Ruhe sie in die Rennen geht.»
Wie es der Zufall will, erheben sich in diesem Moment auf der Tribüne die Eltern von Werro. Kora erspäht sie und winkt ihnen sofort zu. Die Ostschweizerin lacht und sagt: «Ich bin wirklich Fan!»
Ähnliche Worte wie sie findet auch Annik Kälin (26). Die Bündner Siebenkämpferin und Weitspringerin ist in Lausanne nicht am Start, streicht im Gespräch mit Blick aber ebenfalls Werros Abgeklärtheit heraus: «Wie sie in diesem Alter mit Drucksituationen umgeht, ist mega eindrücklich. Unglaublich, was sie auf die Bahn zaubert.»
Folgt in Zürich der sechste Streich?
Die Olympia-Vierte von Paris beschreibt Werro als «sehr nahbar und am Boden geblieben». Und gleichzeitig verfüge sie dennoch über ein «gesundes Selbstvertrauen», so Kälin: «Sie weiss genau, was sie will und sie glaubt stark an ihre Fähigkeiten. Sie ist jetzt schon Weltklasse. Und es ist noch vieles möglich.» Natürlich: Der Weltrekord, von dem alle reden. Die historische Zeit von Jarmila Kratochvilova (1:53,28 Minuten) wackelt spätestens seit Werros Fabelauftritt in Paris Ende Juni, als sie eine Zeit von 1:53,80 lief.
Kora, die in Lausanne mit der Frauenstaffel über 4 x 100 m siegte, findet derweil: «Audrey ist jetzt schon eine Riesenathletin. Ich glaube aber, sie wird noch grösser. Sie hat Superstar-Potenzial und sie ist eine, die Historisches schaffen kann.»
Vielleicht schon kommenden Donnerstag bei Weltklasse Zürich, wenn sie den sechsten Diamond-League-Streich in Folge ins Visier nimmt – und einen nächsten Weltrekord-Versuch wagt.