Es sind deutliche Worte, die Jakob Ingebrigtsen (25) nach dem 1500-Meter-Lauf beim Diamond-League-Finale in Brüssel am Freitagabend wählt: «Verdammt noch mal, gegen was für eine Bande von Feiglingen ich da antrete. Die sitzen nur da und warten und haben grosse Angst», kritisiert der norwegische Leichtathletik-Star gegenüber dem TV-Sender NRK seine Konkurrenz.
Der Grund für seinen Frust: Ingebrigtsen ist in der belgischen Hauptstadt zuvor nur auf Rang vier gelaufen. Seine eher offensive Taktik hat sich dabei nicht ausbezahlt – auf die Zielgerade eingebogen ist er noch als Führender, ehe er sich auf den letzten Metern von seinen Konkurrenten aus seinem Windschatten heraus überspurten lassen muss. Der Sieg geht schliesslich an den Australier Cameron Myers (20).
Gleichzeitig räumt der zweifache Olympiasieger auch ein: «Ich bin nicht gut genug. Ich gebe mein Bestes und laufe, um zu gewinnen, aber ich bin nicht stark genug. So ist es eben.» Erst im August hat er an der EM in Birmingham nach einer langen Verletzungspause wegen Problemen mit der Achillessehne sein Comeback gegeben.
Die Ansage an die Gegner
In England lief er über 5000 Meter schliesslich gleich zu Gold – mit einem eher defensiven Rennen, bei dem er sich lange im hinteren Teil des Feldes aufgehalten hat. Über 1500 Meter verpasste er an den Diamond-League-Meetings in Chorzow, Zürich und nun Brüssel aber das Podest jeweils knapp.
Sein Selbstvertrauen leidet darunter aber offenbar nicht: «Ich freue mich wahnsinnig darauf, in ein paar Monaten zurückzukommen. Dann werde ich allen davonlaufen», blickt er nach dem Rennen in Brüssel schon auf die kommende Saison voraus.
Am Samstagmittag sieht sich Ingebrigtsen aber offenbar dazu gezwungen, noch etwas zurückzurudern. «Da war vielleicht etwas zu viel Adrenalin und Emotionen im Spiel, als mir die Mikrofone gestern Abend unter die Nase gehalten worden sind, aber ich werde die Dinge immer so benennen, wie ich sie sehe», schreibt er in einem Instagram-Post.